> > > > > Biografie
Freitag, 26. Februar 2021

 Prager Kammerorchester

Prager Kammerorchester im Portrait

Biografie


Unter den tschechischen Orchestern nimmt das Prager Kammerorchester (PKO) eine herausragende Stellung ein und auch auf der Welt gibt es nur wenige derartige Ensembles. Das Spielen ohne Dirigenten stellt insbesondere eine andersartige Qualität in der Zusammengehörigkeit des Orchesters dar, in der sich jeder Musiker nicht nach dem Taktstock des Dirigenten richtet, sondern sich auf das Orchester als Ganzes bezieht. Und da sich alle Künstler in der Rolle der Interpreten für Kammermusik befinden, ist dieses Wort in der Bezeichnung des Orchesters durchaus berechtigt - auch aufgrund der umfangreichen Instrumentalbesetzung, die von der Praxis des Hochbarocks (Ende des 18. Jahrhunderts) ausgeht, und einen mehrfach besetzten Streichervierklang bildet (12 Geigen, 4 Bratschen, 4 Violoncelli und 2 Kontrabässe), ergänzt durch ein doppeltes Bläsersextett (Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott, Horn und Trompete) und Pauken.

Und auch die Initiative der Musiker als individuelle Künstler in der Interpretation schrieb die Geschichte des PKO schon ab seiner Entstehung, als auf Anregung der führenden Künstler des Symphonieorchester des Tschechoslowakischen Rundfunks in Prag ein kleineres Ensemble entstand, das in angemessener Weise den neuen dramaturgischen Vorstellungen entsprach, die damals insbesondere in der Interpretation älterer böhmischer Musik vorherrschten. Davon zeugt bereits die erste Aufnahme des PKO vom Oktober 1951, Orchesterquartett von Karel Stamitz. Und bereits im nachfolgenden Jahr wurde das Orchester durch seine Teilnahme am berühmten Festival Prager Frühling zu einem der gefragtesten Ensembles im Land, wozu auch der spätere deutliche Rückzug von einer vollen Orchesterbesetzung bei der Interpretation älterer Musikwerke beitrug. Die Repertoire-Möglichkeiten für diese Besetzung eröffnen sich insbesondere in der klassischen Musik (Haydn, Mozart, der frühe Beethoven), reichen aber bis in die Epoche des Hochbarocks (Bach, Händel, Vivaldi). Eine derartige orchestrale Besetzung taucht natürlich ebenfalls in den Werken der frühen Romantik (Mendelssohn, Schubert) und sehr oft auch in der Musik des 20. Jahrhunderts (Britten, Honegger, Prokofjew, Strawinsky) auf.

Ein eigenes Kapitel bildet natürlich verständlicherweise die Musik alter böhmischer Meister, vertreten durch solche Namen oder Geschlechter, wie Michna, Zelenka, Stamitz, Benda, Dusek, Myslivecek, Vanhal, Kozeluh, Vranicky, Rejcha, Jírovec, Vorísek und andere. Besondere Aufmerksamkeit widmet das PKO natürlich auch Komponisten wie Dvorák, Janácek und Martinu, aber es werden auch eine Reihe zeitgenössischer Autoren gespielt, viel davon ist quasi direkt für dieses Orchester geschrieben.

Die wachsenden Verpflichtungen des Ensembles kollidierten später jedoch mit den Anforderungen des Engagements der einzelnen Orchestermitglieder beim Rundfunkorchester. Dies führte im Jahr 1965 zur Bildung des eigenständigen Prager Kammerorchesters. Nach dem Fall des kommunistischen Regimes nahmen die Mitglieder im Jahr 1991 den Betrieb des Orchesters in die eigene Hand - mittels des Unternehmens PKO - Agentur GmbH, deren Geschäftsführer Jirí Krob ist, Generalmanager ist Svatoslav Gosman.

