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Donnerstag, 6. August 2020

[The Charles Darwin of Early Music]

Musikzeitschriften im Portrait: Tibia

The Charles Darwin of Early Music

Friedrich von Huene im Gespräch

von Ralf Ehlert und Sabine Haase-Moeck, aus: Tibia

(ungefähr 10 Seiten)

Friedrich Freiherr von Hoyningen, genannt Huene, so der eigentliche Name des bekannten Holzblasinstrumentenmachers, entstammt einer baltendeutschen Familie, die im Verlauf der russischen Revolution 1919 das Baltikum verließ und sich in Deutschland wieder ansiedelte. Über seine Lebensgeschichte und die seiner Familie ließe sich leicht ein spannendes Buch schreiben. Hier sei nur soviel erwähnt, daß Friedrich von Huene seine Kindheit auf einem mecklenburgischen Gut verbrachte und 1945 mit seiner amerikanischen Mutter, seinen fünf Geschwistern und anderen Verwandten - der Vater war im Krieg gefallen - vor den russischen Truppen nach Westen floh. Die Familie ließ sich kurze Zeit in Westdeutschland nieder und wanderte dann 1947/48 nach Amerika aus.

Friedrich von Huene Als 1950 der Koreakrieg ausbrach, war Friedrich von Huene wehrpflichtig. Er hatte aber das Glück, drei Jahre als Flötist und Piccolospieler in einer Musikkapelle der amerikanischen Luftwaffe bei Washington zu dienen. In der Freizeit spielte er auch Blockflöte, studierte und konzertierte mit Freunden. Nach Ende seiner Militärzeit entschloß er sich, wieder aufs College zu gehen. Er heiratete seine Jugendfreundin Ingeborg, die er auf einer Deutschlandreise wiedergesehen hatte, und bald stellte sich Nachwuchs in Form eines Zwillingspaares ein, weitere drei Kinder folgten. Nach dem Examen mußte er sich entscheiden zwischen einem Stipendium an der Harvard Universität und der handwerklichen Arbeit bei einem Flötenbauer. Er entschied sich für letzteres und arbeitete von 1956-1960 bei Powell in Boston. Nebenbei begann er aber auch, Blockflöten zu bauen. 1960 eröffnete von Huene seine eigene Werkstatt und widmete sich von nun an dem Bau von historischen Holzblasinstrumenten, vornehmlich von Blockflöten. Außerdem war er als Musiklehrer, Konzertveranstalter, Arrangeur von Stücken für Blockflöte tätig, wurde Direktor der Boston Recorder Society und rief das Boston Early Music Festival ins Leben. 1984 erhielt er vom Bowdoin College den Ehrendoktor für Musik mit der Begründung: "Als Spieler und Lehrer halfen Sie, die unschätzbaren Werte unseres musikalischen Erbes zu bewahren. Mit dieser Auszeichnung würdigt Bowdoin auch sein eigenes Anliegen, nämlich daß das Beste der Vergangenheit der Gegenwart Form und Klang gebe." 1992 erhielt Friedrich von Huene für "hervorragende Verdienste um die Rekonstruktion und Verbreitung historischer Blasinstrumente" den Arion-Award der Cambridge Society for Early Music.

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