> > > > Leseprobe
Mittwoch, 18. Juli 2018

[Musiktherapie]

Musikzeitschriften im Portrait: Das Orchester

Musiktherapie

Musik als Hilfe und Heilung

von Herbert Bruhn, aus: Das Orchester 10/2001

(ungefähr 9 Seiten)

Herbert Bruhn ist Professor für Musik an der Universität in Kiel und Vorsitzender der Deutschen Stiftung Musiktherapie.

Nachweislich wird Musik seit mehr als 2000 Jahren zur Heilung eingesetzt. Bereits ägyptische Papyrusrollen berichten vom Einsatz von Musik bei Geburten. Alte chinesische Quellen beschreiben den Einfluss der Musik auf menschliche Emotionen. Im Alten Testament heilt David König Saul durch sein Harfenspiel von Depressionen. Aus dem Mittelalter sind medizinische Schriften überliefert, in denen Musik bei den unterschiedlichsten Leiden empfohlen wird.

Die eigentliche Geschichte der Musiktherapie ist jedoch viel jünger: Erst seit ungefähr 50 Jahren kann man von einem systematischen Ansatz für den Einsatz von Musik als Heilmethode sprechen. 1950 wurde der amerikanische Dachverband der Musiktherapeuten gegründet. Das beeinflusste die Methodenentwicklung in der ganzen Welt - der Begriff Musiktherapie wurde klarer definiert und auf die Musiksonderpädagogik, die musikalische Arbeit mit Behinderten, ausgedehnt.

In Mitteleuropa begann die Professionalisierung der Musiktherapie sogar erst in den 60er und 70er Jahren. So ist nicht verwunderlich, dass oft immer noch etwas Magisch-Mythisches hinter dem Begriff Musiktherapie vermutet wird. Musiktherapie gerät in unberechtigter Weise immer wieder in die Nähe der Esoterik. Man kann jedoch heute davon sprechen, dass Musiktherapeuten eine fachlich fundierte Ausbildung erhalten, die wissenschaftlichen Kriterien standhält.

Was ist das Besondere an Musiktherapie?

Musiktherapie ist eine form der Psychotherapie. Das heißt, es geht um das seelische Wohlbefinden der Menschen, die sich in Therapie begeben. Das Besondere gegenüber den meisten anderen formen der Psychotherapie ist, dass Musiktherapie weitgehend und oft vollständig auf die Sprache verzichten kann. Das kommt zwei sehr unterschiedlichen Personengruppen zugute. Zum einen denjenigen, die mit Sprache nicht so virtuos umgehen, wie es zur Klärung komplexer psychischer Sachverhalte notwendig wäre. Das sind insbesondere Kinder, die ihre seelischen Konflikte handelnd darstellen müssen. Das betrifft aber auch Behinderte, die mit Sprache entweder nur ungelenk umgehen oder die überhaupt nicht sprechen können (Schwerstbehinderte).

[weiter...]

Magazine zum Downloaden

Class aktuell (2/2018) herunterladen (3463 KByte) NOTE 1 - Mitteilungen (7/2018) herunterladen (3001 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Franz Lachner: Symphony No.3 op.41 in D minor - Scherzo. Allegro assai

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige