> > > > "Eine CD sollte so lebendig klingen wie ein inspiriertes Konzert"
Freitag, 24. März 2017

Photo: Marco Borggreve

Die Pianistin Konstanze Eickhorst verbindet Emotion und Struktur – auch in ihrer jüngsten Mozart-Aufnahme.

"Eine CD sollte so lebendig klingen wie ein inspiriertes Konzert"


Der Tätigkeitsbereich der Pianistin Konstanze Eickhorst ist äußerst vielfältig. Sie ist nicht nur Solistin auf internationalen Podien, sondern widmet sich als Mitglied des Linos-Ensembles der Kammermusik, insbesondere auch unbekanntem Repertoire. Und nicht zuletzt unterrichtet sie als Professorin an der Musikhochschule Lübeck und ist Jury-Mitglied mehrerer Wettbewerbe. Ihre Karriere, die noch ohne Starthilfe tiefdekolletierter Hochglanzfotos auskam, bekam durch den Gewinn des Clara-Haskil- sowie des Geza-Anda-Klavierwettbewerbs einen großen Schub. Seither ist sie als Solistin – auch in der Zusammenarbeit mit internationalen Orchestern erster Güte – auf den großen Podien zu erleben. Neben ihrer Passion für die Kammermusik erschließt sie auch mit Programmen, in denen sich Wort und Text, Lyrik und Musik verbinden, künstlerisches Territorium abseits ‚gewöhnlicher‘ Solisten-Pfade. Mit der künstlerisch neugierigen Pianistin sprach klassik.com-Autor Michael Pitz-Grewenig.

Ihre jüngste CD trägt den Titel ‚Mozart in minor‘. Warum in Englisch? Und: Muss es wieder Mozart sein?

Als international agierendes Label gibt Genuin seinen Produktionen natürlich englische Titel. ‚Mozart in Moll‘, zunächst ein Arbeitstitel, dann Motto der CD, wurde auf diese Weise zu ‚Mozart in minor‘. Und warum Mozart? – Ich habe im Laufe der letzten Jahre eine Reihe von CDs eingespielt und sehr viel mit dem Label CPO zusammengearbeitet. Das Osnabrücker Label hat es sich zur Aufgabe gemacht, noch nicht eingespielte, aber lohnende Werke herauszubringen. So beschäftigte ich mich intensiv mit Clara Schumann und ihren Solowerken sowie ihren Liedern. 3 CDs gibt es mittlerweile mit Werken von Louise Farrenc: Solowerke und Kammermusik mit dem Linos-Ensemble. Weiter ergab sich eine spannende Auseinandersetzung mit den Kammermusikwerken von Carl Reinecke, Alexander Fesca oder auch Ferdinand Ries. Im Vordergrund stand hier aber immer die Entdeckung und Einspielung unbekannter Werke. Im Nachhinein haben sich dann allerdings mehrere dieser Stücke auch in den Konzertprogrammen etabliert. Nun aber hatte ich das Gefühl, dass es an der Zeit ist, auch den umgekehrten Weg zu gehen: Werke, mit denen ich über Jahre auf dem Podium ‚gelebt‘ habe, auf CD einzuspielen. Und da für mich als Erste Preisträgerin der Wettbewerbe ‚Clara Haskil‘ und ‚Geza Anda‘ Mozart seit jeher einen wichtigen Platz in meinem Repertoire eingenommen hat, war die Idee naheliegend, eine CD mit Mozart zu wagen.

Und warum gerade diese Werke?

Von den Mozart-Sonaten habe ich die beiden in Moll besonders oft im Konzert gespielt, die c-Moll-Sonate häufig in Verbindung mit der c-Moll-Fantasie. Die Idee, die d-Moll-Fantasie hinzuzunehmen, hat auch ein wenig biographische Hintergründe. Ich habe dieses Werk im Alter von acht Jahren hier in Bremen zur Einweihung des Parlamentsgebäudes gespielt. Es war meine allererste, ernsthafte Beschäftigung mit Mozart. Und das Rondo a-Moll scheint mir wie geschaffen als Nachklang zur a-Moll-Sonate. So ergab sich ein schöner Bogen von der frühen Fantasie in d-Moll bis zu dem späten a-Moll-Rondo, in dem soviel an Unendlichkeit, an chromatischer Ausweglosigkeit steckt.

