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Montag, 10. Dezember 2018

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Musikzeitschriften im Portrait: Österreichische Musikzeitschrift

"Strauss-Nachlässe" aus historisch-juristischer Sicht

von Eduard Strauss, aus: Österreichische Musikzeitschrift, 6/2000

(ungefähr 3 Seiten)

Im Zuge des Strauss-Jahres 1999 wurde immer wieder die Frage nach den sogenannten ,Strauss-Nachlässen' aufgeworfen und teilweise heftig diskutiert, ob nicht in diesem Zusammenhang in öffentlichen Sammlungen sogenanntes ,Nazi-Raubgut' zu finden ist, das als Ausdruck richtig verstandener Vergangenheitsbewältigung an die Erben der Verfolgten und Enteigneten zurückzugeben wäre. Dabei wird suggeriert, die Gemeinde Wien könnte an der Arisierung des Strauss-Besitzes mitprofitiert haben. Die ganze Diskussion wird aber leider meist ohne Kenntnis und exakte Bewertung der historischen und juristischen Prämissen und Begriffe geführt und voreilige Schlüsse gezogen. Dem entgegenzuwirken ist Ziel dieser Arbeit.

I. Das Schicksal des Erbes (des Nachlasses) nach Johann Strauss Sohn: Zunächst ist das rechtliche Schicksal des Nachlasses - es gibt nur einen Nachlass, denn was ein Mensch zu seinen Lebzeiten veräußert oder verschenkt hat, kann schon per definitionem nicht in seinen Nachlass fallen - nach Johann Strauss Sohn zu seinem Todeszeitpunkt, dem 3.6.1899 zu untersuchen. Dabei ist zu beachten, dass sowohl er selbst als auch seine Ehefrau Adele zu diesem Zeitpunkt Bürger von Sachsen-Coburg und Gotha waren, womit auch Coburger Erbrecht anzuwenden, das aber von der damals in Österreich geltenden Rechtslage hier nicht wesentlich abwich. Strauss hinterließ neben seiner Ehefrau, seine Geschwister Anna, Therese und Eduard. Der vorverstorbene Bruder Josef wurde von seiner Tochter Karoline repräsentiert. Johann hinterließ aber keine eigenen Kinder - Alice Strauss war die in die Ehe mitgebrachte Tochter Adeles aus erster Ehe mit dem Bankier Anton Strauß! Nach der gesetzlichen Erbfolgeordnung hätte Adele als Witwe Anspruch auf ein Drittel des Nachlasses (in den sie aber vorher ihr sämtliches Vermögen hätte ,einwerfen' müssen), die restlichen zwei Drittel wären auf Anna, Therese, Karoline (nach Josef) und Eduard nach Kopfteilen aufzuteilen gewesen. Aber Johann Strauss Sohn hat durch eine Reihe letztwilliger Anordnungen die gesetzliche Erbfolge zulässigerweise außer Kraft gesetzt. Zusammengefasst hat er seinen Nachlass (sein Erbe) durch mehrere Schenkungsverträge auf den Todesfall, einen Ehevertrag, ein Testament und ein Kodizill, letztwillig im Wesentlichen wie folgt geordnet:

  • Erbe nach Johann Strauss Sohn ist die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien
  • Adele und ihre Tochter Alice erhalten teils als auf den Todesfall Beschenkte teils als Vermächtnisnehmer neben jährlichen Renten vor allem die nach Johanns Tod anfallenden Tan-tiemen und ,Autorenrechte', allerdings unter der auflösenden Bedingung, dass sich Adele nicht wieder verheiratet. Adele erhält dazu noch die ,Fahrnisse', wie wir Juristen sagen, oder wie es altmodisch, aber so schön treffend heißt: "Alles, was in diesem Hause nicht erd-, mauer-, niet- und nagelfest ist."aus dem Palais in der Igelgasse; sie soll die Memorabilia gut verwalten
  • Die Schwestern Anna und Therese erhalten auf ihre jeweilige Lebensdauer die sonstigen, restlichen Nutzungen aus dem hinterlassenen Vermögen
  • Josef Strauss' Tochter sowie Eduard Strauss und seine Familie gehen leer aus.

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