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Dienstag, 17. Mai 2022

[Vom Deodorant zum

Musikzeitschriften im Portrait: Musik & Kirche

Vom Deodorant zum "Dies Irae"

Der Komponist Karl Jenkins

von Guido Krawinkel, aus: Musik & Kirche 6/2007
Was haben die Musik für die Werbung eines bekannten Deodorants und das „Dies Irae“ aus dem Requiem von Karl Jenkins miteinander zu tun? Ganz einfach: Sie verwenden dieselbe Musik und die stammt in beiden Fällen aus der Feder jenes walisischen Komponisten. Musik zum Riechen oder klingender Geruch: Das Beispiel zeigt, dass das ungleiche Paar Werbung und geistliche Musik in Zeiten medialer Stromlinienförmigkeit kein unversöhnlicher Widerspruch bleiben muss. Das zeigt gerade Jenkins’ Musik, dessen unbekümmert in opulenten Schönklängen schwelgender Stil ein stetig wachsendes Publikum findet.

Vom Jazz zur Komposition

Am 17. Februar 1944 in Penclawdd, Wales, geboren, erhielt Karl Jenkins zunächst Unterricht von seinem Vater, einem Lehrer, Organisten und Chorleiter. Nach dem Studium an der Universität Cardiff und der Royal Academy of Music in London widmete sich Jenkins zunächst dem Jazz. Er war Mitbegründer der Formation „Nucleus“, die sich einer Mischung aus Jazz und Rock verschrieben hatte, und wechselte später zu der Band Soft Machine, der er bis 1984 angehörte. Zusammen mit dem ehemaligen Bandmitglied Mike Ratledge gründete er eine eigene Firma, die Jingles und Musik für Werbespots produzierte. Als Komponist im traditionellen Sinn hat sich Jenkins nie verstanden, erst durch die Arbeit an den Werbespots, für die er Musik arrangierte oder in den verschiedensten Stilen selber schrieb, erwuchs nach und nach eine eigene Kompositionstätigkeit. Heute ist Jenkins der wohl bekannteste englische lebende Komponist, dessen Musik regelmäßig ein Millionenpublikum erreicht. Inzwischen hat Jenkins auch die höheren Weihen der klassischen Musik erlangt: Er ist Mitglied der Royal Academy of Music sowie des Royal Welsh College of Music and Drama und erhielt 2005 den Titel „Order of the British Empire“ (OBE) für seine Verdienste um die britische Musik.

Musik für Fernsehen und Werbung

Nach seiner Zeit als Jazz- und Rockmusiker widmete sich Jenkins der angewandten Musik. Berüchtigt für die Geschwindigkeit und stilistische Vielseitigkeit, mit der er komponierte, heimste Jenkins viele Preise ein. Einige der von ihm komponierten Soundtracks haben die Werbespots, die sie untermalen sollten, zu regelrechten Klassikern gemacht, darunter ein mit einer Art Pseudobarock untermalter Spot für Diamanten, sowie Spots für Jaguar und Pepsi. Diese Tätigkeit für die Werbebranche steht in direktem Zusammenhang zu Jenkins’ kompositorischem Werk, ist doch etwa aus der Musik zu dem Diamanten-Spot die Palladio-Suite für Streichorchester hervorgegangen. Den endgültigen Durchbruch als Komponist bedeutete für Jenkins jedoch die Musik, mit der er einen Werbespot der Fluglinie Delta Airlines unterlegte. Hier kreierte er zum ersten Mal jenen ganz speziellen Sound, der zur Grundlage seines inzwischen erheblich angewachsenen Adiemus-Projektes geworden ist.

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