> > > > Leseprobe
Dienstag, 17. Mai 2022

[Lebendig, krachend, scharf]

Musikzeitschriften im Portrait: Musik & Kirche

Lebendig, krachend, scharf

Musik auf dem Kölner Kirchentag

von Peter Bubmann, aus: Musik & Kirche 5/2007
Die musikalische Gestaltung der zentralen, im Fernsehen übertragenen Kirchentagsgottesdienste ist ein heikles Geschäft: In der Regel machen sich die Verantwortlichen mehr Feinde als Freunde – wie auch immer die Stilfragen entschieden werden. Doch Kirchentagspastor Jan Janssen und seine Teams haben diesmal eine reelle Chance, weithin ungeschoren davon zu kommen. Denn sowohl am Anfang wie am Schluss stimmten auf den Poller Wiesen sowohl die Professionalität und Qualität der Aufführung als auch die Dramaturgie der liturgischen Inszenierung (bis auf den in Predigt wie Liturgie wenig überzeugenden rheinischen Präses). Während bei den letzten Kirchentagen häufig polystilistische Collagen versucht worden waren, dominierte in Köln die Lösung der seriellen Mono-Stilistik: Intrada und Choräle durch die Bläser, Sacro-Pop-Hits von der Band (am Anfang die Gruppe „Patchwork“, deren Sänger zu stark am Notenblatt hing, im Schlussgottesdienst die überzeugende Projektband um Matthias Nagel), lautmalerische Percussions- und Keyboard-Sound-Unterlegungen zu den Lesungen, dazu beim Schlussgottesdienst vorzüglich interpretierte Kirchenmusik der Tradition (u. a. von Schütz und Felix Mendelssohn) gesungen und gespielt vom Ensemble Gli Scarlattisti unter der Leitung von Jochen Arnold (Hildesheim). Alles in allem ein musikalisch profiliertes „Hörbild“ des Protestantismus. Solche lebendige ästhetische Vielfalt hat ihren Preis: harte Stilbrüche, etwa beim direkten Anschluss der im Boogiestil rockenden Band „Patchwork“ an den traditionellen Bläser-satz beim Choral „Sonne der Gerechtigkeit“ oder (noch schärfer) der kräftig-krachende Bandeinsatz „Worte über Worte“ in unmittelbarem Anschluss an das Psalm-Konzert zu Ps 103 „Lobe den Herren, meine Seele“ von Heinrich Schütz. Eigene Klang-Akzente setzte Nagels Projektband daneben durch die Einbeziehung von Oboe und Akkordeon und die gekonnte Verbindung mit dem Blechbläser-Ensemble bei der Begleitung des Gerhardt-Liedes „Sollt ich meinem Gott nicht singen“. Am Ende aber räumte die Kölner A-Cappella-Pop-Gruppe „Wise Guys“ mit ihrem Themenlied zum DEKT ab und wärmten – nahe am Kitsch segelnd – die Herzen mit ihrer Version des irischen Segensliedes „Möge die Straße uns zusammenführen“.

[weiter...]

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (5/2022) herunterladen (2400 KByte) Class aktuell (4/2021) herunterladen (7000 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links