> > > > "Uns kam es darauf an, dass Komponisten für uns etwas schreiben"
Donnerstag, 23. Februar 2017

Photo: Hubert Lankes

Das Vokalensemble Singer Pur betritt mit zeitgenössischen Stücken und deutschen Volksliedern unausgetretene Pfade, ohne aber den Königsweg des Vokalrepertoires zu vernachlässigen.

"Uns kam es darauf an, dass Komponisten für uns etwas schreiben"


Pure Freude beim Zuhören bereiten die sechs Vokalisten des Ensembles "Singer pur". Mit viel Empfindsamkeit lassen sie die Vokalmusik aus verschiedensten Epochen aufleben. Angefangen von mittelalterlichen Gesängen über Madrigale der italienischen Renaissance, Lieder der Romantik, Dokumente zeitgenössischer Musik bis hin zum Jazz zeigt das Vokalsextett große stilistische Vielseitigkeit. Zugleich kommen alle Hörer voll auf ihre Kosten, die eingefleischten Klassikfreunde ebenso wie die Anhänger zeitgenössischer Musik; und vor allem auch die Liebhaber deutscher Volkslieder, denn mit der ECHO-prämierten CD "SOS - Save our Songs" widmet sich "Singer pur" einem Repertoire, das lange Zeit als verstaubt und altbacken galt. klassik.com sprach mit zwei Ensemblemitgliedern, Claudia Reinhard und Marcus Schmidl, in München über die Anfänge des Ensembles, den Spaß an neuen Tönen, geistliche Wurzeln und die pure Lust am Singen.

Wann begannen ihre gemeinsamen vokalen Abenteuer?

Schmidl: Offiziell ist 1991 das Gründungsjahr. Wir haben uns während der Schulzeit bei den Regensburger Domspatzen formiert. Jetzt sind noch zwei Sänger von den Gründungsmitgliedern dabei, und zwar zwei ehemalige Domspatzen. Anfangs waren wir fünf Ehemalige von den Regensburgern. Dann kam später eine Sopranistin hinzu, weil wir wussten, dass unsere Repertoire-Möglichkeiten mit einer weiblichen Stimme ungleich höher waren. Die Messlatte für den Deutschen Musikwettbewerb lag sehr hoch. Doch 1994 waren wir erfolgreich und erhielten den ersten Preis.

Dann erfolgte noch ein weiterer Umbau in der Sechsergruppe…

Reinhard: …ja, 2003 kam ich als Vertreterin der Oberstimme dazu, nachdem eine Kollegin die Gruppe verlassen hatte. Und im gleichen Jahr hat sich die Gruppe dann endgültig formiert, so wie sie aktuell in den Konzerten aufs Podium tritt.

Gilt diese Besetzung (eine Vertreterin für die Oberstimme und fünf Herren) auch für die frühe Vokalmusik, oder wechseln Sie hier zu einem Counter?

Schmidl: Das jetzige Stimmengefüge hat sich gefestigt, denn wir haben mit einer weiblichen Oberstimme von Anfang an sehr gute Erfahrungen gemacht.

Die Stufenleiter des Erfolgs haben Sie ja sehr zielstrebig durchschritten.

Reinhard: Wir erhielten Einladungen zu Konzerten. Es gibt ja diese Auswahlkonzerte junger Künstler. Man kommt aufgrund des Wettbewerbs auf eine Auswahlliste, was automatisch zu Kontakten führt. Der Kontakt mit Veranstaltern wird durch den deutschen Musikrat dabei sehr gefördert. Durch die Auftritte gewinnt man an Popularität. Und es wurde auch eine CD produziert. Das gehört einfach zu dem Paket des Preises. Im Jahr kamen da schon einhundert Konzerte zusammen.

Gastieren Sie auch im Ausland?

Schmidl: Eine Reihe von Projekten kam durch Vermittlung des Auswärtigen Amtes und des Goethe-Instituts zustande. Das ermöglichte uns Auftritte in Afrika und in Zentralasien.

Copyright Telemach Wiesinger

Ihr Repertoire ist stilistisch weit gespannt.

