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Dienstag, 27. Juni 2017

Naxos feiert 20. Geburtstag. Ein Gespräch mit Labelgründer Klaus Heymann

Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht


Als Klaus Heymann vor genau 20 Jahren im fernen Hongkong ein Label für klassische Musik gründete, das die gerade den Markt erobernde CD zum Preis einer LP anbieten wollte, da belächelten viele den umtriebigen Geschäftsmann und Musikliebhaber. Heute blickt das gesamte Musikbusiness mit einer gewissen Ehrfurcht und großem Respekt auf den ehemaligen Exoten, der seine Marke Naxos mit großem Enthusiasmus und scheinbar unfehlbarem Geschäftssinn zum größten Independent Label der Welt gemacht hat. Heftete den Naxos-Produktionen früher noch oft die Aura eines Billigprodukts an, so stehen heute die großen Künstler und Orchester vor Heymanns Hongkonger Büro Schlange, um Teil der großen Naxos-Familie zu werden. Im Gespräch mit klassik.com Redakteur Felix Hilse spricht der gebürtige Frankfurter über die Vorteile der eigenen Repertoirepolitik, die Zukunft der CD und erklärt, was Sex and the City mit Naxos zu tun hat.

Herr Heymann, Ihr Lebenswerk, wenn man es so nennen möchte, begeht dieses Jahr seinen zwanzigsten Geburtstag. Sind Sie schon müde vom vielen Feiern?

Nein, ganz und gar nicht. Es geht ja eigentlich erst richtig los. Wir machen in diesen Wochen eine richtige 20 Jahre Naxos Tournee. Nach der Feier in Köln geht es nach Madrid und dann weiter nach Kopenhagen und Malmö, wo das Malmö Symphony Orchestra eine große Sache für uns arrangiert hat. Und von dort weiter nach Athen. Griechenland ist zwar kein großer Markt, aber ich möchte endlich einmal nach Naxos und mich dort mit meiner Frau fotografieren lassen. Nach 20 Jahren wird es dafür höchste Zeit. Im September feiern wir dann in Nordamerika weiter.

Für wen macht Naxos CD-Produktionen? Wollen Sie Tonträger für Liebhaber, für Fachleute herstellen, oder wenden Sie sich an den unbedarften Zufallskonsumenten, der eine CD auch einmal mitnimmt, ohne zu wissen, was eigentlich drauf ist?

Das hat sich über die Jahre natürlich verändert. Als wir vor 20 Jahren mit den Orchestern der Slowakei und Ungarn anfingen Aufnahmen zu machen, haben wir das vor allem für die unbemittelten Konsumenten gemacht, die das Geld nicht hatten, eine CD zum üblichen Preis zu erwerben: junge Menschen, Studenten, aber auch Sammler, die schon eine große Schallplattenkollektion zu Hause stehen hatten und diese nun Stück für Stück durch das neue Medium ersetzen wollten. Heute sind wir im Bereich des Klassikrepertoires das größte Label der Welt und haben allein im letzten Jahr 239 Neuveröffentlichungen heraus gebracht. Ich meine dabei echte Neuaufnahmen, die wir in 29 Ländern der Welt eingespielt haben. Dabei decken wir den gesamten Markt ab: den Sammler klassischer Musik allgemein, den Raritätensammler, den Filmmusikfreund und den Gelegenheitskäufer.

Ihre Produktionen sind ja nicht ausschließlich für den CD Markt gedacht…

Richtig. Das Repertoire ist heute nicht mehr ausschließlich für den Käufer einer CD gedacht. Wir machen Aufnahmen aus verschiedenen Motivationen heraus. Die CDs sind ein wichtiger Punkt. Dazu kommt unsere Naxos Music Library, in der uns noch Dinge fehlen, wir liefern sehr viel Musik für Lehrbuchverlage in den USA, wir sind ein großer Lizenzgeber für die Film- und Fernsehindustrie. Und es gibt noch immer viel Neues zu erarbeiten. Derzeit lasse ich die gesamte History of Western Music durchforsten und mit unserem bisherigen Katalog abgleichen. Jedes Werk, das in diesem Buch aufgeführt ist, soll von uns aufgenommen werden. Das kommt dann auf eine Website und jeder, der das Buch kauft, kann sich das nachgeschlagene Werk dann auf der Website anhören.

