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Dienstag, 21. Januar 2020

[Zum Tode von Jean-Pierre Rampal]

Musikzeitschriften im Portrait: Tibia

Zum Tode von Jean-Pierre Rampal

von Robert Aitken, aus: Tibia

Am Mittwoch, dem 24. Mai 2000, um 10.30, versammelten sich in der Eglise St. Roche, Rue St. Honoré 296, Flötisten aus aller Welt und ungefähr 1000 Freunde und Bewunderer aus Paris. Sie ehrten damit einen der bedeutendsten Musiker der Welt und verabschiedeten sich von ihm. Während des letzten Jahres kämpfte Jean-Pierre Rampal gegen ein Herzleiden, das sich seit einer Operation am Knie noch verschlimmert hatte. Aber der Kampf ging am Morgen des 20. Mai verloren. Nach 5 Tagen im Koma verstarb er in der Abgeschiedenheit seiner Wohnung in der Rue Mozart 15 im Kreise seiner Familie.

Für die Flötenwelt kam es wie ein Schock, denn sie war darauf nicht vorbereitet. Rampal hatte schon wiederholt Anfälle überstanden, man war daran gewöhnt. Er hatte die Energie und die Kraft außergewöhnlicher Menschen, und man konnte sich nichts anderes vorstellen, als dass diese Gallionsfigur, dieses Ideal, dieses Vorbild immer leben würde. Immer würde es Konzerte geben, über die man reden konnte, und in der Tat sollte er in der folgenden Woche schon in Straßburg auftreten.

Es passte deshalb, dass, während sein Sarg die Kirchentreppe hinunter ins Freie getragen wurde, vereinzelt Applaus laut wurde, ein spontanes Klatschen, das sich ausbreitete, immer stärker anschwoll und erst verebbte, als der Leichenwagen, der seinen Körper zum Friedhof Montparnasse überführte, sich in Bewegung setzte. Es war ein Akt der Trauer, ein letzter Applaus, mit dem man seiner Liebe und Wertschätzung für diesen großen Künstler Ausdruck verleihen konnte.

Wer war Jean-Pierre Rampal? Ein imposanter Mann, groß und robust, mit einem unstillbaren Appetit auf die schönen Dinge des Lebens. Und mit dieser "Grandeur" gingen eine Großzügigkeit und ein freier Geist einher, die viele junge Flötisten dazu inspirierten, mit ähnlichen Idealen und derselben starken Hingabe an die Musik und das Leben seinen Spuren zu folgen. Rampal war in jeder Hinsicht großzügig: beim Lehren, mit Hilfestellungen im Beruf, mit Ratschlägen und in seinen Freundschaften, die er überall auf der Welt hatte.

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