Wie groß ist der Druck, wenn man so bekannte Werke neu einspielt, mit den großen Vorgängern zu konkurrieren? Man denke nur an Clara Haskil, Friedrich Gulda oder dem großen, heute fast schon vergessenen Walter Gieseking…

…ja, Gieseking ist in der Tat fast vergessen. Den wenigsten Musikstudenten ist er noch ein Begriff, ebenso Clara Haskil. Gulda ist da viel präsenter. Übrigens habe ich mich in Sachen Mozart auch mit den Kempff-Einspielungen beschäftigt – sehr interessant. Aber zurück zu Ihrer Frage: Ich bin mit den Aufnahmen dieser Großen aufgewachsen und musste sehen, dass ich mich von diesen Idolen löse, um meinen eigenen Weg zu gehen, um mich nicht mit diesen Vorbildern zu belasten. Meinen Studenten, für die diese Aufnahmen relativ unbekannt sind, rate ich allerdings immer wieder, sie als Inspirationsquelle zu hören.

Was war der entscheidende Funke, der Sie sagen ließ: So, jetzt möchte ich meine Gedanken zu Mozart in einem Konzert mitteilen oder eine CD produzieren?

Ich musste mich von meinen Vorbildern lösen. Und ich hatte das Gefühl, dass die Zeit reif sei für ein Einfangen langjähriger Erfahrungen auf dem Podium. Mit dieser Einspielung versuche ich, ein Resümee meiner eigenen Gedanken und Auffassungen zu ziehen. Und diese begannen im Grunde vor allem mit dem Clara-Haskil-Wettbewerb.

Die Werke von Mozart erklingen unter ihren geläufigen Fingern sehr frisch. Ist es so, dass Sie in dieser Musik weniger das Strukturelle hervorheben als vielmehr das Narrative?

Die Klaviersonaten sind für mich eigentlich Opern – Miniaturopern ohne Text –, und wenn man das erzählerisch nennen will: gerne. Eine Oper erzählt eine spannende Geschichte, eine Geschichte über Freud und Leid, und das erzählen die Sonaten ebenfalls, vornehmlich die beiden in Moll. Ich versuche, sie in diesem Spannungsfeld zu erleben und im Konzert zu vermitteln. Wenn das ‚rüberkommt‘, dann bin ich sehr froh darüber.

Kann man das vergleichen mit Arnold Schönbergs ‚Musik ist Denken in Tönen‘?

Das klingt mir eigentlich zu intellektuell. Ich würde sagen: ‚Musik ist Fühlen in Tönen‘. Clara Schumann hat gesagt: ‚Ich atme in Tönen‘.

Trotz Ihrer Betonung des Gefühls: Sie musizieren auch strukturell sehr klar. Sie lassen kaum eine Nebennote unbeachtet und untersuchen akribisch alle Motivzusammenhänge.

Das versuche ich, weil ich auch Solowerke immer aus dem kammermusikalischen Aspekt heraus begreife. Ich liebe es tatsächlich, in jede Mittelstimme hineinzuhören und Modulationen nicht nur aus Bass- oder Oberstimme, sondern aus dem Mittelstimmengeflecht heraus zu erfassen. Das ist vielleicht das, was die Struktur ausmacht. Das Fühlen schließt ja das strukturelle Erleben und das Denken keinesfalls aus. Im Studio hat das Denken und Tüfteln allerdings häufig einen größeren Stellenwert als auf dem Podium.

Musizieren im Konzert und Studio sind also grundverschieden?

Ich finde es schwierig, eine Konzerterfahrung und eine Arbeit im Studio zu vergleichen. Mein Ziel ist aber, dass eine CD so lebendig klingt wie ein gelungenes, inspiriertes Konzert.

Ist es das Kontrastierende, was Sie an Mozart interessiert?

Da komme ich noch einmal auf den Vergleich mit der Oper zurück: Ohne Kontraste kann sie nicht spannend werden. Und dieses Phänomen ist in den Moll-Sonaten bei Mozart besonders stark.

