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Freitag, 12. August 2022

[Interview Eva Reiter]

Musikzeitschriften im Portrait: Acta Mozartiana

Interview Eva Reiter

Entscheidung für das kompositorische Entscheiden

von Daniel Ender, aus: Österreichische Musikzeitpecial 01/2008

Daniel Ender: Eva Reiter, Sie waren zuerst als Blockflötistin und Gambistin tätig. Wodurch hat sich dann für Sie das Interesse ergeben, auch zu komponieren?

Eva Reiter: Dieses Interesse hat mich eigentlich schon immer begleitet. Der Schritt in das eigene Komponieren fand 1996 statt. Ich hatte bereits in Wien mit beiden Instrumenten in improvisatorischen Gruppierungen gearbeitet, und es wurde bald klar, dass ich diesem Feld mehr und mehr meine Konzentration widmen würde. Als ich dann während meines Studiums in Amsterdam stark mit zeitgenössischer Musik in Berührung kam, habe ich begonnen, meine eigenen Entwürfe zu konkretisieren. Im Zuge der Improvisation hatte ich viel Zeit mit Materialrecherche verbracht – der systematischen Untersuchung, was nicht nur, aber vor allem auf meinen Instrumenten klanglich möglich ist. Dann habe ich aber bald an mir den Hang beobachtet, mich strukturell und formal sehr stark festzulegen. Damals stand ich vor der Entscheidung, entweder Kompositionen zu entwickeln oder mich der äußerst komplexen Methode der Improvisation zu widmen. In den niederländischen Improvisationskollektiven, in denen ich gearbeitet habe, haben mich die kommunikativen Prozesse, die Schnelligkeit und Präzision, ja die Virtuosität der Impulsverarbeitung sehr gereizt. Dennoch habe ich damals angefangen zu notieren, zu konkretisieren, also: kompositorisch zu entscheiden.

D. E.: Welche Rolle hat die Praxis, neue Musik für alte Instrumente zu machen, dabei für Sie gespielt, die ja im deutschsprachigen Raum weit weniger gepflegt wird als in den Niederlanden oder etwa auch in Frankreich und Belgien?

E. R.: Ich konnte in den Niederlanden viele derartige Kompositionen kennen lernen, bin aber häufig auf Stücke gestoßen, die nicht allzu viel an kompositorischem Mehrwert aufwiesen und die ich nicht so stark mit meiner ästhetischen Ausrichtung in Verbindung bringen konnte. Für das Instrumentalstudium war Amsterdam sicher die beste Ausbildungsstätte. Ich habe aber damals nie die Verbindung zu Wien aufgegeben, was die musikalische Ästhetik betrifft. Außerdem bin ich damals auf ein Stück für Kontrabassblockflöte solo von Fausto Romitelli gestoßen, das sehr wichtig für mich war. Sowohl, wie er in die Klanglichkeit eingestiegen ist, als auch seine formale Denkweise haben mich sehr angesprochen. Ich habe sehr lange an diesem Stück gearbeitet, empfand eine große Nähe zu meiner eigenen Klangästhetik und habe Fausto schließlich meine Materialbibliothek auf der Gambe zugeschickt – eigentlich wollte er ja ein Stück für das Trio Elastic3 schreiben, aber dazu ist es leider nicht mehr gekommen.

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