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Montag, 10. Dezember 2018

[Notensatzprogramme verdrängen traditionellen Notenstich]

Musikzeitschriften im Portrait: Intermusik

Notensatzprogramme verdrängen traditionellen Notenstich

(ungefähr 6 Seiten)

In unserer Computerecke möchten wir diesmal drei Notensatzprogramme vorstellen, die von ihrer Konzeption so unterschiedlich sind, wie die Zielgruppen, die sie ansprechen wollen.
Die Auswahl an Notationsprogrammen ist in den letzten Jahren einigermaßen unübersichtlich geworden - die Gefahr, die falsche Wahl zu treffen ist schon deshalb recht hoch. Bei den z.T. sehr hohen Preisen sollte man genau prüfen, für welche Anwendungsgebiete man das Programm einsetzen will. Das ideale Notationsprogramm für alle Ansprüche gibt es nicht, daher soll zunächst eine Art Benutzerprofil die unterschiedlichen Bedürfnisse an Musiknotation aufzeigen.
Der Musiklehrer, der für seinen Unterricht gelegentlich Materialien erstellen will, benötigt ein Programm, das nach kurzer Einarbeitungszeit zu Ergebnissen führt, die nicht unbedingt einem Verlagslektor genügen müssen. Im Vordergrund stehen hier einfache Bedienung, überschaubarer Funktionsumfang, erträgliche Systemanforderungen und nicht zuletzt ein akzeptabler Preis. Instrumentalisten, die besondere Zeichen benötigen, (z.B. die Registerzeichen des Akkordeons) sollten darauf achten, daß ihre Sonderzeichen im Programm vorhanden sind oder sich zumindest herstellen bzw. importieren lassen.
Komponisten und Arrangeure wünschen sich womöglich sehr ausgefeilte Möglichkeiten, in "Echtzeit" mit einem Midi-Instrument einzuspielen und die eingegebene Musik vom Rechner abspielen zu lassen. Nicht jedes Programm hat die Fähigkeit, Tempo- und Dynamikänderungen hörbar zu machen. Unter Umständen sollen äußerst komplexe Rhythmen (Balkierungen) und Vierteltöne gedruckt werden. Gerade avantgardistische Neue Musik stellt extrem hohe Anforderungen an ein Programm - es sollte ein Grafikmodul sowie ausgefeilte Import- und Exportfunktionen besitzen. Die Kompatibilität mit Verlagsprogrammen erleichtern vielleicht die Veröffentlichung, da die Produktionskosten für Verlage geringer sind, wenn sie eine Datei zur weiteren Verarbeitung erhalten.
Verlage mit eigener Herstellungsabteilung bzw. Dienstleister für Notensatz stellen sicher die größten Anforderungen an ein Programm. Die über Jahrhunderte entwickelten "Stichregeln" des traditionellen Notenstichs in Metallplatten sollen auch von einem Computerprogramm realisierbar sein. Da es die Stichregel eigentlich nicht gibt, sondern jeder Verlag zumindest in Teilbereichen eigene Standards entwickelt hat, wird eine große Flexibilität in der Notendarstellung vom Programm erwartet. Diese Flexibilität muß in einem vernünftigen ökonomischen Verhältnis zum Zeitaufwand stehen. Dieser Zeitaufwand sollte berechenbar sein, um Kosten kalkulierbar zu machen. In der Druckvorstufe hat sich das Dateiformat "PostScript" durchgesetzt, daher muß ein professionelles Programm in diesem Format speichern können. Wichtig ist ein einheitliches Erscheinungsbild auf allen Seiten. Beispielsweise sollten alle Fingersatzzahlen in Gitarrenpublikationen den gleichen Abstand zur nachfolgenden Note haben. Das bedeutet, daß diese Zahlen nicht einfach am Monitor nach Augenmaß mit der Maus zu plazieren sind, sondern über vorher definierte Zahlenwerte (zumindest in Standardsituationen) vereinheitlicht werden. Legato- und Bindebögen sind für Computerprogramme sehr schwer zu handhaben. Viele Lektoren wünschen sich Bögen, die den in Zinkplatten gezogenen gleichen.
Große Orchesterpartituren stellen sicher die größte Herausforderung an das Programm. Wie gut läßt sich ein sehr langes Werk mit vielen Systemen in "Form" bringen; wie werden Abstands-Einteilungen in horizontaler und vertikaler Ebene gehandhabt? Mit welchem Aufwand läßt sich gar Polyrhythmik (verschiedene Taktarten gleichzeitig untereinander) darstellen? Lassen sich schnell Sonderzeichen entwerfen (z.B. besondere Notenköpfe) und beliebige Zeichensätze für Texte einsetzen? Entsprechend dieser beispielhaften Anwenderbedürfnisse haben wir drei Programme ausgesucht, deren Schwerpunkte aufgezeigt werden sollen.

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