Nimmt man als Beispiel das ‚Adagio‘ aus der a-Moll-Sonate, mit seiner ausgeprägten rezitativischen Anlage…

…ja, dieser verklärte F-Dur-Anfang des zweiten Satzes nach dem kompromisslosen a-Moll-Schluss des ersten Satzes… Und dann führt Mozart uns doch im Mittelteil wieder nach Moll, zu den bedrohlichen Trillern und Repetitionen, die schon auf Schubert hindeuten. Danach wieder das F-Dur, wie durch einen Tränenschleier. Mehr Kontrast ist kaum vorstellbar!

Copyright Marco Borggreve

Ist es so, dass der Mittelweg zwischen Emotion und Struktur, den Sie bei Mozart einschlagen, doch der ist, der sicher, gewissermaßen fast wie von selbst, zum Ziel führt?

(lacht) Das wäre das Ideal! Ich versuche natürlich, das Spiel emotional zu erleben. Aber ich möchte meinen Zuhörern auch die Möglichkeit geben, ein Werk beim Zuhören ganz individuell auf ihre Weise erforschen zu können. Ich bemühe mich, die Schönheit eines Werkes nach meinem Verständnis einzufangen; aber Schönheit kann man so und anders erleben. Bei Mozart ist das, glaube ich, ganz besonders stark möglich. Weil Mozart einerseits ganz subjektiv ist, andererseits allumfassend und dadurch auch objektiv. Bei Beethoven ist das anders. Als Interpretin verstehe ich mich als Medium, als nachschaffende Künstlerin. Das, was mir aufgrund der Noten, meines Wissens und meiner Empfindungen als Mozarts Intention erscheint, versuche ich zu vermitteln.

Können Sie improvisieren?

Leider nicht sehr gut. Ich gehöre einer Pianistengeneration an, bei der das Improvisieren in der Ausbildung nicht oder kaum gefördert wurde. Mittlerweile basiert jede gute Klavierschule für Anfänger auf der spielerischen Improvisation. Meine Studenten ermutige ich immer wieder zur Improvisation, denn ich finde es sehr wichtig, dass man sich auf dem eigenen Instrument schöpferisch ausdrücken kann. Mittlerweile ist die Improvisation im Studiengang verankert, und das ist gut so. Hoffentlich führen Sparpläne nie zu ihrer Abschaffung.

Copyright Marco Borggreve

Gerade Mozart, das wird oft unterschlagen, ist ja ungemein schwer zu spielen. Kommt einmal der Augenblick, in dem man sagt: Besser kann ich es nicht?

Auch eine CD-Produktion ist eine Momentaufnahme; man hat eine begrenzte Zeit. Nach zwei bis drei Tagen muss alles über die Bühne gegangen sein. Im Vorfeld ist viel zu klären: Flügel, Stimmung, Klangeinstellung usw. Dann geht irgendwann die wirkliche Arbeit, das Aufnehmen, los. Und natürlich kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo man sagt: Mehr geht heute nicht! Wenn man einen guten Tonmeister hat – ich hatte das Glück – dann ist er auch ein guter Psychologe. Er kann motivieren, letzte Kraftreserven hervorlocken, Müdigkeit vergessen machen. Und dann einen Tag beenden mit den Worten: Das war ganz toll. Noch einmal genauso gut, und dann haben wir das Stück im Kasten! Wir hatten bei dieser Produktion eine schöne Arbeitsweise, die uns beiden entgegenkam: Satzweise ein- bis zweimal spielen, dann in kleineren Abschnitten arbeiten, um danach diesen Satz ruhen zu lassen. Als alles im Prinzip ‚im Kasten‘ war, spielte ich das gesamte Programm durch, wie im Konzert – mit der Gewissheit, dass wir alles schon fertig haben, konnte ich nun frei und mit Freude am Risiko agieren. Das tut einer Interpretation gut. Danach konnten wir uns zurücklehnen und sagen: Fertig! Besser kann ich es jetzt nicht. Und dann muss man loslassen.

Haben Sie dann diese risikobehafteten Passagen in der fertigen Aufnahme gelassen? Wie entsteht denn die fertige Aufnahme?

