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Dienstag, 21. Januar 2020

[David Lasocki]

Musikzeitschriften im Portrait: Tibia

David Lasocki

Forscher in Sachen Holzblasinstrumente

von Sabine Haase-Moeck, Ulrich Thieme, aus: Tibia

(ungefähr 9 Seiten)

Die Leserinnen und Leser der Tibia werden mit David Lasockis jährlichem Überblick über die Blockflötenforschung und den vier im Laufe der Jahre hier veröffentlichten Artikeln (über Händel, Schickhardt und Vaucanson) vertraut sein. Weil Lasocki aber meist auf Englisch schreibt, mag es manchem Leser nicht bewusst sein, dass er ein führender Forscher in Sachen Holzblasinstrumente ist, der mittlerweile elf Bücher, über hundert Artikel und etwa einhundert Editionen von Werken aus dem 18. Jahrhundert für Holzbläser veröffentlicht hat (bei Verlagen wie Faber Musick, Musica Rara, Nova Music und Zen-On). Über Einzelheiten kann man sich auf seiner Web site http://php.indiana.edu/~lasocki informieren. In England geboren und aufgewachsen, lebt Lasocki seit 25 Jahren in den USA und wurde kürzlich amerikanischer Staatsbürger. Er arbeitet als Bibliothekar in der Cook Music Library an der Universität von Indiana.

Tibia: Warum haben Sie Holzblasinstrumente eigentlich derart fasziniert, dass Sie seit mehr als 30 Jahren darüber schreiben und so viele Werke für sie herausgegeben haben?

Lasocki: Lassen Sie mich diese Frage auf zweifache Weise beantworten. In den frühen 60er Jahren begann ich als Teenager, Block- und Querflöte zu spielen, und entdeckte bald auch die Traversflöte. Vorher hatte ich es schon mit dem Klavier und der Geige probiert - allerdings mit trostlosen Ergebnissen. Mich überraschte es selbst, dass ich mit der Block- und der Querflöte viel besser zurechtkam. Ein Steckenpferd, dem ich mich mit großer Begeisterung widmete, hatte ich schon immer. Nun wurde es eben mein Hobby, alles über diese Instrumente in Erfahrung zu bringen. Mein Wissensdurst war nicht zu stillen. Ich kaufte oder entlieh mir so viele Bücher, wie ich nur konnte - über die Instrumente, aber auch über die Aufführungspraxis barocker und klassischer Musik. Ich las sie immer wieder, und mein Exemplar von Edgar Hunts Buch The Recorder and its Music ging dabei fast völlig aus dem Leim. Ich kaufte mir auch so viele Notenausgaben, wie ich nur finden konnte, bis ich schließlich entdeckte, dass lohnende Musik für meine Instrumente in modernen Editionen nicht immer erhältlich war - dies noch lange vor dem (späteren) "Faksimile-Kult". Als ich in London Chemie studierte, hatte ich das Glück, in die British Library gehen zu können und dort Drucke und Handschriften aus dem 18. Jahrhundert zu kopieren. Ein Kontakt mit Richard Pringsheim, dem Direktor des damals in London ansässigen Verlages Musica Rara, führte dazu, dass ich einige Editionen für ihn machte, und er ermutigte mich, meine Aktivitäten auch auf Werke für andere Holzblasinstrumente als bloß Block- und Querflöte auszuweiten. Mein Interesse an Aufführungspraxis regte mich dazu an, Jacques Hotteterres Principes de la flûte ins Englische zu übersetzen - zunächst einfach nur zur eigenen Information. Eine Verbindung zu J. M. Thomson (der später als Gründer und Herausgeber der Zeitschrift Early Music berühmt wurde) brachte es mit sich, dass diese Übersetzung veröffentlicht wurde, als ich gerade einmal einundzwanzig war - noch bevor ich überhaupt "offiziell" Musik studiert hatte. Man kann sagen, dass die Beziehung zu Holzblasinstrumenten, die ich als Autor und Herausgeber habe, gewissermaßen eine "Berufung" ist, gerade weil sich dieses Gebiet mir so leicht und so schnell eröffnet hat. Und als ich Musik (nun auch) "offiziell" studierte und immer mehr Forschungserfahrungen sammelte, wurde diese Beziehung immer intensiver.

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