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Dienstag, 23. Oktober 2018

Esa-Pekka Salonen, Foto: Kasskara / DG

Esa-Pekka Salonen im Portrait

Biografie


Esa-Pekka Salonen ? dieser Name steht nicht nur für einen international anerkannten Dirigenten, sondern auch für einen Komponisten, dessen Werke weltweit aufgeführt werden. Und für einen Musiker, der seit 1992 als Music Director des Los Angeles Philharmonic das musikalische Leben der Hollywood-Stadt prägt. Im Oktober 2003 weihte Salonen dort die von dem Architekten Frank Gehry entworfene Walt Disney Concert Hall ein. Mit Beginn der Saison 2008/09 wird Salonen nun Principal Conductor und Artistic Advisor des Philharmonia Orchestra in London, seine Tätigkeit in Los Angeles läuft im Sommer 2009 aus.

Orchestertourneen führen ihn in der Spielzeit 2008/09 mit dem Philharmonia Orchestra durch ganz Europa, u.a. nach Brüssel, Köln, Amsterdam, Göteborg, Wien und Madrid sowie mit dem Los Angeles Philharmonic nach Asien. Daneben stehen für Salonen in der laufenden Spielzeit Auftritte mit dem NDR-Sinfonieorchester, dem Koninklijk Concertgebouworkest, dem Orchestre de Paris sowie dem Chicago Symphony Orchestra auf dem Programm.

Esa-Pekka Salonen wurde 1958 in Helsinki geboren. Er studierte Horn, Dirigieren und Komposition an der heimischen Sibelius-Akademie und später in Italien, u.a. bei Donatoni und Castiglioni. Sein Debüt als Dirigent gab er 1979 mit dem Finnish Radio Symphony Orchestra. Den Startschuss zu einer unvergleichlichen internationalen Karriere gaben jedoch zwei Ereignisse: sein kurzfristiges Einspringen bei einem Konzert des Philharmonia Orchestra 1983, das ihn schlagartig in die erste Reihe der weltweit renommierten Dirigenten beförderte, und ein Jahr später sein erster Auftritt in Amerika mit dem Los Angeles Philharmonic, das er bis zur Übernahme des Orchesters als Music Director 1992 regelmäßig dirigierte. Von 1985 bis 1994 war Salonen 1. Gastdirigent des Philharmonia Orchestra London und sogar noch ein Jahr länger, von 1985 bis 1995, hatte er die Position des Chefdirigenten beim Swedish Radio Symphony Orchestra inne. 1989 war Salonen künstlerischer Leiter der Helsinki Biennale, 1995 und 1996 künstlerischer Leiter des Helsinki Festivals, 1999 Music Director des Ojai Music Festival, 2000 künstlerischer Leiter von Avanti! Summer Sounds. Seit 1995 ist er künstlerischer Leiter des internationalen Sibelius Dirigentenwettbewerbs in Helsinki, der alle fünf Jahre stattfindet, und seit 2003 künstlerischer Leiter des Baltic Sea Festivals in Stockholm, das er mitgegründet hat.

Als Music Director des Los Angeles Philharmonic trat Salonen in Los Angeles 1992 die Nachfolge großer Musiker an. Zu den Höhepunkten seiner Zusammenarbeit mit dem Los Angeles Philharmonic gehören unter anderem die Residency bei den Salzburger Festspielen mit ?St. Francois d?Assisi?, die Residency im Théâtre du Châtelet im Rahmen des Strawinsky-Festivals in Paris sowie Tourneen durch Japan und zu den wichtigsten Musikfestivals Europas. Im November und Dezember 2001 sowie Februar 2002 dirigierte der Finne das Philharmonia Orchestra in London, Paris und Brüssel, bei dem die Musik von Magnus Lindberg im Mittelpunkt stand. Als Koproduktion mit der Pariser Opéra Bastille dirigierte Salonen in Los Angeles im Dezember 2004 eine halbszenische Aufführung von Wagners ?Tristan und Isolde?, bei der Peter Sellars Regie führte. Die Bühnengestaltung übernahm Videokünstler Bill Viola, der mit den von ihm entwickelten Techniken ganz neue Effekte erzielte. Diese Koproduktion brachte die Künstler im April 2005 auch nach Paris; hier wurde die komplette Oper inszeniert und Salonen dirigierte das Orchester der Oper. In 2007 brachte Salonen das Tristan-Projekt mit dem Los Angeles Orchestra nach New York. Im Februar 2005 fand anlässlich des 20. Jubiläums von Salonens Debüt mit dem Los Angeles Philharmonic ein Festival in Los Angeles statt, dessen erklärter Schwerpunkt die Musik Salonens war. Im März 2005 hatten Salonen und sein Orchester eine Residency in der Kölner Philharmonie, während der sie neben Werken von Strawinsky, Berlioz, Debussy und Bruckner auch Kompositionen von Salonen selbst zur Aufführung brachten. Nachdem Salonen im September 2004 bei der finnischen Erstaufführung von Katja Saariahos Oper ?L?amour de loin? in Helsinki am Pult stand und 2006 die Uraufführung ihrer Oper ?Adriana Mater? an der Opera National de Paris dirigiert hat, leitete er im August 2007 die finnische Erstaufführung von Saariahios ?La Passion de Simone? in der Regie von Peter Sellars in Helsinki und führte die Produktion danach beim Baltic Sea Festival in Stockholm auf.

