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Montag, 10. Dezember 2018

[Natur plus X]

Musikzeitschriften im Portrait: Österreichische Musikzeitschrift

Natur plus X

Die spektrale Musik der "Groupe L'Itinéraire"

von Gerald Resch, aus: Österreichische Musikzeitschrift 6/1999

"L'Itinéraire": Weg, Reiseplan, Marschroute. Als im Jahre 1973 fünf junge französische Komponisten ein Ensemble mit diesem Namen gründeten, hatten sie Ehrgeiziges im Sinn. Durch intensive Zusammenarbeit zwischen Komponisten, Interpreten und Klangtechnikern sollte eine neuartige Musiksprache entwickelt werden, und zwar auf der Basis naturwissenschaftlicher Erkenntnisse über akustische und wahrnehmungspsychologische Gesetzmäßigkeiten. Gérard Grisey, Michaël Levinas, Tristan Murail, Roger Tessier und Hugues Dufourt, mit Ausnahme des letztgenannten alle ehemalige Schüler Olivier Messiaens am Pariser Conservatoire, waren sich dabei in zwei grundlegenden ästhetischen Standpunkten einig: in ihrem (postseriellen) Mißtrauen gegenüber Konstrukten, die von außen an die Musik herangetragen werden sowie darin, den Klang, der kein statisches Gebilde sondern ein sich veränderndes "Lebewesen" ist, zum Ausgangspunkt und Zentrum ihres Komponierens zu machen.

Durch neue Technologien war eine präzise Analyse des spektralen Aufbaus und der zeitlichen Entwicklung jedes beliebigen Klanges möglich geworden. Dessen Charakteristik entsteht aus den unterschiedlichen Geschwindigkeiten, mit denen sich seine Teiltöne zu verschiedenen Intensitäten entfalten und wieder abbauen. Die "Itinéristes" begannen nun, derartige Prozesse der spektralen Lebendigkeit eines Klanges als Modell für formale Strukturen ihrer Kompositionen zu verwenden, wobei Ereignisse, die in Wirklichkeit nur Sekundenbruchteile dauern, extrem gedehnt werden. Tristan Murail beschreibt sein kompositorisches Vorgehen folgendermaßen: "Ich komponiere, indem ich die Klangmaterie wie ein Bildhauer aushöhle, dabei die Form enthüllend, die im Steinblock enthalten ist, mehr als daß ich vom Ziegelstein ausgehend meine Musik konstruiere, wie das bei der traditionellen Herangehensweise (...) der Fall ist."1

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