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Mittwoch, 24. Januar 2018

[Man muss die Werke nachempfinden können]

Musikzeitschriften im Portrait: PIANOnews

Man muss die Werke nachempfinden können

Ein Gespräch mit Stefan Arnold

von Carsten Dürer, aus: Piano News

(ungefähr 6 Seiten)

PIANONews:
Kommen Sie aus einem musikalischen Elternhaus? Immerhin haben Sie mit vier Jahren mit dem Klavierspiel begonnen.

Stefan Arnold:
Ich stamme aus einem kleineren Dorf bei Würzburg wo die Arnolds zuständig waren für die Musik, oder besser gesagt, für das "Musikantische". Daher sollten mein Bruder und ich Akkordeon spielen lernen - wobei meine Eltern keine Musiker waren und aus bescheidenen Verhältnissen stammten. Einem glücklichen Zufall jedoch habe ich es zu verdanken, dass ein Schulrektor Arnold meinen Vater überzeugen konnte uns stattdessen Klavierunterricht zu erteilen. Von Anfang an wurde ich angezogen von diesem Instrument wie von einer Droge. Es klingt vielleicht nach billigem Hollywood-Kitsch: Aber seither sagte ich, wenn man mich fragte, was ich werden wollte: Pianist. Manches Mal kam mir dieses Ziel allerdings elend weit weg vor. Dann dachte ich: Wenn ich wenigstens unterrichten kann, würde ich schon glücklich sein. Klar war mir nur: Ich wollte mein Leben mit Musik verbringen. Bald aber hat sich herausgestellt, dass ich Glück mit meiner Begabung hatte und später noch mehr Glück mit meinem Lehrer Leygraf.

PIANONews:
Kleinen Moment, in Ihrer Biografie taucht aber vorher noch ein Name auf!

Arnold:
Ja, der von Wolfgang Arnold, meinem ersten Lehrer und der von Kirsti Hjort an der Hochschule Würzburg. Dort wurde ich noch während meiner Schulzeit als Jungstudent aufgenommen und gewann kurz darauf den Hochschulwettbewerb. Kirsti Hjort war ein wunderbarer Mensch. Sie hat mir geholfen aus einer Welt herauszukommen, die eigentlich wenig Verständnis für diese Art der Musikausübung hatte. Meine Eltern hatten nämlich plötzlich Angst bekommen, dass ich das Klavierspiel zu meinem Beruf machen wollte.

PIANONews:
Wann war das genau?

Arnold:
Das waren die letzten Schuljahre. Unmittelbar nach meinem Abitur wollte ich in Salzburg einen Kurs bei Hans Leygraf besuchen. Dafür musste man natürlich vorspielen. Da die Zeit sehr knapp war, habe ich also innerhalb weniger Tage die Sonate von Berg eingeübt. Für die Aufnahmeprüfung des Kurses zog ich die Nummer Acht. Und das war mein Glück, denn ich hörte, dass Leygraf mehr als nur ein Werk hören wollte. Mit meiner Startnummer Acht hatte ich also etwas Zeit gewonnen und konnte für zwei Stunden ins Übezimmer gehen um noch eine Chopin Ballade, Beethovens Fis-Dur Sonate und ein Bach Präludium und Fuge vorzubereiten. Das Material hatte ich mit, da ich wusste, dass diese Werke auch im Kurs drankommen würden. Als ich an der Reihe was, habe ich mit der Berg-Sonate begonnen, wohlwissend, dass ich von den anderen Werken gerade jeweils die ersten fünf Seiten auswendig vortragen konnte. Das war also der Anfang meiner professionellen Entwicklung, Leygraf hat mich aufgenommen und mich dann später sogar im Abschlusskonzert des Kurses die Berg-Sonate spielen lassen. Ein Jahr später begann ich mein Studium bei Leygraf.

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