Esa-Pekka Salonen ist Mitgründer und künstlerischer Leiter des Baltic Sea Festivals, das im Sommer 2003 in Stockholm erstmalig stattfand. Eines der Ziele des Festivals besteht darin, nicht nur in musikalischer Hinsicht die Bindungen zwischen den Ländern um die Ostsee zu stärken und ein Bewusstsein für den Umgang mit dem gemeinsamen Erbe ? der Ostsee ? zu wecken.

Salonen wurde mit zahlreichen renommierten Preisen ausgezeichnet: Von der Accademia Chigiana erhielt er 1993 als erster Dirigent den Siena Prize, 1995 wurde ihm der Royal Philharmonic Society?s Opera Award und zwei Jahre später der Conductor Award der Society verliehen. 1998 wurde er von der französischen Regierung zum Officier de l?ordre des Arts et des Lettres ernannt. Im Mai 2003 erhielt er einen Ehrendoktor der Sibelius Akademie in Finnland und 2005 die Ehrenmedaille der Stadt Helsinki. Von Musical America wurde er zum Musiker des Jahres 2006 gewählt.

Die Zusammenarbeit mit der Deutschen Grammophon begann mit einer Aufnahme mit Salonens eigenen Werken und dem Finnish Radio Symphony Orchestra im März 2005. Eine DVD mit Saariahos ?L?amour de loin? erschien im September 2005. Salonens erste gemeinsame Aufnahme mit dem Los Angeles Philharmonic für Deutsche Grammophon erschien im Oktober 2006 und wurde im Dezember 2007 für einen Grammy nominiert (Strawinskys ?Frühlingsopfer?, Bartóks ?Wunderbarer Mandarin? und Mussorgskys ?Nacht auf dem Kahlen Berge? ? die erste CD, die in der Walt Disney Concert Hall aufgenommen wurde). Für Deutsche Grammophon haben Salonen und das Los Angeles Philharmonic auch Live-Konzerte aufgenommen, die bei iTunes zum Download zur Verfügung stehen.

Salonens umfangreiche Diskographie spiegelt, genauso wie die innovative Gestaltung seiner Programme, seine intensive Auseinandersetzung mit der Musik des 20. Jahrhunderts wider. Von 1985 bis 2003 arbeitete er mit Sony Classical zusammen. Viele seiner Einspielungen wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter die folgenden Aufnahmen mit dem Los Angeles Philharmonic Orchestra: Symphonie Nr. 3 von Lutoslawski (Grammy, Koussevitzky Award, Prix Cecilia und Gramophone Award for Best Contemporary Record), die drei Klavierkonzerte von Bartók mit Yefim Bronfman (Grammy) und eine Aufnahme mit Filmmusik von Bernard Herrmann (Deutscher Schallplattenpreis). Weitere Einspielungen mit dem Los Angeles Philharmonic Orchestra umfassen u.a. Gustav Mahlers 3. Sinfonie, Bruckners 4. Sinfonie, Werke des mexikanischen Komponisten Silvestre Revueltas, eine CD mit Kompositionen von Bach in Transkriptionen von Stokowski, Elgar, Webern, Schoenberg und Mahler sowie Aufnahmen mit Werken der finnischen Komponistin Kaija Saariaho und eine CD mit Salonens Kompositionen wie ?LA Variations? und ?Mania?. Eine Einspielung aus dem Jahr 2002 bringt erstmalig Aufnahmen von vier Werken von Magnus Lindberg mit dem Philharmonia Orchestra zu Gehör ? eingespielt für Sony Classical als Teil des Lindberg-Projekts. Weitere Werke von Lindberg nahm Salonen für Finlandia Records mit dem Finnish Radio Symphony Orchestra und dem Avanti! Chamber Orchestra auf. Beim gleichen Label erschien zudem eine CD mit Werken von Hindemith, Zimmermann, Lindberg und dem finnischen Komponisten Aarre Merikanto, für die Salonen die London Sinfonietta dirigierte. Eine der Veröffentlichung Esa-Pekka Salonens bei Nonesuch aus dem Jahr 2002, die er mit dem Los Angeles Philharmonic Orchestra einspielte, widmet sich John Adams? ?Naive and Sentimental Music?.

