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Dienstag, 17. Mai 2022

[Besonderes schaffen]

Musikzeitschriften im Portrait: Musik & Kirche

Besonderes schaffen

Ein Gespräch mit Landeskantor Matthias Krampe in Wien

Evangelische Kirchenmusik in Österreich – gibt es das überhaupt? Fast drei Viertel der Österreicher bekennen sich zur römisch-katholischen Kirche, Protestanten sind nur 4,5%, etwa so viele wie Orthodoxe oder Muslims. Eine schwierige Ausgangslage für Kirchenmusik, zumal die einzelnen, meist kleinen Gemeinden aus dieser Diasporasituation heraus oft mehr in ihren Grenzen und weniger übergemeindlich denken. Mit Matthias Krampe ist seit 1993 ein Deutscher Landeskantor der Evangelischen Kirche in Österreich und damit oberster evangelischer Kirchenmusiker des Alpenlandes. Johannes Mundry hatte Gelegenheit, mit Matthias Krampe über die Chancen und Grenzen einer besonderen Situation zu sprechen.

MuK: Wie wird ein Deutscher Landeskantor von Österreich?

Krampe: Letztlich durch das Studium. Ich habe in Frankfurt Kirchenmusik studiert und bin dann zum Orgelstudium nach Wien gegangen wegen meines Lehrers Michael Radulescu. Wie viele bin ich dann hier „hängen geblieben“.

In Österreich gibt es nur 325.000 evangelische Christen: Ist Österreich ein Entwicklungsland für die evangelische Kirchenmusik?

Auf jeden Fall. Das hängt allerdings weniger mit der Anzahl als mit der historischen Entwicklung zusammen. Um 1600 war fast das gesamte heutige Österreich protestantisch, dann hat die Gegenreformation massiv eingesetzt, so dass die zwei Jahrhunderte bis 1781, als die Evangelischen wieder geduldet wurden, für den Aufbau eines evangelischen Schul- und damit Musikwesens ausgefallen sind. Insofern haben wir das Problem, dass Musik als Teil einer evangelischen Bildungstradition im Bewusstsein kaum verankert ist. Das merke ich persönlich auch daran, dass das Bedürfnis nach Kirchenmusik überproportional von Gemeindemitgliedern geäußert wird, die aus Deutschland zugezogen sind.

Wir organisiert man überhaupt Kirchenmusik in dieser Situation?

Mein Anliegen ist es, und daran arbeite ich sehr hart, dass wir in allen Diözesen mittelfristig zumindest einen hauptamtlichen und voll ausgebildeten Kirchenmusiker haben. Das würde eine Ausweitung von derzeit vier auf sieben Stellen bedeuten. Trotz sinkender Ressourcen: Das Bewusstsein für die Notwendigkeit, hauptamtliche Kirchenmusiker als Multiplikatoren zu haben, entwickelt sich auch mit einer gewissen Nachhaltigkeit.

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