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Freitag, 3. April 2020

[Symphonisch oder orchestral? - Die Symphonische Orgel Aristide Cavaillé-Colls - eine

Musikzeitschriften im Portrait: organ

Symphonisch oder orchestral? - Die Symphonische Orgel Aristide Cavaillé-Colls - eine "orchestrale" Orgel?

von Kurt-Ludwig Forg, aus: organ 4/99

(ungefähr 9 Seiten)

Nicht nur in Deutschland ist während der letzten zwanzig Jahre das Interesse an symphonischer Orgelmusik und den einschlägigen Originalinstrumenten sehr stark angewachsen. Im Wechselspiel zwischen Aufführungspraxis, Qualitätsansprüchen von Organisten, Sachverständigen und deren Umsetzung seitens des Orgelbaus entstanden zahlreiche Orgelneubauten, die meist eklektisch(1) die Idee des französisch-romantischen "Récit symphonique" aufgriffen, zum Teil aber auch vollständig als "symphonische" Instrumente konzipiert wurden(2). Die "symphonische Orgel" verfügt seither durchaus (wieder) über ein weitgehend positives Image.

Obgleich in diesem Kontext mit einiger Selbstverständlichkeit ebenso von der "orchestralen Orgel" gesprochen wird, ist es dennoch augenfällig, dass keine "orchestralen" Orgeln von Sachverständigen konzipiert und von Orgelmachern gebaut werden. Es vermischen sich die Termini "symphonisch" und "orchestral" in den alltäglichen Diskussionen und Publikationen und werden sehr häufig sogar synonym verwendet. Sollte "orchestral" etwa nichts anderes als die pejorative Lesart von "symphonisch" meinen? Worin unterscheiden sich symphonische und orchestrale Orgeln? Und: Lassen sich für eine solche begriffliche Distinktion objektive Kriterien finden?

Die symphonische Orgel
Die Entwicklung der symphonischen Orgel wird gemeinhin in Verbindung mit dem Namen Artistide Cavaillé-Coll gesehen, der zwar bekannteste und erfolgreichste, jedoch nicht der einzige französische Vertreter(3) dieser Orgelästhetik in seiner Zeit. Cavaillé-Colls Instrumente galten damals - und für manche Organisten und Orgelbauer noch heute - als ausgesprochen innovativ. In der damaligen Periode des französischen Orgelbaus boten die Orgeln Cavaillé-Colls zahlreiche neue technische und klangliche Errungenschaften:(4)

  • abgestuft-differenzierter Winddruck bei erstmalig stabilem Wind ' optimale Intonation mit abgerundetem Gesamtklang
  • geteilte Windkästen und "Appels" für Zungenstimmen, Mixturen und hochliegende Register (neuartige Registriermöglichkeiten ohne Registranten)
  • Vervollkommnung des Schwellkastens ( Dynamisierung des Orgelklangs)
  • Weiterentwicklung und Kultivierung der überblasenden Register (Bereicherung der Klangfarbenpalette mit Registern unterschiedlicher Bauart und Charakteristik)
  • leichte und elegante Spielart durch Anwendung des Barkerhebels ' Steigerung des virtuosen Spiels.

[weiter...]

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