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Mittwoch, 18. Juli 2018

René Jacobs

René Jacobs im Portrait

Biografie


René Jacobs sang als Chorknabe in seiner Heimatstadt Gent und setzte später seine Gesangsstudien in Brüssel und Den Haag fort. An der Universität Gent studierte er klassische Philologie. Die künstlerischen Begegnungen mit dem Sänger Alfred Deller, dem Cembalisten und Organisten Gustav Leonhardt und mit den Brüdern Kuijken führten zur intensiven Beschäftigung mit Alter Musik und mit historischer Aufführungspraxis.

René Jacobs spezialisierte sich als Countertenor und schlug in diesem Stimmfach eine internationale Laufbahn als Opern- und Konzertsänger ein, die ihn durch ganz Europa, in die USA und in den Fernen Osten führte. Seine Interpretationen von Barockopernrollen und von geistlicher und weltlicher Musik des 17. und 18. Jahrhunderts setzten Maßstäbe. Schallplatten- und CD-Aufnahmen von Werken Monteverdis über Schütz und Bach bis zu Pergolesi dokumentieren seine Gesangskunst. Bei den ersten Innsbrucker Festwochen 1976 war Jacobs mit Kantaten und Arien von Caldara und Händel zu hören. Ab 1977 unterrichtete René Jacobs lange Jahre barocken Gesangsstil an der Schola Cantorum Basiliensis. 1979 brachte der Sänger in Innsbruck erstmals Vokalmusik des einstigen Innsbrucker Hofkapellmeisters Pietro Antonio Cesti zu Gehör, 1980 sang er hier Arien aus Cesti-Opern. Die hervorragende Wirkung von Jacobs’ Musizierstil und Cestis Musik bewog den damaligen Leiter der Innsbrucker Festwochen, Prof. Otto Ulf, dem belgischen Musiker 1982 die Leitung einer konzertanten Opernaufführung von Cestis „Orontea“ anzuvertrauen.

Von nun an widmete sich René Jacobs verstärkt der musikalischen Leitung und Bearbeitung von Barockopern mit dem Schwerpunkt auf der frühen venezianischen Oper Monteverdis, Cavallis und Cestis. In Innsbruck und an bedeutenden Opernhäusern in ganz Europa dirigierte Jacobs denkwürdige szenische Aufführungen u.a. von Monteverdis „L’incoronazione di Poppea“ und „Il ritorno d’Ulisse in patria“, Cavallis „Giasone“, Contis „Don Chisciotte“, Cestis „Orontea“ und „L’Argia“ und wandte sich auch Händel („Flavio“) und Purcell („Dido and Aeneas“) zu. Bei den Salzburger Festspielen brachte er Monteverdis „Orfeo“ und an der Brüsseler Oper Cavallis „La Calisto“ heraus. In Innsbruck überraschte er die Musikwelt mit der Wiederentdeckung von Telemanns „Orpheus“ und dem fulminanten „Solimano“ Hasses. Darüber hinaus leitete Jacobs auch viele Oratorienaufführungen, u.a. von Bachs „Weihnachtsoratorium“ im Wiener Musikverein und von Händels „Saul“ in mehreren europäischen Musikzentren.

Von 1991 an ist René Jacobs Opernchef der Innsbrucker Festwochen, deren künstlerische Leitung er inzwischen ebenfalls übernommen hat. An der Deutschen Staatsoper Unter den Linden in Berlin ist er Principal Guest Conductor und betreut das vorklassische und klassische Repertoire. Dort brachte er u.a. Grauns „Cleopatra e Cesare“ und Mozarts „Cosi fan tutte“ heraus, sowie in Koproduktion mit den Innsbrucker Festwochen Werke wie Gaßmanns „L’ Opera seria“ und Händels „Rinaldo“. Die letztgenannte Produktion erhielt von der Zeitschrift „Opernwelt“ 2004 die Auszeichnung „Inszenierung des Jahres“; die in Innsbruck entstandene CD-Aufnahme des „Rinaldo“ wurde zur „Opernaufnahme des Jahres 2004“ gekürt. Monteverdis „L’Orfeo“, der im Januar an der Berliner Staatsoper Premiere hat, ist ebenfalls eine Koproduktion mit den Innsbrucker Festwochen.

Auch als Konzertdirigent von u.a. symphonischem Repertoire bis hin zu Schubert feiert Jacobs mittlerweile große Erfolge in Musikzentren wie London, Paris, Köln und Salzburg. Er leitet die bedeutendsten Klangkörper der historisch informierten Aufführungspraxis wie das Orchestra of the Age of Enlightenment, die Akademie für Alte Musik Berlin, Concerto Köln und das Freiburger Barockorchester.

René Jacobs hat mehr als 250 Einspielungen vorgenommen, davon sind viele mit hohen Preisen ausgezeichnet worden. Die letzten waren die „Madrigali guerrieri ed amorosi“ von Monteverdi ( „ffff“/Télérama, Choc des Jahres 2002/Monde de la Musique, Timbre de platine/ Opéra International, Preis der Deutschen Schallplattenkritik 2002), Händels „Rinaldo“, „Griselda“ von Alessandro Scarlatti (Timbre de platine/ Opéra International, Diapason d’Or, 10 Punkte/ Répertoire), Mozarts „Le nozze di Figaro“ im April 2004 (Gramophone Award) und Haydns Symphonien Nr. 91 und Nr. 92 (alle bei „Harmonia Mundi France“). Für Mozarts „Le nozze di Figaro“ wurde Jacobs außerdem Ende 2004 in Los Angeles mit dem begehrten Grammy, dem so genannten „Oscar der klassischen Musik“ ausgezeichnet. Im Januar 2006 erhielt die CD-Produktion von Händels „Saul“ auf der MIDEM in Cannes die Auszeichnung als beste Aufnahme der Sparte „Barock“.

René Jacobs begann im Januar 2004 einen Monteverdi-Zyklus an der Staatsoper Unter den Linden Berlin („L’Orfeo“ 2004, „Il ritorno d’Ulisse in patria“ 2005 in Koproduktion mit dem Théâtre des Champs-Elysées; „L’Incoronazione di Poppea“ Februar 2006 in Koproduktion mit dem Théâtre Royal de La Monnaie, Brüssel). Im Bereich der geistlichen Musik und des Oratoriums waren die letzten Projekte Händels „Saul“ (November 2004) und die Brockes-Passion von Telemann (März 2005). Ihnen folgt Händels „Messiah“ (Dezember 2005). Die Wiederaufnahme von Mozarts „Le nozze di Figaro“ am Théâtre des Champs-Elysées, Paris, unter seiner Leitung wurde im Juni 2004 live auf arte ausgestrahlt und parallel auf große Leinwände in Straßburg, Brüssel und Leipzig übertragen. Jacobs’ Neuentdeckung des Jahres 2004, Francesco Cavallis „Eliogabalo“, hatte im April Premiere am Théâtre Royal de La Monnaie, Brüssel, und wurde im August ein umjubelter Erfolg in Innsbruck. René Jacobs’ Beschäftigung mit den Da-Ponte-Opern Mozarts findet im August 2006 bei den Innsbrucker Festwochen mit der Produktionspremiere von „Don Giovanni“ ihren krönenden Abschluss.



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