Wie sind Sie, als gebürtiger Frankfurter und studierter Romanist und Anglist, dazu gekommen, in Hongkong ein Klassiklabel zu gründen?

Nun, das ist eine etwas längere Geschichte. Ich habe nach dem Studienabschluss für einen amerikanischen Zeitungsverlag gearbeitet, die Overseas Media Cooperation, die sich mit ihren Publikationen an die US-Truppen wandte. Durch den Vietnamkrieg musste dieses Unternehmen ein Büro in Hongkong eröffnen, um den südostasiatischen Markt abzudecken. Man bot mir an, diese Aufgabe zu übernehmen. Das klang für mich vielversprechend. So bin ich mit einem Koffer und einer Schreibmaschine 1967 dorthin geflogen und bin heute immer noch da. Ich habe auf diese Weise lernen können, wie man eine Firma aufbaut. Es musste ja alles erst arrangiert werden: ein Büro gemietet, eine Sekretärin angestellt, ein Vertrieb aufbauen, Anzeigenverkauf aufbauen. Und als mein Vertrag auslief dachte ich mir, das kannst du auch alleine machen und habe meine eigene Firma gegründet.

Sie haben also im Medienbereich weitergearbeitet?

Nein, meine erste Firma wer ein Unternehmen für Direktwerbung, das sehr erfolgreich lief. Dann habe ich als zweites ein Versandunternehmen angefangen und habe an die Mitglieder der US-Truppen Kameras, Uhren und HiFi-Geräte verkauft, darunter auch Bose und Revox Sound-Systeme. Als dann der Krieg vorbei und das Geschäft mit den Soldaten zusammengefallen war, habe ich den Asienvertrieb für die Marken Bose und Revox übernommen und damit die Grundlage meines Wohlstandes gelegt.

Wann kam dann Ihr Umschwenken auf den Bereich klassische Musik?

Ich habe als nächstes angefangen, Konzerte in Hongkong zu veranstalten, um Revox und Bose zu bewerben. Dann kamen die Künstler und konnten Ihre Platten vor Ort nicht finden. Also habe ich begonnen, Platten zu importieren. Zuerst vor allem Klassikproduktionen, aber relativ schnell auch Platten aus den Bereichen Pop und Jazz. 1989 waren wir dann der größte asiatische Plattenvertrieb außerhalb Japans. 1974 traf ich am Flughafen meine liebe Frau Takako Nishizaki, die nach Hongkong für ein Solokonzert mit dem Hongkong Philharmonic Orchestra kam, und ein Jahr später waren wir verheiratet. Nun musste ich sie irgendwie beschäftigen. Ich hatte ihrem Vater versprechen müssen, dass ich sie am Üben halten würde. Und so haben wir - praktisch als Beschäftigungstherapie für sie - angefangen, Platten mit ihr zu produzieren. Zuerst auf unserem damaligen Label Marco Polo und dann ab 1987 - nach dessen Gründung - auf Naxos. Das lief alles neben dem HiFi-Vertrieb, der anfänglich das Ganze auch finanzierte. Marco Polo war noch ein Hobby. Erst mit Naxos wurden die CD-Aufnahmen zum richtigen Geschäft. Und meine Frau ist bis heute auch meine wichtigste künstlerische Beraterin.

Und wie sind Sie selbst zur Klassischen Musik gekommen? War es Liebhaberei oder stammen Sie aus einem Musikerhaushalt?

Letzteres ganz klar nicht. Dann kann man schon eher von Liebhaberei sprechen. Meine Familie hat daheim immer nur Klassik gehört. Da war ein Grundinteresse an der Musikform geweckt. Und durch den HiFi-Vertrieb hatte ich ja auch täglich mit dem Genre zu tun, bin auch viel in die Oper und in Konzerte gegangen. Aber ich kann weder Notenlesen noch ein Instrument spielen. Was jedoch die Repertoirekenntnis klassischer Musik angeht, werden Sie wohl kaum jemanden finden, der mehr darüber weiß als ich, zumindest ab 1700 bis in die Gegenwart.

Was Naxos neben der großen Repertoirebreite auszeichnet, ist der auffallend günstige Preis Ihrer CDs. War dies von Beginn an Teil der Labelphilosophie?

