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Mittwoch, 4. August 2021

[isabel mundry:

Musikzeitschriften im Portrait: Österreichische Musikzeitschrift

isabel mundry: "Panorama ciego"

Mozartwoche Salzburg, 31.1. Wiener Philharmoniker /Daniel Barenboim

von Ilse Schneider, aus: Österreichische Musikzeitschrift 1/2004

Es kann schon vorkommen, dass Isabel Mundry öffentlich als Pianistin auftritt. In einem über 20-stündigen Marathon beteiligte sie sich Ende November in Köln als eine von 40 PianistInnen an einer Aufführung von Eric Saties Vexations. Ihr eigenes Klavierkonzert Panorama ciego– das bislang einzige – hat sie aber noch nie gespielt: „Das überlasse ich Spezialisten.“ – Spezialisten wie Daniel Barenboim, der das im Auftrag des Berliner Mozart-Fests entstandene Werk am 2. Juni 2001 in der Philharmonie Berlin aus der Taufe hob. Barenboim selbst war der musikalische Leiter – denn genau das wollte Mundry: ein Werk aus dem Geist klassischer Praxis heraus schreiben, bei dem das Orchester vom Solisten aus dirigiert wird.

In einem Komponistengespräch mit Heiner Goebbels im März 2003 bekannte die in Freiburg lebende und demnächst eine Lehrtätigkeit als Professorin an der Hochschule für Musik und Theater in Zürich aufnehmende Komponistin, dass sie es schätze, konkrete, ja strenge Auflagen für die Entstehung eines Stückes zu erhalten. Im Falle von Panorama ciego bestehen diese in der thematischen Gebundenheit des Auftraggebers sowie im vorhandenen Raum. Spezifischen örtlichen Vorgaben begegnet Mundry gerne damit, dass sie sich Architekturpläne des Saales kommen lässt und ihr Orchester – quasi maßgeschneidert – klanglich dem Raum anpasst.

Panorama ciego ist ein streng klangsymmetrisches Stück. Elf verschiedene Instrumente – Lieblingsinstrumente Mozarts – auf der einen Seite, schmetterlingsförmig gedoppelt die gleichen elf Instrumente auf der anderen Seite – in der Mitte der Corpus, das Klavier, genau an dem Platz, der sonst dem Dirigenten vorbehalten ist. Zwei in sich geschlossene und gleichzeitig aufeinander reagierende Spannungskreise mit einem in der Mittelachse befindlichen Zentrum, das bald Akteur, bald Mittler ist.
Zu Beginn des 1. Satzes lässt Mundry für kurze Zeit den Zuhörer im Glauben, eher ein Violinkonzert zu hören als ein Werk mit Klaviersolo. Flirrende, extrem hohe Streichertöne setzen eher vage als entschlossen ein, werden aus der Tiefe beantwortet und beginnen sich fast unmerklich zueinander zu bewegen, bis sich plötzlich – ebenso hoch und beiläufig – das Klavier „dazuschummelt“. Dieser schwebende Einsatz weckt Assoziationen an Mozart’sche Praktiken, etwa an das Klavierkonzert C-Dur KV 467, wo sich das Soloinstrument mit dominantischem Spielwerk und einem viertaktigen Triller zwanglos zum Orchester gesellt, um sich dann erst mit dem Hauptthema richtig ins Geschehen zu bringen.

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