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Musikzeitschriften im Portrait: Neue Zeitschrift für Musik
Schlagen, streichen, bürsten, werfen...
Mario Bertoncini, der Entdecker des Klavierinnenraums
von Reinhold Friedl, aus: Neue Zeitschrift für Musik 1/00
(ungefähr 6 Seiten)
Das Klavier war von Anbeginn eine seltsam hybride Mischung aus Schlag- und Saiteninstrument. Als Flaggschiff der wohltemperierten Stimmung entwickelte er sich kometenhaft zum Simulationsinstrument per se: Wer kein Orchester parat hatte, griff in die Tasten; umgekehrt spricht die Unterscheidung der Komponisten in zwei Lager - jene, die am Klavier komponierten und jene, die den Schreibtisch bevorzugten - Bände. Das kommende Ärgernis aber war, wenn nicht voraussehbar, so doch dem Instrument eingeschrieben: der verklingende Ton und die mangelnde Möglichkeit, den einmal angeschlagenen Klang zu beeinflussen. Und wenn auch der Klavierklang sich emanzipierte und wesentlich wurde für ganze Werkstrukturen - von Liszt über Chopin bis hin zu Skrjabin und Debussy -, so schien doch im Nachhinein der Rollenwechsel des Instruments, angesichts der Hinwendung zum Klang als wesentlichem Aspekt der kompositorischen Gestaltung, spätestens seit der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts vorbestimmt. Das musikalische Material war dem Klavier zusehends fremd geworden, die anderen Instrumente lernten Klänge oder Kombinationen, die mit dem Klavier nicht mehr simulierbar waren - schlicht: Spätestens seit Debussy wurde Klangfarbe gestaltendes Moment.
Der zur Disposition stehende Abgesang des Instruments hätte mithin nicht einmal Gesang sein können, vielmehr erzeugte erst die Wendung der Schwäche in eine Qualität das radikal perkussive Aufbegehren: "Betrachte das Klavier als eine interessante Art Schlagzeug und handle dementsprechend", schrieb Paul Hindemith in die "Gebrauchsanweisung" zu seinem Klavierstück "1922". Die alte Pianisten-Schule freilich, die Lebenszeiten investiert hatte, das Klavier "zum Singen" zu bringen, war erbost: "Die verächtliche Behandlung des Klaviers, auf dem man mit Fäusten herumpaukt, dessen Pedale rhythmisch getrampelt werden, nenne ich ein Vergehen", schrieb Arthur Rubinstein (1) und notierte zu Strawinsky: "Es ist vielleicht nicht abwegig anzunehmen, daß seine abschätzige Beurteilung des Klaviers als eines Schlaginstrumentes mit seiner Unfähigkeit zusammenhing, das Klavier zum Singen zu bringen".(2)
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