Absolut. Es begann ja damit, dass wir in Hongkong immer billige LPs und Kassetten hatten; wie eigentlich in ganz Südostasien. Als dann die CDs zum internationalen Preis 1984/85 auf den Markt kamen, haben die Leute hier diese nicht kaufen können, weil sie einfach zu teuer waren. So hatten wir von Beginn an den Plan, bei Naxos CDs zum Preis einer LP anzubieten. Das haben wir auch durchgezogen. Während eine CD beim Händler damals für umgerechnet 25$ zu haben war, gab es die Kassette oder LP schon für 5$. Und für 6.50$ haben wir dann unsere CDs angeboten.

Copyright

Worin liegt dann der Unterschied zwischen Naxos und einem anderen unabhängigen Label, das ja, vom Repertoire einmal abgesehen, ein häufig identisches Produkt anbietet?

Nun, zunächst, da haben Sie absolut Recht, sind unsere Kosten sicherlich genau so hoch, wie die der meisten anderen unabhängigen Labels wie Chandos, harmonia mundi oder Hyperion. Wir kochen da alle mit dem gleichen Wasser. Allerdings sind wir der Riese in dieser Gruppe mit über 300 Angestellten. Dabei haben wir eine sehr magere Firmenstruktur, da gibt es kein Fett dran. Jeder muss hart arbeiten, und ich bin dabei immer der Vorarbeiter. Wir haben von Beginn an wirtschaftlich gearbeitet, waren mit allen Produktionen in allen Märkten präsent. Und wir haben frühzeitig begonnen, uns andere Einnahmequellen zu sichern. 1996 waren wir das erste Label, und sind immer noch das einzige, das seinen ganzen Katalog zum Anhören online gestellt hat. Auch haben wir früh Lizenzvertreter in den großen Märkten eingestellt, die unsere Produkte vertreiben. Wenn Sie heute Sex and the City oder The Sopranos sehen, dann kommt die klassische Musik immer von uns. Auch der neue Spiderman 3 hat einen Naxos-Track drin.

Dass Sie so frühzeitig Ihren gesamten Katalog digital vorliegen hatten, ist sicher heute ein großer Vorteil gegenüber den Wettbewerbern, wenn es darum geht, den Download-Markt auch für den Klassikbereich zu erschließen. Verzeichnen Sie hier schon relevante Umsätze?

Es war in der Tat ein großer Vorteil, über den ganzen Katalog digital zu verfügen, denn als iTunes Anfang 2003 richtig loslegte, waren wir die einzigen, die komplett alle Daten liefern konnten. Wir waren dort also das erste Klassiklabel, das mit seinem gesamten Katalog vertreten war. Heute machen wir bereits gut die Hälfte unseres Umsatzes aus dem nicht-physischen Bereich mit Downloads. Unsere Music Library verzeichnet Umsatzrekorde, wir sind auf den meisten wichtigen Downloadplattformen vertreten. In diesem Bereich machen wir längst einen bedeutenden Teil unseres Umsatzes. Wir sind jetzt auch dabei, in Japan eine Firma zu gründen, die sich ausschließlich dem digitalen Musikgeschäft im Hause Naxos widmen wird. Und natürlich haben wir auf allen relevanten Märkten Mitarbeiter, die sich um die Versorgung der Anbieter digitaler Musik kümmern. In diesem Bereich sind wir enorm aktiv. Unsere IT Abteilung umfasst 60 Mitarbeiter.

Denken Sie, man kann mit diesen neuen Vertriebsformen auch neue Hörerkreise erschließen?

Nun, dass lässt sich bei uns recht gut nachvollziehen. Unsere Music Library wird von viel Fachpersonal genutzt: Universitäten, Musikschulen, Studenten, professionelle Musiker, Dirigenten und auch Rundfunkredakteure. Wer hat schon 20.000 CDs zu Hause im Regal stehen. iTunes wendet sich hingegen an ein neues Publikum, das sonst nicht in die Klassikabteilung eines Plattenladens geht. Wir können dies auch daran erkennen, dass hier Kompilationen besonders gut laufen: The very Best of Mozart, Chilling with Bach - in den Top 50 sind fast ausschließlich solche Titel von uns zu finden. Bei eMusic hingegen trifft man eher den interessierten Fachhörer, was man daran merkt, dass hier vor allem viel Repertoire nachgefragt wird.

