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Freitag, 17. September 2021

[Der Trompeterautomat von Seyffert und Heinrich aus den Jahren 1816/1817]

Musikzeitschriften im Portrait: Das Mechanische Musikinstrument

Der Trompeterautomat von Seyffert und Heinrich aus den Jahren 1816/1817

von Egon Weißflog, aus: Das Mechanische Musikinstrument

(ungefähr 7 Seiten)

Anläßlich der Jahrestagung 1998 der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie war am 10. Oktober 98 in Karlsruhe innerhalb der Vortragsreihe über historische Uhrentechnik u.a. ein Redebeitrag von Uhrmachermeister Egon Weißflog aus Schwarzenberg über einen selbstblasenden Trompeter von den Uhrmachern Peter Heinrich (Prag) und Seyffert (Wien) zu hören, der natürlich auch für unsere Mitglieder von Interesse sein wird. Wir danken Herrn Weißflog für seine Bereitschaft, seinen interessanten Beitrag in modifizierter Fassung zur Veröffentlichung in unserem Journal zur Verfügung zu stellen.

1. Einleitung

Schon die ersten mechanischen Uhren zeigten nicht nur die Zeit mit ihrem Stundenzeiger an, sondern waren durch ihre Mechanik in der Lage, akustische Signale für die Stunden und zum Wecken anzusteuern. Räderuhren wurden aber nicht nur als reine zweckmäßige Zeitmesser gebaut, sondern auch als Repräsentationsstücke für Klöster und Adlige. Die Uhren an den Fürstenhöfen waren kunstvolle Schaustücke mit viel Prunk und Zierrat. Dabei durften auch akustische Effekte nicht fehlen. Flötenspieler, Horn- und Posaunenbläser gaben die Zeit an oder wurden als Weckrufe verwendet. Einer der ersten Automaten in Europa war der krähende Hahn in der ersten astronomischen Uhr des Straßburger Münsters von 1352.
Im 16. Jahrhundert war Süddeutschland führend in der Herstellung von prunkvollen Uhren. Die Uhrmacher von Augsburg statteten ihre Uhren vielfach mit einem Flötenwerk und Automatenfiguren aus. Sie belieferten bis zu Dreißigjährigen Krieg die Fürstenhäuser Europas. Später wurden die Zentren Paris, Wien und Prag führend in der Herstellung solcher Uhren mit Musikwerken und Automaten.
Als berühmtes mechanisches Prunkstück aus dem Jahre 1809 gilt der Trompeter von Gottfried und Friedrich Kaufmann aus Dresden, der heute im Deutsche Museum in München zu sehen ist. In der Literatur sind noch weitere Trompeterautomaten nachzuweisen, so bei Stephan Edler von Keeß.1
Dort lesen wir von Uhrmachern, welche solche Instrumenten herstellten, wie: Anton Wist, Heinrich Steiner, Christian Seyffert und die Gebrüder Leonhard und Johann Mälzel. Johann Mälzel war es auch, der den selbstblasenden Trompeter in Wien gefertigt hat und die später von ihm erfundenen Trompetenmaschine, welche 24 Trompeten und 1 Walze hat, und vorzüglich Jagdstücke, dann kriegerische Musikstücke, wie sie bey der Cavallerie üblich sind, täuschend nachahmt.
Noch ein Trompeter taucht in der Literatur auf. So berichtet Dr. Buchner in seinem Buch "Mechanische Musikinstrumente"2: Einen Trompeter in Lebensgröße fertigte im Jahr 1817 auch der Prager Uhrmacher Peter Heinrich an. Er setzte ihn auf ein lebendes Pferd und führte den staunenden Zuschauern auf der Bauminsel vor, wie der Trompeter zehn verschiedene Fanfarenmelodien blies, je nachdem, welche Stelle an seinem Körper gedrückt wurde.
Im Museum Schloß Schwarzenberg wurde 1984 in einer Holzkiste eine vermeintliche Schaufensterpuppe mit einer Trompete gefunden. Bei näherer Betrachtung stellte sich heraus, daß es sich um einen Trompeterautomaten handelte, welcher zweimal signiert war:
Peter Heinrich, Uhrmacher Meister in Prag 1817
Seyffert, fecit in Wien 1816
Nachdem die Museumsleitung durch den Autor in enger Zusammenarbeit mit Herrn Joachim Schardin über die Bedeutung dieses Stückes unterrichtet worden war, begann eine sich über zwei Jahre erstreckende Arbeit an diesem Automaten, welche in einer Restaurierung gipfelte.
Herr Lothar Wonneberger (Dresden) übernahm die Arbeiten am musikalischen Teil des Trompeters3, der Autor restaurierte die Mechanik, das Museum Schloß Schwarzenberg den Korpus einschließlich der Textilien. Begleitet wurde diese Maßnahme wiederum von Herrn Joachim Schardin vom Mathematisch-Physikalischen-Salon in Dresden.

Foto: Wolfgang Freund
Der Holzkörper des Schwarzenberger Trompeters.

2. Der Trompeter von Heinrich und Seyffer
2.1. Antrieb

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