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Sonntag, 18. August 2019

 Midori, Timothy Greenfield-Sanders

Midori im Portrait

Biografie


Midori ist eine der ganz großen Geigerinnen unserer Tage. Ihre Künstlerpersönlichkeit darf man wohl getrost als einmalig bezeichnen: eine Denkerin mit gesellschaftlichem Engagement und Psychologiestudium, gerühmt für die atemberaubende, intensive musikalische Zwiesprache mit ihrem Publikum, unermüdlich rund um den Erdball unterwegs zu den großen Orchestern, Kammermusikpodien und ihren sozialen Projekten. In diesem Jahr feiert sie ihr 25-jähriges Bühnenjubiläum. Unter den Highlights dieser Saison ist ihr Projekt Music Sharing, das sie in diesem dritten Jahr in Indonesien durchführt; außerdem tritt sie zum ersten Mal in Zentralamerika mit dem National Symphony Orchestra of Costa Rica auf.

Die Spielzeit 2008/09 beginnt mit Auftritten bei zahlreichen Festivals, darunter die Eröffnung des Brucknerfestes Linz, Harrogate Festival, Chamber Music Festival Delft, Ljubljana Festival, Eastern Music Festival Greensboro, Tivoli Festival Kopenhagen, Britt Festival Medford und Tanglewood Music Festival. Im Laufe der Spielzeit wird sie u. a. mit dem Toronto Symphony Orchestra unter Jun Märkl, dem Boston Symphony Orchestra unter Leonard Slatkin, dem WDR Sinfonieorchester unter Pietari Inkinen, den Wiener Symphonikern unter Christian Arming, dem Seattle Symphony unter Gerard Schwarz, dem Los Angeles Philharmonic unter Miguel Harth-Bedoya sowie mit dem Cincinnati Symphony Orchestra unter Paavo Järvi und dem London Symphony Orchestra unter Kristian Järvi auftreten.

Ihre erste Aufnahme machte Midori mit 14 Jahren für Philips: Werke von Bach und Vivaldi mit dem St. Paul Chamber Orchestra unter Pinchas Zukerman. Seit 1988 nimmt sie exklusiv für Sony Classical auf. Dort wurde Anfang 2008 ihre neue CD mit Sonaten von Bach und Bartók veröffentlicht, im Juli folgte ihre neue CD "Essential Midori". 2003 wurde ihre Live-Aufnahme mit den Berliner Philharmonikern unter Mariss Jansons mit den Violinkonzerten von Bruch und Mendelssohn veröffentlicht ? diese Aufnahme erhielt den Preis der Deutschen Schallplattenkritik, ebenso wie ihre CD von 2002 mit Robert McDonald, ?French Sonatas?. Auf der ersten SACD, die Sony jemals herausgebracht hat, ist Midoris Einspielung der Sinfonia Concertante von Mozart mit dem NDR Sinfonieorchester unter der Leitung von Christoph Eschenbach zu hören. 2002 erschien Sonys Beitrag zu Midoris 20jährigem Bühnenjubiläum: das ?20th Anniversary Album?. Auch die Liveaufnahme ihres Carnegie-Hall-Debüts vom Oktober 1990 ist auf einer Sony-CD zu hören.

Weiterhin führt Midori ihr Engagement für verschiedene Outreach-Organisationen fort, die sie vor allem mit einem Ziel gegründet hat, das sie als zunehmend essentiell bezeichnet: Zugang. Sie ist der festen Überzeugung, dass Menschen, egal welcher Herkunft oder welchen Alters, der Zugang zur Musik ermöglicht werden muss. Im September 2007 ernannte der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki-moon, Midori zur Botschafterin des Friedens.

Die erste Organisation, die sie in Reaktion auf die Kürzungen im musikpädagogischen Bereich an den Schulen in New York City gründete, war 1992 Midori & Friends ? über 150.000 Kinder konnten in den letzten 16 Jahren bereits von diesem Programm profitieren. Midori & Friends bietet Kindern, denen sonst keine Verbindung zur Kunst ermöglicht werden würde, musikalische Bildung (inklusive Instrumentalunterricht und Musiktheorie), Konzerte und Workshops. Midori sowie Musiker aus anderen Sparten, wie z. B. Jazz-Musiker, afrikanische Trommler, chinesische Flötisten, treten in vielen dieser Schulen auf. Neuerdings präsentiert Midori & Friends einmal jährlich ein eintägiges Kinder-Festival in New York City.