Schmidl: Unsere ersten Schritte unternahmen wir im Jazz-Bereich. Das war ganz zu Beginn unserer Karriere als wir als eigenständige Vokalgruppe buchstäblich das Laufen lernten. Wir fühlten uns keineswegs als Entertainer, und es kam uns auch nicht in den Sinn, etwa in die Fußstapfen der Comedian Harmonists zu treten. Wir vermieden bewusst den „kleinen grünen Kakadu“. Uns kam es eher darauf an, dass Komponisten für uns etwas schreiben. Und es gibt auch in der Alten Musik so viel zu entdecken. Wir sind keine „Klamaukcharaktere“, und so bleibt das, was in Richtung U-Musik zielt, außen vor.
Reinhard: Entscheidend für uns ist der klassische Rahmen. Für diese Art von Musik wird es immer ein Publikum geben, auch wenn sich die aktuelle Finanzkrise in den kulturellen Sektor eingraben sollte. Pop ist nicht unsere Domäne. Um wirklich Geld zu machen, um einen gewaltigen Bekanntheitsgrad zu erlangen, um mit einer Bühnenshow die Zuhörer in den Bann zu ziehen, müsste man sich exklusiv auf dieses Genre spezialisieren. Das können wir nicht, das wollen wir auch nicht, das ist auch nicht unser Metier. Wir lassen uns daher auch nicht auf Pop-Arrangements ein, singen nicht mit dem Mikrofon, nehmen von jeglicher elektronischen Verstärkung Abstand.

Musica antiqua beansprucht einen besonderen Platz im Repertoire.

Reinhard: Das ist richtig. Da gilt es ja, die Skala der Affekte in den verschiedensten Stimmungen auszukosten, etwa in den kunstreichen Madrigalen von Claudio Monteverdi. Da lässt sich der Klang bildhaft, farbenreich realisieren. Das erfordert feinnervigen Klangsinn, aber auch Gelenkigkeit für die kunstvolle Polyphonie.

Was hat sie bewogen, in ihrer CD ‚Memento’ vier Kompositionen des kaum bekannten Komponisten Georges de la Hèle aufzunehmen?

Schmidl: Wir wurden seinerzeit in Regensburg von Pater Josef Bader reichlich mit Noten eingedeckt. Er vermachte uns viele Werke, die er für wertvoll erachtete. Bader stammt aus dem Kreis von Konrad Ruhland - ein Spezialist für Alte Musik, der ja viele Aufnahmen für das legendäre Label ‚Das Alte Werk’ eingespielt hat. So kamen wir mit der Musik von de la Hèle in Berührung. Doch aus den im Druck erhaltenen ‚Octo missae’ haben wir, passend für unsere Stimmbesetzung, aus dem Zyklus von Georges de la Hèle eine Messe - Missa ‚Quare tristis es’ - als gut befunden - ein Kontrast für die zeitgenössischen Abschnitte unseres Programms. Musica antiqua und Modernes bilden so eine sinnstiftende Einheit.

Es scheint, dass Sie auch besonderen Spaß finden an neuen Tönen. Die CD ‚Memento’ verbreitet eine sakrale Aura, zeigt Lust am Besinnlichen, am Meditativen. Was bedeutet Ihnen die Musik des Esten Arvo Pärt, dessen Werke eine würdige Ruhe verbreiten?

Schmidl: Ich finde es sehr spannend, dem Publikum diese Musik vorzuführen, gerade in den heutigen schwierigen Zeiten, wo die Kirche ja nicht länger der Kristallisationspunkt für das menschliche Leben ist. Gerade deshalb sollte sich die Musik, wenn sie im 21. Jahrhundert überleben will, auf ihre geistlichen Wurzeln besinnen. Sehnen sich nicht gerade junge Menschen nach innerem Halt? Hier wird den Menschen durch Musik ein Gegenpol präsentiert. Wer sich auf diese Klänge einlassen kann, dem widerfährt ein großes Erlebnis. Pärt zieht mich immer wieder in seinen Bann. Und wir waren immer hellhörig um zu erfahren, was es Neues von Arvo Pärt gibt, was wir in unser Repertoire aufnehmen könnten. Wir haben keinerlei Skrupel, das Publikum mit diesen Werken zu konfrontieren. Abgesehen davon: Wir erlauben uns auch noch Provokativeres und Extremes wie Programme mit Werken von John Cage. So zwingt ein Werk aus dem ‚Songbook’ von Cage (es geht um Vögel) die Interpreten nach melodischen Fetzen plötzlich zum Einlegen einer Pause von 66 Sekunden. Da passiert dann überhaupt nichts. Zahlen markieren die Pausen. Und das wiederholt sich. Da ist nichts mehr zu hören als Rascheln aus den Reihen der Zuhörer. Mich packt das immer wieder.

