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Sonntag, 7. März 2021

 The King's Singers, Photo: Marco Borggreve

The King's Singers im Portrait

Biografie


Als die King's Singers zum ersten Mal ein Konzert gaben, war das für ein paar Freunde bei einem Fest in Cambridge. Das Programm bestand aus Stücken, wie sie sie beinahe jeden Tag im Chor des King's College sangen, und aus Songs, die sie bei geselligen Gelegenheiten in Pubs und dem Footlight Club in Cambridge manchmal zum Besten gaben. Das Ensemble gab es also noch nicht, aber sein Programmkonzept war bereits geboren, das die Grundeinstellung der Gruppe bis heute repräsentiert: Wichtig ist nicht das Genre eines Stückes, sondern seine musikalische Qualität. Diese aber ist kein Privileg nur einer Art von Musik, und deshalb singen die King's Singers alles, was für die sechs Stimmen singbar ist. Schon bald war die Mischung aus E- und U-Musik ihr Markenzeichen, und dieses respektlose cross over zwischen allen Sparten machte ihnen und ihrem Publikum so viel Spaß, daß die Auftritte der Schola Cantorum Pro Musica Profana in Cantabrigiense sich häuften. Mit einem Konzert auf Einladung von Sir Neville Marriner wurde es dann ernst: am 1. Mai 1968 gaben die nun umgetauften King's Singers ihr Debutkonzert in der Londoner Queen Elizabeth Hall.

Heute, vierzig Jahre danach, kann man nur staunen, was inzwischen aus der Gruppe geworden ist. Die Gründungmitglieder sind heute natürlich nicht mehr dabei, eine zweite und eine dritte Generation hat übernommen. Die Zusammensetzung hat sich, nach einigen anfänglichen Umwegen über einige Sopranistinnen, seit vielen Jahren eingependelt auf zwei Countertenöre, ein Tenor, zwei Baritone und ein Baß. Das Repertoire hat sich natürlich erweitert; zwar ist die Grundeinstellung igeblieben, aber die einzelnen Bereiche sind stark ausgeweitet worden., und in jedem Bereich gibt es inzwischen große Projekte, die nichts mehr mit cross over zu tun haben. Im Bereich der Alten Musik könnte man die "Tenebrae Responsorien für Gründonnerstag" von Gesualdo nennen, die Madrigalsammlung "The Triumphs of Oriana" oder auch "Treason and Dischord", das den Terror um den richtigen Glauben in London um 1605 schildert. Im populären Bereich gibt es Programme um die Comedian Harmonists, die Wiener Strauss Dynastie und natürlich die Beatles. Der Musik unserer Tage ist breiter Raum gegeben; Weit über hundert Werke namhafter zeitgenössischer Komponisten sind im ständigen Repertoire. Viele Stücke sind Auftragskompositionen der King's Singers und aus einigen von ihnen ist mit "Landscape and Time" ein bemerkenswertes Programm entstanden.

Nach Deutschland kamen die King's Singers mit einer neunjährigen Verzögerung, dann aber mit Macht. Im Mai 1977 fand das erste Konzert hierzulande statt, und in den folgenden Jahren ist der deutschsprachige Raum mit hunderten von Konzerten, mit zahlreichen Fernsehauftritten und Rundfunkaufnahmen zu einer zweiten Heimat der King's Singers geworden. Nicht zu vergessen mit workshops, denn sie sind mit großer Begeisterung und viel Talent auch pädagogisch tätig. Regelmäßig alle zwei Jahre unterrichten sie eine Woche lang beim Schleswig-Holstein Musik Festival, und sie machen vielerorts workshops master classes in Schulen und Hochschulen. Damit haben sie zu diesen Orten und zu ihren Kursteilnehmern eine ganz eigene und enge Beziehung aufgebaut und manchen auf den künstlerischen Weg geholfen. Wenn man heute von einer ganz lebendigen und bunten A-cappella-Szene in Deutschland sprechen kann, so muß man sagen, daß diese im wesentlichen den sechs Engländern zu verdanken ist, die vor mehr als dreißig Jahren kamen, sangen und auf der ganzen Linie und allen Einwänden und Unkenrufen zum Trotz siegten.

(C) 2007 erika esslinger konzertagentur



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