Die nächste große Arbeit ist dann das Schneiden der Takes. Ich habe mir angewöhnt, nicht dabei zu sein. Der Tonmeister Christopher Tarnow ist ein sensibler junger Mann, der hier sehr gut nach meinen Ideen gearbeitet hat. Nach dem ersten Schnitt, den er mir zusandte, gingen mehrere Emails hin und her, und irgendwann haben wir auch in gutem Einvernehmen diesen Arbeitsgang beendet und gesagt: Nun ist es genug, so sieht die Endfassung aus.

Haben Sie unter den derzeit lebenden Komponisten einen, den Sie besonders mögen?

Ich habe keinen ausgesprochenen Liebling unter den heute lebenden Komponisten. Mit größter Hochachtung betrachte ich das Werk von Ligeti, vor allem wie seine Etüden en passant im normalen Konzertbetrieb heimisch geworden sind und vom Publikum angenommen werden. Auch die Tatsache, dass Ligetis Etüden selbstverständlich auch Einzug halten in die Wettbewerbsprogramme, die ja gerne ein wenig konservativ gehalten sind. Meine Studenten spielen diese Werke mit Hingabe und Begeisterung und lernen daran ungeheuerlich. Gubaidulina ist übrigens ebenfalls eine Komponistin, die ich sehr schätze.

Copyright Marco Borggreve

Wir sprachen von den schroffen Kontrasten in der Musiksprache Mozarts. Finden sich Ihrer Meinung nach in dieser Hinsicht Verbindungen zwischen Mozart und zeitgenössischen Komponisten, Wolfgang Rihm etwa? Wäre das eine Idee für eine zukünftige Einspielung?

Durchaus. Die Idee ist mir bisher allerdings noch nicht gekommen, weil ich bisher mit anderen Dingen zu hatte. Mit dem Linos-Ensemble hatten wir Herrn Rihm nach einer Komposition für das Ensemble gefragt. Leider ist es zu keiner Zusammenarbeit gekommen. Ich beschäftige mich natürlich in meiner Eigenschaft als Professorin mit neuer Klaviermusik. Aber auch als Mitglied des künstlerischen Ausschusses des Europäischen Klavierwettbewerbs Bremen bin ich immer wieder auf der Suche nach interessanten Komponistenpersönlichkeiten (die bezahlbar sind). Wir vergeben für jeden Wettbewerb einen Kompositionsauftrag und hatten spannende Beiträge, etwa von Charlotte Seither, Violetta Dinescu, Andras Hamary, Werner Heider.

Aber können nicht die fast unmenschlichen Anforderungen einer Sonate von Pierre Boulez mit ihren fast perfekten Strukturen auch reizvoll sein?

Ein Student von mir hat sich sehr intensiv mit dieser Sonate beschäftigt, und auch ich habe dieses Stück studiert. Aber gespielt habe ich die Sonate nie. Es ist ein Mount Everest, den man besteigen muss. Dieses Werk braucht unglaublich viel Geduld, Akribie, Intelligenz, Können, um es überhaupt umsetzen zu können. Dafür muss man brennen und, ganz wichtig, man muss unglaublich viel Zeit dafür haben. Um dieses Werk zu lernen, müsste ich mich ein Jahr von der Hochschule beurlauben lassen.

Würden Sie das tun?

Um ehrlich zu sein: Es gibt noch so eine große Menge an ‚normalem‘ Repertoire, das mich reizt! Momentan widme ich mich viel Bach und Schumann. Die nächsten Projekte sind in der Planung, und mit der nächsten CD-Produktion werde ich mich intensiv mit Friedrich Kalkbrenner auseinandersetzen. Es wird sich um eine CD mit Solowerken und Kammermusik handeln. Und natürlich verlangt meine volle Klasse an der Musikhochschule Lübeck viel Energie, Zeit und Konzentration.

Eine Kollegin – Chen Pi-hsien – von sich behauptet: Ich kann nur Noten lesen! Pianisten müssten üben und können nicht so viele Bücher lesen. Stimmen Sie dem zu?