Das Programm Ihrer CD „Memento“ widmet sich auch Motetten von Wolfgang Rihm. Was bedeuten Ihnen diese Kompositionen?

Schmidl: Diese Werke haben uns in der Tat viel geholfen. Das war für uns eine große Herausforderung. Der Name Wolfgang Rihm war als Widmungsträger für unser Image sehr förderlich. Das ganze Projekt (dazu kamen noch Kompositionen von Salvatore Sciarrino) wurde durch das Siemens Arts Programm finanziert. Wir hatten eine ganze Karwoche in einer Kirche gestaltet, kombinierten Wolfgang Rihm mit Musik der Renaissance, einer Passion von Orlando di Lasso und mit anderen Werken.

Wie beurteilen Sie den Schwierigkeitsgrad bei der Aufführung von Rihm-Werken?

Reinhard: Fürwahr ist das nicht einfach zu gestalten. Doch wir stellten fest, dass man sich in diese Tonalität gut einhören kann. Das Rihm-Projekt zog sich ja fünf Jahre hin. Da kam ein Stück nach dem anderen auf uns zu. Und je länger wir uns mit diesen Trouvaillen auseinandersetzten, umso leichter fiel uns dann der Umgang mit einem neuen Stück. Doch die ersten drei Werke forderten uns schon harte Probenarbeit ab.
Schmidl: Ich darf noch hinzufügen: Wenn man sich auf diese kunstreich komponierten Kreationen eingelassen und sie einige Male gesungen hat, dann haften sie ganz bewusst im Gedächtnis. Wir könnten die Werke, die uns schon länger begleiten, fast auswendig vortragen. Selbst wenn man ein ganz dickes Stimmengeflecht wahrnimmt und glauben könnte, das präge sich für den einzelnen überhaupt nicht gut ein. Doch da öffnet sich auf einmal eine innere Logik. Es ist faszinierend, wie schlüssig sich die einzelnen Linien herausschälen. Das ist große kompositorische Kunst. So etwas prägt sich tadellos ein. Und wir schätzen den Kontakt mit Wolfgang Rihm sehr - ein sympathischer Typ.
Reinhard: Und noch ein weiterer Aspekt erscheint uns wesentlich. Bei den Rihm-Werken, die wir einstudierten, muss jede Stimme im Ensemble ganz ordentlich ran. Da muss viel gesungen werden.

Copyright Markus Schmuck

Fordern nicht gerade zeitgenössische Werke mitunter eine geradezu artistische Virtuosität in der Erkundung neuer vokaler Möglichkeiten?

Schmidl: In der letzten Zeit hörte ich von den Stuttgarter Vokalsolisten (dem SWR Vokalensemble Stuttgart, Anm. d. Red.) relativ viele Werke, denn ich wollte mich informieren, was in dieser Zielrichtung so geschrieben wird. Was wir als ‚Singer pur’ musikalisch präsentieren, ist bei weitem nicht so extrem. Wenn man in Produktionen von Donaueschingen hineinhört - ich hatte das Vergnügen, mich mit dieser Art von Musik auseinanderzusetzen - dann scheinen melodische Verläufe wie sie etwa Wolfgang Rihm hervorbringt, im Vergleich zu diesen fragmentarischen Gebilden überholt zu sein.
Reinhard: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Komponisten, die für uns tätig sind, sich eher an die Musica antiqua anlehnen. Sie schreiben eher linear und bieten sehr Gesangliches an, wahrscheinlich weil sie unseren Klang im Ohr behalten. Da bleibt dann wohl Extremes außen vor. Im Übrigen finden Vokalwerke beim Publikum eher Resonanz als zeitgenössische Klänge, die ausschließlich für Instrumente geschrieben sind. Um nochmals auf Wolfgang Rihm zurückzukommen. Man macht schon eine spannende Hörerfahrung, wenn man die Motetten im vokalen Vortrag mit den instrumentalen Zwischenspielen im Rihmschen Zyklus ‚Vigilia’ konfrontiert. Ich glaube, dass gerade die Abwechslung zwischen den gesanglichen Teilen und den extrem anders gestalteten instrumentalen Einschüben spannungsvolle Momente beschert.