Wäre es da nicht an der Zeit, eine eigene Downloadplattform zu betreiben und das eigene Stück Kuchen am Markt zu vergrößern?

Sie werden es nicht glauben, aber das haben wir schon gemacht. (lacht) Mit unserer Downloadplattform classicsonline, wo Sie nicht nur alle Titel aus unserem Katalog erwerben können, sondern auch die fast aller Vertriebslabels, von Chandos, über cpo bis zu BIS wollen wir weltweit agieren und werden diese künftig in sieben Sprachen anbieten.

Wie wird bei Ihnen das Repertoire entwickelt, wer macht die Auswahl dessen, was eingespielt wird?

Das wird jetzt eine lange Antwort. Zunächst schauen wir natürlich, was uns im Standardrepertoire noch an Einspielungen fehlt. So arbeiten wir gerade an den Haydn Messen und den Haydn Klaviertrios. Auch die Mozart Klaviertrios und die Schubert Messen fehlen uns noch. Für diesen Bereich entwickeln wir einen Masterplan. Dann müssen wir uns die verschiedenen Editionen ansehen und darauf achten, dass diese bedient werden: Schubert Lieder, American classics, Spanish classics etc.. Natürlich müssen wir auch darauf achten, dass wir unsere Hausorchester und Hauskünstler mit ausreichend Arbeit versorgen und dass diese Projekte auch zu den Orchestern, Solisten und Dirigenten passen. Uns ist es wichtig, diese Partner bei Laune zu halten. Dazu müssen wir auch darauf Rücksicht nehmen, was unsere lokalen Standorte für Wünsche haben. Die Engländer möchten immer etwas mehr englisches Repertoire, die Japaner und Amerikaner wollen Ihre Musik ausreichend vertreten sehen. Die regionalen Märkte müssen also bedient werden. Auch die Bedürfnisse der Lizenzpartner müssen berücksichtigt werden. Und als letzten Punkt, gilt es die interessantesten Projekte zu realisieren, die uns von außen angeboten werden. Es kommen ja immer mehr hervorragende Künstler auf uns zu und bieten uns fertige Projekte an. Der Masterplan wird dann an alle Außenstellen von Naxos versandt und kann von den Mitarbeitern dort kommentiert und gegebenenfalls ergänzt werden. In Hongkong habe ich eine ganz wundervolle A&R Managerin, die das ganze Programm dann in die Realität umzusetzen versucht. Natürlich sind ich und meine Frau sehr eng in die Künstlerauswahl und auch die Repertoireauswahl eingebunden.

Spielt Neue Musik, also Zeitgenössisches, eine wichtige Rolle in Ihren Produktionsplänen? Der Anspruch auf Vollständigkeit des Repertoires müsste ja zwangsweise dazu führen.

Ich persönlich höre mir moderne Musik nicht besonders gerne an. Aber natürlich gehört auch diese Musik mit zu unserem Katalog. Sie hat auch viel zum guten Image unseres Vorhabens beigetragen. Wir haben den ganzen Lutoslawski eingespielt, Penderecki finden Sie bei uns komplett und wir arbeiten an einem Plan zu einer 25 CD umfassenden Reihe ‚Die 100 größten Werke der Moderne’. Dort werden Sie dann auch Komponisten wir Scelsi, Xenakis und Ferneyhough finden. Wir machen also auch um die Avantgarde keinen Bogen.

Copyright

Opernproduktionen, die so richtig old fashioned im Studio eingespielt werden, meiden Sie hingegen schon…

Das ist einfach eine Frage der Kosten. Wir hängen uns gerne an bestehende Produktionen ran und schneiden hochwertige Opernaufführungen mit. Aber eine richtige Studioproduktion kann man heute gar nicht mehr bezahlen. Das lohnt einfach nicht. Ich denke auch, dass die Entwicklung in diesem Bereich klar zur DVD geht. Die großen Mayors machen ja auch keine Studioproduktionen von Musiktheater mehr. Und Naxos wird sich in Zukunft verstärkt an die Produktion von DVDs machen. Natürlich müssen wir etwas aufpassen, dass wir unseren Vertriebspartnern nicht in die Suppe spucken - wir haben ja alle wichtigen DVD Labels weltweit im Vertrieb. Deshalb werden wir uns auf Repertoireraritäten von kleineren Opernhäusern spezialisieren.

