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Dienstag, 21. Januar 2020

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Musikzeitschriften im Portrait: Tibia

"Ich glaube, dass ich einen Weg gegangen bin, solidarisch mit der Oboe"

Han de Vries erzählte unserem Autor Christian Schneider aus seinem Leben

von Christian Schneider, aus: Tibia

(ungefähr 10 Seiten)


Han de Vries gilt als einer der bedeutendsten Oboisten Hollands. Mit 21 Jahren wurde er Solooboist des Concertgebouw-Orchesters, bevor er sich einer internationalen solistischen Karriere auf moderner und Barockoboe zuwandte. Bereits in jungen Jahren übernahm er eine Professur am Sweelinck-Konservatorium in Amsterdam. Viele seiner ehemaligen Studenten spielen in den besten Orchestern Hollands. Seine umfangreiche Diskographie reicht vom Barock bis zu Maderna. De Vries besitzt die wohl kostbarste Sammlung alter Oboen. Christian Schneider besuchte ihn in Amsterdam.

Ich wurde am 31. August 1941 in Den Haag geboren, allerdings zog meine Mutter mit mir schon nach ein paar Wochen nach Amsterdam, wo ich seitdem wohne. Meine Eltern waren sehr musikalisch, meine Mutter Tänzerin, die sehr gut Klavier spielte und sang, mein Vater war Architekt, seine große Liebe galt der Querflöte.

Kurz nach der Heirat meiner Eltern wurde mein Vater in ein Konzentrationslager deportiert, ich glaube nach Oranienburg, und meine Mutter war ihres jüdischen Aussehens wegen gezwungen, sich in Amsterdam im Untergrund aufzuhalten. Sie gab mich, als ich etwa 18 Monate alt war, zu einer Familie in Pflege, und so kam ich erst nach dem Krieg mit meinen Eltern zusammen. Mein Vater war nach der Befreiung durch die Russen zu Fuß nach Amsterdam zurückgekehrt, ich sah ihn zum ersten Mal nach dem Krieg, als ich fünf war. Meine Mutter war zu diesem Zeitpunkt schwer erkrankt, sie hatte, wie so viele andere auch, Tuberkulose und ging in ein Sanatorium nach Davos. Mich brachte man wieder zu meinen Pflegeeltern.

Mittlerweile hatten sich meine Eltern auseinandergelebt und ließen sich scheiden. Meine Mutter beschloss, zusammen mit mir nach Israel auszuwandern, wir kehrten allerdings nach einigen Monaten nach Amsterdam zurück. Nun kam ich zu einer mit uns befreundeten Familie in Pflege, war zwischenzeitlich immer wieder auch mit meiner Mutter zusammen. Ich ging in Den Haag auf eine Waldorfschule, eine wunderbare und höchst künstlerische Schule, wo alle Kinder Instrumente spielen durften, ich spielte Blockflöte.

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