Was hat sie eigentlich bewogen, deutsche Volkslieder in einem neuen Arrangement vorzustellen? Der Titel ‚SOS! „Save our Songs’ wirkt ja wie ein mahnendes Signal.

Reinhard: Dieser werbekräftige Titel stammt nicht aus unserer Feder. Es ist schon so: Volkslieder schlummern in der Versenkung, werden wenig gesungen. Wir wollten uns bewusst abgrenzen von volkstümlicher Musik, die ja kaum in einem Zusammenhang steht mit volksliedhaftem Gut. Ursprünglich kam uns die Idee zu dieser Produktion von einer CD der King’s Singers mit englischen Volkliedern. Diese Initiative der King’s-Leute gefiel uns recht gut. Warum sollte das, was auf englische Verhältnisse zutrifft, nicht ebenso für deutsche Volkslieder gelten? So ließen wir für unsere Besetzung ein gut singbares Arrangement anfertigen. Die ‚Lust und Freude aufs Volklied’ zu wecken, das war unsere Absicht. Schade, dass die Kinder kaum mehr Volkslieder kennen. Es gibt kaum noch ein aktives Singen von Volksliedern in der Familie, im Kindergarten oder im Musikunterricht der Schulen.
Schmidl: Ich fand die englischen Melodien wunderbar. Und ich wollte einmal eruieren, welche Schätze da im deutschen Liedgut in der Versenkung schlummern. Man muss in diese Materie eintauchen und sich damit beschäftigen, um all die Schönheiten kennen zu lernen. Und jetzt kann sich der Hörer anhand unserer CD ein Urteil bilden. Er hört diese Melodien und mag dann sicher zur Erkenntnis gelangen, dass es bei uns ähnlich zauberhafte Lieder gibt wie die von der Insel.
Reinhard: Ist es nicht so, dass Chöre aus anderen Ländern oft Chorsätze vortragen mit heimischer Folklore, was es in Deutschland leider in guter Qualität kaum gibt? Es existiert bei uns eine große Diskrepanz zwischen dem Volkslied und der Kunstmusik. Dass man diese Gattungen verbinden und auf kunstvolle Weise Volkslieder vortragen kann, war für uns ein besonderes Anliegen.
Schmidl: Mich hat damals eine Aufnahme mit Volksliedern in der Wiedergabe durch Hermann Prey begeistert. Diesem Sänger haben wir viel zu verdanken. Es gibt wundervolle Bearbeitungen von Volksliedern, die Johannes Brahms hinterlassen hat und die Prey immer wieder in seine Liedprogramme aufgenommen hat.

Wo treten Sie als kammermusikalisch vokale Formation auf? Treten Sie in etablierten Konzertreihen auf?

Reinhard: Wir treten in mittelgroßen Sälen auf, gerne auch in Kirchenräumen. Und wir gastieren viel bei Sommerfestivals in reinen Vokalrecitals mit geistlicher und weltlicher Musik.

Copyright Telemach Wiesinger

Sie sind ein hoch professioneller Chor. Ist das für Sie ein Full-Time-Job? Oder Engagieren Sie sich noch in anderen Formationen, etwa in großen Konzert- oder Opernchören?

Reinhard: Der zeitliche Umfang beansprucht uns etwa zu zwei Dritteln. Die verbleibende Zeit füllt jeder mit individuellen Engagements aus, zum Beispiel mit solistischen Auftritten. Zwei Mitglieder aus unserer Gruppe wirken im Chor des Bayerischen Rundfunks mit. Zwei Mitglieder betätigen sich als Chorleiter in anderen Ensembles. Auch Unterrichten gehört zu den Nebenbeschäftigungen. Fünf aus unserem Team haben Gesang studiert, der Tenor Klaus Wenk ist Musikwissenschaftler, bringt aber von den Regensburger Domspatzen reiche vokale Erfahrung mit.
Schmidl: Noch ein Hinweis, was die Auslastung unseres Teams betrifft. Da gibt es im Umfeld eine Menge an Arbeiten zu bewältigen. Wir überlegen ernsthaft, ob wir nicht all die organisatorischen Dinge in die Hände einer anderen Kraft legen sollten, um uns von den administrativen Dingen zu entlasten. Wenn noch mehr Konzerte hinzukämen und sich die Anfragen häufen sollten, dann wäre dies wohl unabdingbar.
Reinhard: Natürlich stehen wir exklusiv bei einer Agentur unter Vertrag. Die kümmert sich um die Akquisition, führt die Vertragsverhandlungen durch. Freilich laufen so manche Kontakte auch erst über die Gruppe und werden dann an die Agentur weitergeleitet. Doch was künstlerische Inhalte, was Programmgestaltung betrifft, also all die konzeptionellen Aspekte, angefangen vom Website-Aktualisieren, Verschicken von CDs und Reiseplanung, da kommt doch eine Menge zusammen, auch wenn wir diese administrativen Dinge arbeitsteilig auf mehrere Köpfe verteilen.
Schmidl: Und nicht zu vergessen: Wir müssen stets darauf achten, die Stimme in Schuss zu halten. Dafür muss immer Zeit bleiben. Nur so bleiben wir künstlerisch in Form.