In Japan hat Midori eine Organisation namens Music Sharing gegründet, die sich auf Instrumental- und Theorieunterricht für zum Teil behinderte Kinder und Jugendliche konzentriert, die an westlicher, klassischer sowie an der traditionellen japanischen Musik interessiert sind. Die international ausgewählten Teilnehmer arbeiten vor Ort in Schulen, Krankenhäusern und Jugendeinrichtungen und legen ihren Schwerpunkt auf intensive Zusammenarbeit mit dem Publikum. 2008 wird das Programm in Indonesien und damit zum dritten Mal außerhalb Japans stattfinden. 2006 fand das Programm, erstmalig außerhalb Japans, in Vietnam statt, 2007 in Kambodscha.

Mit ihrem Avery-Fisher-Preisgewinn (2001) rief Midori 2003 in den USA die gemeinnützige Organisation Partners in Performance ins Leben. Diese fördert aktiv die Verbreitung qualitativ hochrangiger Kammermusik auch in Orte abseits des normalen Konzertbetriebs. ?PiP? wurde bereits in kleinen Orten in Vermont, New Jersey, New Hampshire, Wisconsin, Maryland, Virginia und Washington sowie vier kleinen Gemeinden in Montana und Minnesota präsentiert. In der neuen Saison werden Aufführungen in Reno, Nevada, Joplin und Missouri stattfinden.

Mit der Spielzeit 2003/04 begann Midori eine neue Reihe dieser Art: Im Rahmen ihres University Residencies Program besucht sie mit von ihr eingeladenen Künstlern auf zwei Jahre verteilt für jeweils zehn bis vierzehn Tage verschiedene Universitäten in den USA. Innerhalb der Residency gibt Midori zwei Rezitale und, wenn möglich, auch ein Konzert mit dem jeweiligen Universitäts-Orchester.

Seit der Saison 2004/05 gibt es das Orchestra Residencies Program, bei welchem Midori eine Woche mit einem Jugendorchester verbringt, das Verbindungen zu einem kleinen professionellen Orchester unterhält. Sie tritt mit beiden Orchestern auf und unterrichtet die jungen Musiker, nimmt an Konzerten teil und arbeitet mit beiden, um das gemeinschaftliche Kunstbewusstsein zu stärken. ?ORP? gab es bereits in Alaska (Fairbanks und Anchorage), Minnesota, New Mexico, Vermont, Montana, North Carolina, South Dakota und Iowa, in der Saison 2008/09 sind Orchestra Residencies in Illinois und Alabama geplant.

Midoris Hingabe an die Bildung erstreckt sich über ihr gesellschaftliches Engagement bis hin zu Meisterklassen für junge Geiger auf der ganzen Welt. Dies kommt zu ihren Lehraufgaben an der USC Thornton School of Music hinzu, an der sie Einzelunterricht und Kammermusikklassen gibt, Seminare über gemeinnütziges Engagement gestaltet (Midori Center for Community Engagement) und mit ihren Studenten innerhalb und außerhalb des Campus auftritt. Seit 2007 hat sie den angesehenen Jascha Heifetz Chair inne und ist Leiterin des String Departments.

Seit 2006/07 gibt es ein neues Projekt mit Midori und Vadim Repin, das Midori/Repin Commissioning Project. Für Meet the Composer?s New Music, New Donors werden von einzelnen Spendern Solokompositionen von je 4 Minuten in Auftrag gegeben, die von Midori und Repin als Zugaben bei Konzerten, bei Fundraising Events, Promotionsveranstaltungen und gemeinschaftlichen Projekten aufgeführt werden.

Midori wurde 1971 in Osaka geboren und begann bereits im frühesten Alter, Geige zu spielen, zuerst unter der Anleitung ihrer Mutter. 1982, als Zubin Mehta sie das erste Mal spielen hörte, lud er sie als Überraschungssolistin für das traditionelle Silvesterkonzert des New York Philharmonic ein, bei welchem sie standing ovations erhielt und das den Grundstein für eine großartige Karriere legte.

Midori lebt in Los Angeles. 2000 schloss sie ein Studium der Psychologie und Gender Studies mit dem Bachelor an der New York University ab, dem 2005 der Magistertitel in Psychologie folgte. Midori spielt eine Guarnerius del Gesù 'ex-Huberman' von 1734, die ihr von der Hayashibara Stiftung lebenslänglich zur Verfügung gestellt wird. Ihre drei Bögen stammen aus den Häusern Dominique Peccatte und François Peccatte.

2004 erschien Midoris Autobiographie ?Einfach Midori? im Henschel Verlag.



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