Wenn man Sie nach den künstlerischen Leuchttürmen innerhalb der Naxos-Familie fragt, wen würden Sie da nennen? Oder passt eine solche Kategorisierung gar nicht in die Labelphilosophie?

Nun, wir haben unsere Marin Alsop, die derzeit eine Weltkarriere macht. Das fing an mit den Samuel Barber-Aufnahmen, die sie für uns in Schottland gemacht hat. Wir machen jetzt aber auch Aufnahmen mit Leonard Slatkin, der ja schon viele Jahre ein international geschätzter Dirigent ist. Und wir möchten auch Dirigenten aus der jüngeren Generation aufbauen und arbeiten beispielsweise mit Stephane Deneve und Pietari Inkinen regelmäßig zusammen. Mit Kirill Petrenko haben wir gerade Schumanns Manfred-Sinfonie aufgenommen, und er wird einen ganzen Zyklus der Schostakowitsch Sinfonien für uns dirigieren. Wir haben heute Zugang zu allen Dirigentengenerationen, möchten uns aber auf die jüngere Generation konzentrieren. Auch bei den Solisten gehen wir diesen Weg: In Deutschland gilt es den fantastischen Geiger Augustin Hadelich zu beachten, der ein phänomenales Talent ist. In China haben wir mit Tianwa Yang das vielleicht größte Geigentalent des Reiches der Mitte, deren Sarasate Platte euphorisch von der Presse gefeiert wurde. Und auch Ilja Kaler muss erwähnt werden, der mit der tollen Szymanowski Platte auf sich aufmerksam gemacht hat. So bauen wir auch im Solistenbereich Stück für Stück eine neue Künstlergeneration auf. Früher wollten wir solide, hervorragende ‚middle of the road’-Aufnahmen machen. Wenn jemand heute eine Naxos Platte kauft, wird er im Leben keine zweite Einspielung des gleichen Werkes kaufen, weil jetzt einfach Spitzenorchester und Spitzenkünstler für uns aufnehmen.

Naxos war mit seiner Repertoirepolitik ebenso Vorreiter im Klassikbusiness, wie Sie es mit Ihrer Preispolitik waren. Heute haben eigentlich alle wichtigen Labels zumindest in Teilen Ihre Philosophie kopiert. Sind Sie vom Vorreiter zum Gejagten geworden?

Wissen Sie, ich denke in solchen Kategorien gar nicht, weil die anderen eh’ nicht aufholen können. Wir sind nicht zuletzt im digitalen Bereich so weit voraus, dass ich mir keine Sorgen mache. Wenn ich morgen keine CDs mehr verkaufe, verdiene ich übermorgen mehr als ich jetzt verdiene durch den Downloadbereich. Soweit sind die anderen noch lange nicht. Ich sage ganz ehrlich, dass mich nicht interessiert was andere machen. Wir haben angefangen, uns mit einigen Vertriebslabels abzusprechen, dass wir mit gleichem Repertoire nicht im selben Monat herauskommen. Aber hier endet meine Fürsorge auch.

Ist Download der Markt der Zukunft? Erleben wir derzeit den Anfang vom Ende der Compact Disc?

Nein, das glaube ich nicht. Download ist ein wichtiger Bestandteil des Musikmarktes geworden und seine Bedeutung wird noch steigen. Innerhalb kürzester Zeit ist das Angebot an klassischer Musik im Internet schon so unübersichtlich geworden, dass nun schnell eine Ordnung des Ganzen einsetzen muss. Ich gehe davon aus, dass unsere Plattform der zentrale Anlaufpunkt für den Musikdownload des klassischen Repertoires werden wird. Aber die CD wird nicht sterben. Ich rechne damit, das die Klassik CD in fünf Jahren noch 75 % und in 10 Jahren noch zwischen 50% und 60% des Marktes ausmachen wird. Bei uns ist es bisher so, dass der Tonträgerabsatz absolut stabil und der Downloadbereich eine wunderbare Zugabe ist. Es ist nun an den Labels, die Zeit zu nutzen, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Ich denke, wir als Naxos haben unsere Hausaufgaben gemacht.

Das Gespräch führte Frank Bayer.
(07/2007)

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