> > > > Leseprobe
Samstag, 15. Dezember 2018

[?Die Lyrik starb mit dem Zweiten Weltkrieg.?]

Musikzeitschriften im Portrait: PIANOnews

?Die Lyrik starb mit dem Zweiten Weltkrieg.?

Der Liedbegleiter Irwin Gage

von Carsten Dürer, aus: Piano News 2/2004

(ungefähr 7 Seiten)

Denken Sie an eine Sängerin oder einen Sänger, an einen der großen. Denken Sie an seinen Begleiter. Mit Sicherheit ist Ihnen sein Name entfallen, aber ebenso sicher kann es Irwin Gage gewesen sein, der Pianist, der mit fast jedem großen Sänger der vergangenen 40 Jahre zusammengearbeitet hat. Der Amerikaner ungarisch-russischer Abstammung lebt seit vielen Jahren in Zürich und leitet dort eine Klasse für Liedinterpretation. Soeben konnte ihn zusätzlich die Musikhochschule Saarbrücken als Lehrer gewinnen. Wir trafen Irwin Gage am Rande seiner Jurorentätigkeit beim Internationalen Ferruccio Busoni Wettbewerb in Bozen und unterhielten uns mit ihm über seinen Werdegang, das Feld der Liedbegleitung insgesamt, sowie seine Ansichten über Hochschullehrer, Sänger und junge Pianisten.

Er ist in Cleveland/Ohio in den USA geboren, studierte danach in Michigan und an der renommierten Yale Universität. Das klingt nicht unbedingt nach einem "normalen" Werdegang für einen Pianisten. Wie war das eigentlich mit dem Beginn der Ausbildung? Doch überhaupt zur Musik ist Irwin Gage sehr spät gekommen, erzählt er. "Ich habe zwar in meiner Jungend Klavier gespielt, aber zwischen 11 und 18 Jahren war ich mehr an Sport interessiert und dachte aber, meine Eltern wollen, dass ich einen Beruf erlerne, in dem ich in jedem Fall Geld verdienen kann." So studierte er - mit 15 Jahren allerdings schon, ein begabter Schüler also in jedem Fall - Japanisch und Englische Literatur. "Mit 18 - ich spielte damals viel Baseball und war besonders an Sport interessiert", und zeigt zum Beweis sein krummen Zeigefinger und fügt hinzu: "Das sind meine Baseball-Finger, beide waren damals einmal gebrochen." Im zweiten Jahr auf der Universität belegte er dann einen Musikkurs, da er die Liebe zur Musik nie ganz aufgegeben hatte. Und schnell überzeugte der Lehrer, der das Talent erkannte, ihn und seine Eltern, doch Musik zu studieren. Nun musste er nachholen: "Erst habe ich ein Diplom in Musikgeschichte gemacht und dann ging es nach Yale, wo meine eigentliche Ausbildung stattfand. Ward Davenny war mein wichtiger amerikanischer Lehrer. Er war damals der Direktor am Cleveland Institut of Music, wo es heute den berühmten Cleveland-Wettbewerb gibt." Dann ging es weiter nach Michigan, wo er mit diesem Lehrer nur selten zusammenarbeitete, "vielleicht einmal im Monat, wenn ich nach Hause kam", wie er erklärt. Doch dann war ihm das Glück zugetan: "Er wurde dann Direktor der Klavierabteilung an der Yale University und so konnte ich mein Masters Degree wieder beim ihm machen." Es sei eine gute Schule gewesen, erklärt der heutige Begleiter-Star. Doch Yale? Ist das nicht eher für Wirtschaft und Naturwissenschaften berühmt, weniger aber für die musikalische Ausbildung? 40 Professoren waren dort für 80 Studenten zuständig; Privilegierten-Ausbildung, wie es sie nur in Amerika überhaupt noch gibt. "Auch bei Hindemith, der bei uns Kurse gab, habe ich auf diese Weise gelernt", erzählt Gage. Den Sport hatte er da aufgegeben. Allerdings wurde auch intensiv studiert und gefordert: "Wir mussten in einem Semester drei komplette Recital-Programme neu lernen, ein wenig so wie in Curtis heute noch. Zudem hatte man immer Kurse in Literatur und Sprachen. Es war halt eine wirklich universitäre Ausbildung. Meine Dissertation habe ich dann über Ernest Bloch geschrieben, der in Cleveland gelehrt hatte." Gages Mutter hatte Bloch in Cleveland gekannt. Allerdings waren die Eltern keine Musiker, sondern sein Vater war ein berühmter und erfolgreicher Zahnarzt. Die Mutter allerdings war im sozialen Leben engagiert, war mit George Szell befreundet und bewirkte auch in frühen Jahren schon, dass Gage Glenn Gould vorspielen konnte, als dieser in Cleveland auftrat.

[weiter...]

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/12 2018) herunterladen (4200 KByte) Class aktuell (4/2018) herunterladen (2986 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Franz Lehár: Kaiserin Josephine - Ich heiße Sie alle ganz herzlich willkommen!

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige