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Dienstag, 17. Mai 2022

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Musikzeitschriften im Portrait: Musik & Kirche

"Lauter Meisterwerke"

Zum 200. Todestag von Michael Haydn

von Ulrike Aringer-Grau, aus: Musik & Kirche 4/2006

(ungefähr 8 Seiten)

Salzburger Kirchenmusik, das war seinerzeit fast synonym mit Johann Michael Haydn. Der jüngere Bruder Joseph Haydns stand seit 1762 in fürsterzbischöflichen Diensten und war seinem Dienstherren Coloredeo auch persönlich und gedanklich nahe. Heute steht sein Werk, das mehr als 800 Kompositionen, darunter über 30 Messen und viele weitere kirchenmusikalische Werke umfasst, im Schatten Mozarts, der ihn sehr schätzte. Die Autorin führt in Leben und Werk des Komponisten ein, der am 10. August vor 200 Jahren starb.

„Jeder Kenner der Tonkunst und ihrer Literatur weiß, und wußte schon längst, daß Michael Haydn, als Kirchencomponist, unter die ersten Künstler dieses Fachs, aus jeder Zeit und jeder Nation, gehört.“1 Bereits sechs Jahre nach dem Tod des „Salzburger Haydn“, im Jahr 1812, formulierte E. T. A. Hoffmann in der Allgemeinen Musikalischen Zeitung dieses Urteil. Doch nicht nur er schätzte den besonders in Kirchenmusikerkreisen bekannten Künstler sehr, dessen Werke im 19. Jahrhundert in Wien häufiger aufgeführt wurden als die seines Bruders und als die Wolfgang Amadeus Mozarts. Selbst Leopold Mozart meinte gegenüber seinem Sohn: „H: Haydn ist doch ein Mann dem du seine Verdienste in der Musik nicht absprechen wirst.“2 Von Wolfgang ist überliefert, dass seine Frau „ihm keine angenehmere Überraschung machen [konnte] als mit einer Michael Haydn-Partitur“.3 Wer war der fünf Jahre jüngere Bruder Joseph Haydns, den der St. Petrische Prior P. Gabriel Hütter bei seinem Eintrag in das Totenbuch folgendermaßen beschreibt: „Sein Charakter war stille, behutsam, Bescheidenheit. Rausch und Spiele waren ferne von ihm, Mäßigkeit in Denken, Reden, auch andere Musikwerke zu beurteilen, war, was ihn beliebt und schätzenswert machte.“4 1737 im niederösterreichischen Rohrau geboren, kam Michael Haydn um das Jahr 1745 in das Wiener Kapellhaus, wo er durch „seine reine Sopranstimme“ und seinen außergewöhnlichen Stimmambitus von drei Oktaven (f–f3) erstes Aufsehen erregte.5 Die musikalische Ausbildung unter Hofkapellmeister Georg Reutter d. J. war fundiert: Haydn erhielt neben den Elementarfächern Unterricht im Spiel der Violine und der Tasteninstrumente, vielleicht auch auf der Harfe; bald durfte er sogar Vertretungsdienste bei den Frühmessen am Wiener Stephansdom übernehmen. Die Grundlagen der Komposition eignete er sich anhand von Johann Joseph Fux’ verbreitetem musiktheoretischen Lehrbuch Gradus ad Parnassum an. Die früheste Komposition aus dieser Zeit (ca. 1754), eine solenne Missa in honorem Sanctissimae Trinitatis (wahrscheinlich für die Weihe der Kathedrale in Temeschburg/Temesvar geschrieben) bezeugt Haydns Studien der Werke beider Hofkapellmeister Fux und Reutter. Zwanzigjährig kam Haydn als Mitglied des bischöflichen Orchesters nach Großwardein (heute Oradea in Rumänien) am südöstlichen Rande des Habsburgischen Reichs und wurde drei Jahre später, im Frühjahr 1760, zum Kapellmeister bei Bischof Adam Graf Patáchich ernannt. Hier entstanden Sinfonien, Konzerte, Divertimenti und kirchenmusikalische Werke, darunter ein größtenteils auf dem Sommersitz des Bischofs in Belényes 1760 komponierter reizvoller Zyklus von sechs Salve-Regina-Vertonungen. Am 14. August 1763 berief der Salzburger Fürsterzbischof Siegmund Graf von Schrattenbach Haydn laut Anstellungsdekret zum „Hofmusicus und Concertmeister“. Haydn stand damit Kapellmeister Giuseppe Lolli zur Seite und ersetzte wohl auch den häufig abwesenden Vizekapellmeister Leopold Mozart. In dieser Zeit schuf er Konzerte, Sinfonien, Serenaden, Tanzmusik, Applaususkantaten, Schuldramen, Fastenoratorien, selbstverständlich auch Kirchenmusik.

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