Genauso wichtig wie das Dirigieren ist für Esa-Pekka Salonen sein künstlerisches Wirken als Komponist. Salonens erstes großes Orchesterwerk entstand 1980/81 während seiner Studienzeit bei Niccolò Castiglioni in Mailand. Grundlage des Saxofonkonzerts (?...auf den ersten Blick und ohne zu wissen...?) ist ein Auszug aus Kafkas ?Der Prozess?. Einige Jahre sollten vergehen, bevor Salonen 1988 seine Komposition ?Floof? für Sopran und Kammerensemble in Helsinki mit dem Toimii Ensemble uraufführte, 1992 erhielt er für die überarbeitete Fassung von 1990 den ersten Preis des Annual Rostrum of Composers der UNESCO. Die Komposition ?LA Variations? führte er 1997 erstmals mit dem Los Angeles Philharmonic Orchestra, dem Auftraggeber dieses Werkes, auf; 1998 stand diese Komposition auf dem Programm der gemeinsamen Europa-Tournee. ?Gambit?, ein Werk für Orchester, brachte er im Juni 1998 im Amsterdamer Concertgebow zur Uraufführung. 1999 wurde die überarbeitete Version des Werkes ?Giro? für Orchester auf dem Avanti! Summer Sounds Festival in Porvoo, Finnland, erstmals aufgeführt; auf dem Ojai Festival des selben Jahres war die Uraufführung von ?Five Images after Sappho?, Lieder für Sopran und 14 Instrumente, zu hören. Im Sommer 2000 wurde sein Cellokonzert ?Mania? erstmals öffentlich gespielt und im Dezember 2000 standen bei einem Konzert in der New Yorker Carnegie Hall, das Esa-Pekka Salonen selbst dirigierte, neben ?Mania? und ?Five Images After Sappho? auch die Erstaufführung von ?Dichotomie? auf dem Programm. Beim Schleswig-Holstein Musik Festival 2001 wurde sein Werk ?Foreign Bodies? erstmals aufgeführt, die Großbritannien-Premiere folgte bei den BBC Proms im selben Jahr. Im Dezember 2002 leitete Salonen selbst das NHK Symphony Orchestra in Tokio bei der Weltpremiere von ?Insomnia?, einer gemeinsamen Auftragskomposition für das NDR Sinfonieorchester und die Suntory Hall in Tokio.

Seine Komposition ?Wing on Wing?, an die neue Walt Disney Concert Hall gewidmet, brachte Salonen im Juni 2004 zur Uraufführung. Die europäische Erstaufführung folgte im September beim Helsinki Festival. Im Oktober desselben Jahres veranstaltete das Royal Stockholm Philharmonic Orchestra ein Komponisten-Festival im Stockholmer Konserthuset, das in sechs Konzerten Salonen als Komponist in den Mittelpunkt stellte. Das World Orchestra for Peace führte im August 2005 unter der Leitung von Valery Gergiev Salonens ?Helix? bei den BBC Proms in London auf. Im Februar 2007 dirigierte Salonen das New York Philharmonic in der Uraufführung seines ersten Klavierkonzertes, das dem Solist des Abends, Yefim Bronfman, gewidmet ist. Das Konzert wurde vom New York Philharmonic, BBC, Radio France und NDR Hamburg in Auftrag gegeben. Die europäische Erstaufführung folgte bei den BBC Proms in London im Juli 2007, bei der Salonen das BBC Symphony Orchestra dirigierte. Anfang 2008 wurde sein Streichquartett ?Homunculus? vom Johannes Streichquartett uraufgeführt.



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