Deutschland steckt in der Rezession. Die Finanzkrise ist überall angekommen. Das könnte auch Folgen haben für den kulturellen Sektor. Müssen Sie um die Zahl Ihrer Auftritte bangen?

Reinhard: Wir lassen die Dinge auf uns zukommen. Wir dürfen uns als Künstler nicht davon irritieren lassen. Noch haben wir ein gutes Auskommen, auch wenn wir damit nicht reich werden. Dafür ist auch die Nische, das Marktsegment, wohl zu klein bemessen. Doch Marketing scheint gerade jetzt für die Sicherung der Existenz unabdingbar. Man muss mit der Agentur überlegen, welche Jubiläen in absehbarer Zeit aktuell sind, damit genügend Vorlauf bleibt, um adäquate Programme anzubieten. Wo liegen Schwerpunkte bei den Festivals? Das ist ein wichtiger Aspekt. Und Musikveranstalter sind gedenkfreudige Naturen. Da gibt es immer reizvolle Anhaltspunkte zum Einstudieren neuer Werke. Wichtig ist für unser Team auch die Frage, in welche Richtung wir uns weiter entwickeln sollten, vor allem was den Anteil an zeitgenössischer Musik betrifft.
Schmidl: A propos Gedenkfreudigkeit… Wir werden Programme entwerfen, die vokale Werke von Felix Mendelssohn-Bartholdy zu Wort kommen lassen. Unsere nächste CD wird romantisch orientiert sein, und zwar in einem gemischten Programm, das Werke von Mendelssohn und Schumann enthält. Im Übrigen steht noch ein weiteres Projekt an, und zwar eine Doppel-CD mit Musik von Adrian Willaert. Von dem einst an San Marco in Venedig wirkenden Komponisten gibt es eine Sammlung ‚Musica Nova’, die l559 in Venedig in Druck erschien. Sie wird im nächsten Jahr 450 Jahre alt und besteht zur Hälfte aus Madrigalen und Motetten. Der im ungewöhnlichen Hochformat erschienene Druck gilt als einzigartiges Denkmal für Willaerts Ansehen, insbesondere für sein umfangreiches Repertoire. Der Komponist hat ja zu allen maßgeblichen Gattungen seiner Zeit gewichtige Beiträge geliefert.

Sie sind ein weit gereistes Ensemble. Wie gestalten Sie Ihre Konzertprogramme, wenn Sie dieser Tage in Südamerika (Kolumbien) auftreten? Fühlen Sie sich als musikalische Botschafter, um den Zuhörer nicht nur kunstreiche Klänge aus Vergangenheit und Gegenwart vorzuführen, sondern auch mit deutschen Volksliedern zu erfreuen?

Reinhard: Wir haben drei Auftritte, präsentieren in zwei gemischten a cappella-Konzerten spanische Stücke, auch deutsche Romantik, Volkslieder und internationale Liebeslieder - ein richtiger Querschnitt. Aufgrund der Einladung der Nationalbibliothek in Bogotá werden wir auch mit einem kolumbianischen Orchester auftreten und mit Orgel und Orchesterbegleitung musizieren. Das Publikum wird von Wolfgang Rihm das ‚Miserere’ aus dem Motetten-Zyklus ‚Vigilia’ mit Begleitung des Orchesters hören, ebenso Arvo Pärt. Erstaunlich, wie aufgeschlossen diese Veranstalter doch für zeitgenössische Musica-sacra-Programme sind.

Das Gespräch führte Prof. Egon Bezold.
(12/2008)

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