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Dienstag, 27. September 2022

[Wir sind Helden]

Musikzeitschriften im Portrait: music manual

Wir sind Helden

Himmelsboten, Heilsbringer, Hoffnungsträger

Seite 2

Ach ja. Der liebe Hype. Wieso eigentlich?
Weil, im Grunde ist die Entstehung der Helden ziemlich normal: drei Leute finden sich, stellen fest, dass sie auf einer Wellelänge sind, gerne Musik machen und eine Menge zu sagen haben. Judith Holofernes, geboren in Berlin, aufgewachsen in Freiburg, fühlt sich "eher als Hippie", bewundert Patti Smith und Tom Verlaine. Seit sie 14 ist, hat sie Straßenmusik gemacht, Songs von David Bowie mit Gitarre und Cello gespielt. Ihre Bandkollegen lernte sie bei einem Kontaktstudiengang der Hamburger Musikhochschule kennen: "Es war wie Verliebtsein im Ferienlager." So oder ähnlich entstanden früher alle Bands!

Der Hype um die Helden unterstreicht so deutlich, dass es schon weh tut, wie aseptisch der Vorgang der Starwerdung in der Musikszene mittlerweile geworden ist. Flächendeckend agieren die Casting-Trupps zwischen Spitzbergen und Krähwinkel, auf der Suche noch ein wenig Charisma. In den hintersten Winkeln stöbert man gierige kleine Hühnchen auf, die sich dem erniedrigenden Ritual aussetzen, das Bertelsmann, Bohlen und Bild sich ausgedacht haben. Wer darin das letzte Aufgebot erkennt, liegt nicht falsch. Und das einzige, was sich einstellt, wenn auch diese Sau durchs Dorf getrieben wird, ist das ganz große Gähnen. Superduper-Megaevents bringen immer bloß Stars hervor, wie content provider sie sich vorstellen. Kommen da nach Jahren der sterilen Glashausgewächse ein paar wilde Früchtchen daher, bemerkt man den himmelhohen Unterschied. Der Geschmack! Die Farbe! Dann fragen sich alle verschämt: was haben wir nur an dem Zuchtgemüse gefunden?! Der Sound der Helden ist nicht mal eine Revolution, eher eine gelungene Adaption alter Zeiten. Gute alte, kräftig in die Saiten gehackte Staccato-Gitarrenriffs, ein eiliger Bass, das Schlagzeug wie aus der Muppet Show. Sie selbst beschreiben ihre Musik als "Synthie-Punk-Pop", der sich in "28 % Synthie, 34 % Punk und 38 % Pop" aufschlüsselt. Auch das gehört zu den "Echten": das Quäntchen Ironie.

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