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Sonntag, 22. April 2018

Albert Roussel

Albert Roussel im Portrait

Biografie


Matrose oder Komponist? Albert Ch.P.M. Roussel war beides mit großer Leidenschaft. Am 5. April 1869 als Sohn einer wohlhabenden Industrieellenfamilie in Tourcoing/ Frankreich geboren, verlor er beide Eltern im Alter von sieben Jahren. Zunächst wuchs er bei seinem Großvater und nach dessen Tod bei einem Onkel auf. Roussel besuchte ab 1884 das Collége Stanislas in Paris und wurde 1887 in die Ècole Navale aufgenommen. Nach der Ausbildung auf einem Schulschiff tat er seinen Dienst auf einem Panzerkreuzer. Freunde rieten ihm, seine musikalische Begabung durch gründlichen Unterricht weiter zu fördern. Er ging nach Roubaix, nahm Unterricht und verließ die Marine. Im Herbst 1894 siedelte Roussel nach Paris über und wurde Schüler von Gigout. Nach einem Konzert mit eigenen Werken in der legendären Salle Pleyel nahm ihn Vincent d'Indy als einen der ersten Schüler an seine neu gegründete Schola Cantorum auf. Dort erhielt er 1902 eine eigene Kontrapunktklasse, die er zehn Jahre lang leitete. Zu seinen Schülern gehörten Edgar Varese, Bohuslav Martinu und Eric Satie.
Roussel heiratete 1908 Blanche Preisach und ging auf eine lange Hochzeitsreise, die ihn nach Asien führte. Dies fand Niederschlag in seinen Kompositionen, so vor allem im ‚Opéra-ballet' Padmavati und der sinfonischen Dichtung Évocations. Während des Ersten Weltkriegs diente er als Fahrer eines Krankentransportes beim Roten Kreuz, wurde aber wegen seines schlechten Gesundheitszustandes vorzeitig entlassen. Er zog nach Sainte-Marguerite-sur-Mer und lebte dort zurückgezogen mit seiner Frau und seiner Musik. 1930 reiste Roussel nach Amerika, wo er in Boston die Uraufführung seiner dritten Sinfonie erlebte, die ein Auftragswerk für das Boston Symphony Orchestra war.
Roussels Musik ist der Diatonik verpflichtet und erweist sich als das Produkt eines Meisters der überlieferten Formen. Impressionistische Züge der Frühwerke weichen schnell einem sehr eigenen Neoklassizismus, der sich vor allem durch Polymodalität auszeichnet. Zu Roussels Besonderheiten gehören auch die Vorlieben für Quarten und Septimen, eigenwillige Rhythmen, Polyphonie und lang ausgesponnene Melodien. In seinen Werken, vor allem in der Kammermusik, mischen sich Elemente des ‚café-concert' und Jazz mit französischem Witz - eine Eigenart, die schon auf Poulenc vorweist.
Albert Roussel starb am 23. August 1937 an den Folgen eines Herzanfalls in Royan.



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