Das ist typisch Pi. Dabei ist gerade sie sehr intelligent und vielseitig gebildet. Aber es ist schon richtig: Pianisten müssen von allen Instrumentalisten am meisten üben. Das Repertoire ist immens, das Auswendiglernen erfordert Zeit und Geduld. Neben dem unendlichen Solorepertoire sollte man auch noch einen Teil des unendlichen Kammermusikrepertoires einstudieren. Das Klavier ist zum Glück ein körperfreundliches Instrument. So sind diese langen Übezeiten überhaupt vertretbar. Aber Pi meint das auf ihre Art ironisch. Und die Gefahr, zum ‚Fachidioten‘ zu werden, ist durchaus groß. Wichtig ist die Neugier nach Wissen. Bücher sind für mich überlebensnotwendig, und ich genieße lange Reisen mit einem guten Buch.

Wie entwickeln Sie ihre Interpretationen?

Das ist ein weites Feld... Interpretationen entstehen aus einer Vielzahl von Dingen. Genaues Textverstehen und -lesen, Hintergrundwissen, emotionales Einlassen auf das Werk, Durchdringen der Architektur, sauberes Handwerk, Fantasie, Erfahrung mit dem Werk.

Was machen Sie, wenn Sie einmal entspannen wollen?

Sport. Ich habe das Laufen für mich entdeckt und versuche, zwei- bis dreimal in der Woche zu laufen. Das entspannt, die Gedanken werden frei. Ich habe mit meinem Lauftreff schon wunderbare Lauferlebnisse genießen können. Ab und zu darf es auch ein Wettkampf sein; bislang bin ich bis zum Halbmarathon gekommen – der Marathon muss noch warten. Sport und Musik haben in puncto Disziplin und Durchhaltewillen viel gemeinsam. Auch die Erfolgserlebnisse können sich ähnlich gestalten.

Verwenden Sie oft das Internet, zum Beispiel für Seiten wie klassik.com?

Ich checke fast jeden Tag meine Emails. Für schnelle Korrespondenz ist das Internet eine gute Plattform. Natürlich informiere ich mich auch über aktuelle Strömungen in der Musikszene. Und ich war natürlich auch schon häufig auf den informativen Seiten von klassik.com. Grundsätzlich aber liebe ich Schriftliches, das ich ‚begreifen‘, also in die Hand nehmen kann. Und gerne schreibe ich auch selber noch mit der Hand und freue mich über ‚richtige‘ Briefe – mit Briefmarken…

Copyright Marco Borggreve

Eine andere Seite der Technik: Wie beurteilen Sie die Entwicklung der elektronischen Tasteninstrumente? Schon seit einiger Zeit gibt es modifizierte Flügel, bei denen ein Computer die Gleichmäßigkeit der Anschläge eines Pianisten und vieles andere scheinbar objektiv untersucht und darstellt. Wie beurteilen Sie diese Hilfestellungen, die Einiges mit der modernen Sportwissenschaft gemeinsam haben?

Der wirkliche, echte Flügel ist nicht zu schlagen. Wenn aber finanzielle Ressourcen, etwa bei Studierenden, nicht da sind, kann ein E-Piano auch mal als Notlösung herhalten, auch zum Fingersatzsuchen, Notenlernen bei einem neuen Stück oder auch zum Üben mit Kopfhörern bei ‚allergischen‘ Nachbarn. Ich glaube, dass die Ausbildungsstätten für Musik viel von der Sportwissenschaft lernen können. Glücklicherweise ist Prophylaxe bei Musikern mittlerweile kein Fremdwort mehr. Großen Anteil daran hat das Institut für Musikphysiologie und Musikmedizin an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover. Als Studentin von Prof. Kämmerling bin ich sehr früh mit dem Messmethoden von Prof. Dr. Altenmüller, dem Leiter des Instituts, in Berührung gekommen. So bin ich beispielsweise an speziellen Apparaten ‚vermessen‘ worden. Im Zuge einer Studie wurden die Messungen zehn Jahre später wiederholt. Dabei ging es vor allem um Krafteinsatz, Ökonomie, Grundvoraussetzungen der Hand, Entspannungs- und Spannungszustände der Hände resp. Arme. Wenn physiologische Voraussetzungen für einen Beruf ungünstig sind, dann ist es gut, dies zu wissen. Fehlentwicklungen werden damit erkennbar. Im Sinne einer Prophylaxe sind solche Überprüfungen hervorragend geeignet, die Gefahren von Überlastungen, ja Schädigungen, frühzeitig zu erkennen und möglichst zu verhindern.

Das Gespräch führte Michael Pitz-Grewenig.
(10/2011)

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