> > > > Leseprobe
Montag, 25. März 2019

[Von der Utopie des Metiers - Péter Eötvös: Dirigieren als Praxis der Veränderung]

Musikzeitschriften im Portrait: Neue Zeitschrift für Musik

Von der Utopie des Metiers - Péter Eötvös: Dirigieren als Praxis der Veränderung

von Max Nyffeler, aus: Neue Zeitschrift für Musik 01/2002

(ungefähr 10 Seiten)

Péter Eötvös ist in mehrfacher Hinsicht der Sonderfall eines Dirigenten. Als erfahrener und seit einigen Jahren sehr erfolgreicher Komponist ist er mit der zeitgenössischen Musik von Grund auf vertraut und dirigiert zahlreiche Uraufführungen. Zudem ist er alles andere als der Typ des eitlen Podiumsstars und Selbstdarstellers. Er hat eine ausgeprägte pädagogische Ader und investiert viel Zeit und Energie in die Ausbildung des Nachwuchses.

Auf die Frage, wo er die größten Probleme des heutigen Dirigierhandwerks sehe und wo die Notwendigkeit einer Veränderung am dringendsten sei, nennt Péter Eötvös ohne zu zögern die Hochschulausbildung. Der Dirigierunterricht, sagt er, beschränkt sich in der Regel auf das klassisch-romantische Repertoire und macht schon vor Strawinsky Halt, was zur Folge hat, dass heute, am Beginn des 21. Jahrhunderts, das 20. aus dem Bewusstsein der Studenten weitgehend ausgeklammert wird. Ein junger Dirigent weiß dann überhaupt nicht, wie er mit der Partitur eines Werks, das er noch nie live oder vom Lautsprecher gehört hat, umgehen soll: Seine Imaginationskraft wird nicht gefordert, er ist nicht in der Lage, in die Zukunft zu denken und eine eigene Vision des Werks zu entwickeln.

Unkreative Wiederholungstäter
Kaum weniger Skepsis hegt Eötvös gegenüber der gängigen Praxis des Reisedirigenten, der kaum Chancen hat, dem Orchester ein eigenes Interpretationskonzept und schon gar nicht ein neues Werk nahe zu bringen. Die Macht der Gewohnheit, das Korsett des Abosystems, die Kürze der Proben - all das verhindert in Eötvös' Augen die Entwicklung neuer Interpretationsansätze und macht den normalen Orchesterbetrieb zu einem Spielfeld unkreativer Wiederholungstäter.

Péter Eötvös hat sich nie vor kritischen Äußerungen über den Zustand des Musikbetriebs und besonders der Sinfonieorchester gescheut. Oft hat es ihm Ärger eingebracht. Er ließ sich jedoch nie einschüchtern und beschränkte sich auch nicht auf das bloße Kritisieren, sondern entwickelte praktische Alternativen. Die bemerkenswerteste ist zweifellos die Gründung des Internationalen Eötvös Instituts, wo junge Dirigenten die Möglichkeit erhalten, sich mit den Erfordernissen einer zeitgemäßen Berufspraxis vertraut zu machen (siehe Kasten).

[weiter...]

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (3/2019) herunterladen (2500 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Hans Gal: Erstes Bild - Verehrte Damen, wisst Ihr Neues?

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 4442 im Portrait Musik ohne Grenzen
Programme abseits der Konventionen beim Festival Printemps des Arts de Monte-Carlo

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige