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Montag, 22. Januar 2018

[Klavierspiel von Anfang an durchdenken]

Musikzeitschriften im Portrait: PIANOnews

Klavierspiel von Anfang an durchdenken

Pianist Stephen Paulello unterrichtet und baut seinen eigenen Konzertflügel

von Carsten Dürer, aus: Piano News

(ungefähr 5 Seiten)

Früher war es in anderen Berufen, die etwas mit Handwerk zu tun hatten, absolut normal: Ein Handwerker baute sich seine eigenen Werkzeuge, wusste wie sie funktionierten und konnte sie entsprechend durchdacht benutzen. Doch Klavierspiel und Musikausübung wurde immer schon dem künstlerischen Bereich zugeschrieben. Und ein Künstler hat nichts mit einem Handwerker gemeinsam. Auch wenn das im Mittelalter so noch nicht stimmte, bauten doch die Troubadure ihre Instrumente auch noch selbst. Wie dem auch sei: Heute wissen gerade die Pianisten extrem wenig über ihr Instrument, sondern nutzen es meist nur, sehen niemals wirklich hinter die Art der Bauweise des Instrumentes, das sie doch so lieben. Ausnahmen bestätigen da die Regel.

Der französische Pianist Stephen Paulello aber ist ein Mensch, der den Dingen gerne ganz auf den Grund geht. Als Pianist und Pädagoge vereint er die Tätigkeitsbereich in seiner Person, die es ihm ermöglichen, einen durchdachten Klang und ein Klavierspiel zu erreichen, aufgebaut auf den Grundideen. Doch das reichte Paulello nicht. Er wollte auch mehr über das Instrument erfahren, wollte es bauen.

Eigentlich hat er Germanistik studiert, in Nizza. Bald wollte Stephen Paulello das Erlernte auch im Mutterland der Sprache erleben, in Deutschland. Also ging er für ein Jahr nach Heidelberg, um dort eine Arbeit über Jacques Thibaut zu schreiben. Doch er befand sich im Land des Klavierbaus schlechthin. Und so begann er seine ersten Gehversuche bei einem Klavierhändler: "Von ihm habe ich einiges gelernt. Daneben habe ich alle Bücher, die es auf Deutsch über den Klavierbau zu lesen gab, verschlungen." Zurück in Paris, hat er sich mit Klavierstimmen und später dem Regulieren beschäftigt. Immer wieder las er alle Bücher über dieses Thema, gleichgültig ob in englischer, deutscher oder französischer Sprache abgefasst. 1987 dann arbeitete er einige Zeit bei Bechstein in Berlin und in der Folge auch kurzfristig bei Steinway & Sons in Hamburg. Er wollte lernen und suchte Klaus Fenner und Lothar Thomma auf, die beiden großen und noch immer aktiven Gestalten der deutschen Klavierkonstruktion. Mit ihnen hat Paulello viel diskutiert, gesprochen und von ihnen gelernt. Bald war es soweit: Stephen Paulello wollte eigene Klaviere bauen: "Ich hatte bald ein eigenes Klavier im Kopf und fertigte die Pläne für gleich zwei Modelle an: 132 cm und 114 cm Höhe. Diese Klaviere wurden dann in einer Auflage von jeweils 250 Exemplaren in Jugoslawien gebaut." Warum in Jugoslawien, einem Land, das in Bezug auf den Klavierbau nun wirklich keine große Tradition aufzuweisen hat? "Ein Händler in Paris, dem ich von meinem Projekt eigener Klaviere erzählte, war begeistert von der Idee. Er ist gebürtiger Jugoslawe und konnte die Instrumente dort leicht und preiswert bauen lassen. Ich musste oft nach Jugoslawien reisen, um wenigstens in einigen Teilbereichen die Qualität zu sichern. Aber es war sehr anstrengend", urteilt Paulello heute und scheint nicht besonders begeistert davon zu sein, dass seine Instrumente ausgerechnet in diesem Land gebaut wurden. Verkauft wurden sie unter dem Namen des Händlers als Hausmarke. "Es war ein Experiment für mich", erklärt er. "Ich konnte in der Fabrik dort einige Experimente durchführen, mit unterschiedlichen Mensuren und so weiter. Das hat mir letztendlich auch sehr geholfen. Und so begann ich nach und nach den ersten Flügel zu planen."

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