Die achtunggebietende fünfzigjährige Tradition des PKO hinterließ sowohl im einheimischen Musikleben als auch auf ausländischen Podien seine unverwischbare Spur. Im Durchschnitt absolviert das Orchester 80 Konzerte pro Jahr. Dem einheimischen Publikum bietet es jedes Jahr einen Abonnementzyklus von 5 bis 6 Konzerten im Dvorák-Saal des Rudolfinums an, es tritt in der gesamten Tschechischen Republik zu Gastspielen auf, und das Orchester wurde zu einem festen Dramaturgiebestandteil bei den wichtigsten tschechischen Festivals - Prager Frühling und Prager Herbst.

Vier Fünftel der Auftritte absolviert das Orchester aber auf ausländischen Konzertpodien. Neben häufigen Auftritten in Europa und der Teilnahme am Musikfestival in Biarritz, dem Rheingau-Festival oder dem Mozart-Festival in Würzburg gibt es umfangreiche Tourneen nach Übersee, sieben Gastspiele in Südamerika, vierzehn in den Vereinigten Staaten und Kanada, sieben in Japan - und darüber hinaus in jüngster Zeit auch Auftritte in der Koreanischen Republik, Malaysia und Singapur.

In den fünfzig Jahren seiner Existenz wurden viele Titel bei Supraphon, Denon, BMG, Decca, Telarc und anderen Firmen aufgenommen, und in der umfangreichen Diskographie gibt es eine Reihe von wichtigen Auszeichnungen, wie zum Beispiel die Goldene Schallplatte von Supraphon, die Wiener Flötenuhr oder der Grand Prix du Disque von der Académie Charles Cros. In diesem Zusammenhang sollte darauf hingewiesen werden, dass das PKO insbesondere in Aufnahmestudios ohne Rücksicht auf seine Bezeichnung und der vorherrschenden Art der Interpretation der Musikwerke sich auch nicht der Führung eines Dirigenten entzieht - davon zeugt die ungewöhnlich erfolgreiche Kooperation mit Václav Neumann und Gerd Albrecht, sowie das langfristige Projekt der kompletten Aufnahme der Symphonien Mozarts unter der Leitung von Sir Charles Mackerras.

Zu der langen Liste der Solisten, mit denen das Orchester die Ehre hatte zusammenzuspielen, gehören so klangvolle Namen, wie Emil Gilels, Paul Badura-Skoda, Arturo Benedetti-Michelangeli, Rudolf Buchbinder, Salvatore Accardo, Henryk Szeryng, Josef Suk, Maxim Vengerov, Barbara Hendricks, Heinrich Schiff, Uto Ughi, Boris Pergamenschikow, Stefan Vladar oder Beaux Arts Trio. Von den tschechischen Spitzeninterpreten sind es zum Beispiel Zuzana Ruzicková, Ivan Moravec, Zdenek Tylsar, Václav Hudecek oder Michal Kanka. Das PKO kann ebenfalls stolz sein auf seine Zusammenarbeit mit den aufgehenden Sternen am Konzerthimmel, wie der Cellistin Monika Leskovar, der Geigerin Mirijam Contzen, dem Klarinettisten Paul Meyer, oder den Trompetern Sergei Nakariakov und Gábor Boldocki.

Die Zusammenarbeit mit dem PKO ist für viele Solisten auch eine verlockende Möglichkeit, neben der Inter-pretation des eigenen Parts auch die Führung des Orchesters zu erproben. Diese Arbeitmethode, in der Vergangenheit völlig normal, muss jedoch nicht jedem Solisten liegen, und daher kann auch der Konzertmeister die Aufgabe der Orchesterkoordination übernehmen. Der Konzertmeister hat im PKO eine Schlüsselfunktion als künstlerischer Leiter, der dem Spiel des gesamten Ensembles die endgültige Prägung verleiht, und seiner Auswahl wird deshalb eine außerordentliche Bedeutung beigemessen. Gegenwärtig wird das PKO von den Konzertmeistern Antonin Hradil und Ondrej Kukal geleitet.



Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (2/2021) herunterladen (2500 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Antonio Rosetti: Violin Concerto in C Major, Murray C5 - Allegro molto

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links