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Montag, 10. Dezember 2018

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Musikzeitschriften im Portrait: Österreichische Musikzeitschrift

"Meine Meinung verbreitet sich durch ihr wirken" - Swarowsky-Symposion einer Gemeinschaft Gleichgesinnter.

Die folgenden Aussagen bzw. Statements basieren weitgehend auf einem Symposion, das die "Österreichische Gesellschaft für Musik" unter Federführung von Harald Goertz, emer. Prof. der Musikuniversität, in Wien am 15. und 16.10.99 zum 100. Geburtstag Swarowskys veranstaltet hatte. Dort sprachen persönlich und fachlich erinnernde Worte Frau Doris Swarowsky und Sohn Anton Swarowsky, sowie Reinhard Kapp, Prof. für Musikgeschichte an der Musikuniversität Wien und Gerda Fröhlich, Intendantin des Carinthischen Sommers, in dessen Rahmen Swarowsky Dirigierkurse geleitet hatte. Die Reihe der prominenten Schüler wird von Zubin Mehta angeführt, der im Rahmen einer Feierstunde an der Wiener Musikuniversität am 16.9. mit Rektor Erwin Ortner ein Gespräch führte, dessen Kernaussagen hier ebenso dargestellt sind wie der einleitende Vortrag von Harald Goertz. Zuvor hatten die Wiener Philharmoniker das Sextett aus Capriccio von Richard Strauss, das auch bei Swarowskys Begräbnis erklungen war, gespielt. Die weiteren Statements wurden aus Symposions-Gesprächen - Peter Schneider und Guiseppe Sinopoli mit Walter Dobner, Mariss Jansons mit Wilhelm Sinkovicz - und Vorträgen - Manfred Huss, Günther Theuring - zusammengefasst bzw. nachgereicht (Jacques Delacôte, Ralf Weikert, Bruno Weil). Ebenfalls präsentiert wurde mit Tonbeispielen und Vortrag - Prof. für Romanistik, Universität Wien, Michael Rössner - der Übersetzer und Musik-Vermittler Swarowsky: Der Film "Lebendige Musik" wurde gezeigt und Tonbeispiele von LP's von Gerhard Kramer vorgeführt.

Harald Goertz: Ich sehe Hans Swarowsky als den vielleicht universellsten Vertreter der kulturellen Szene seiner Zeit, für den die Musik nur eines seiner potentiellen Aktionsfelder war. "Ich verstehe von Kunstgeschichte mehr als von Musik" sagte er bei einem Museumsbesuch mit seiner Klasse, was ebenso über- wie untertrieben war. Er war gleichfalls ein genialer Rhetoriker, der buchstäblich druckreif sprach. Diese Pluralität seiner Gaben erwuchs schon aus seinen Studien: Psychologie, Kunstgeschichte und Musik - letztere erhielt den Vorrang erst durch das Erlebnis einer Mahlerinterpretation, es war die 3. Symphonie dirigiert von Furtwängler. Weiters war diese Pluralität der Gaben wohl eine Folge seines persönlichen Schicksals: nach einer Dirigentenlaufbahn über Stuttgart, Hamburg nach Berlin erhielt er dort 1937 "Dirigierverbot". Clemens Krauss rettete ihn auf einen unauffälligen Posten als Dramaturg nach München (von einem Dramaturgen weiß die Öffentlichkeit kaum? was er tatsächlich macht), später nach Salzburg. Diese erzwungene Dirigierpause nutzte Swarowsky für eine geistige Bestandsaufnahme in Musiktheorie, Literatur und Geschichte. Höhepunkt dieser Phase war die Textarbeit für Richard Strauss und Clemens Krauss an der Oper Capriccio mit der berühmt gewordenen Übersetzung von Ronsards Sonett, das den Kern der Oper bildet. "Vive le triumvirat" schrieb Strauss begeistert und meinte das Librettisten-Dreieck Strauss-Krauss-Swarowsky. Diese Akzentverlagerung während der Kriegsjahre bewirkte wohl auch, dass Swarowsky nach 1945, als er mit Angeboten überhäuft wurde, gerade die Lehre wählte. Hier, an der damaligen "Akademie für Musik" hatte 1945 kurz und eher halbherzig Joseph Krips die Dirigentenklasse übernommen, dann Hermann Schmeidel. Mit der Übernahme durch Hans Swarowsky 1946 schlug eine neue Weltstunde unserer Akademie: junge Dirigenten aus aller Welt wollten nun zu Swarowsky (junge Pianisten aus aller Welt wollten an das Institut, wo Friedrich Gulda bei Bruno Seidlhofer studiert hatte - eine Duplizität besonderer Art).

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