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Mittwoch, 23. September 2020

[Praxis Blockflötenunterricht]

Musikzeitschriften im Portrait: Windkanal

Praxis Blockflötenunterricht

Persönlichkeitsentwicklung durch Musik - Ein Vierjahresprojekt an einer Grundschule

von Knut Lanzke, aus: Windkanal 3/2003

Seite 3

Ein Demo-Tag des nordrhein-westfälischen Landesinstituts für Schule und Weiterbildung zeigte dann, dass wir nicht die Einzigen waren, die die Vorteile gemeinsamen Musizierens erkannt hatten und nutzen wollten: Es gab (allerdings eher in weiterführenden Schulen) bereits Bläserklassen, Klassenochester, in einer Grundschule ganz in unserer Nähe aber auch die Zusammenarbeit von Grundschule und örtlicher Musikschule. Zu dieser Zeit erfuhren wir von der Bastian-Studie (s. Kasten) und fühlten unsere Erfahrungen einfach nur bestätigt. Wenn es denn empirisch bewiesen ist, dass Kinder besser lernen, größere Sozialkompetenz zeigen, weniger aggressiv sind, weil sie gemeinsam musizieren, dann muss man das doch einfach nur machen! Soweit die Vorrede.

Wir beschafften uns die Studie (fast 700 Seiten mit viel Statistik) und waren immer noch begeistert. Jetzt ging es darum, eine Konzeption zu erarbeiten, die Kollegen, Schulleitung, Schulaufsicht, Schulträger, Eltern und nicht zuletzt auch Geldgeber überzeugte.

Das oben erwähnte Landesinstitut schrieb damals jährlich Projekte aus, die mit (vierstelligen) Geldmitteln und Lehrerstunden(!) gefördert werden konnten. Unter dem Titel "Gestaltung von Schulleben und Öffnung von Schule" (GÖS) half das Land NRW förderungswürdigen Initiativen.

Die Idee war bereits da: Eine 1. Klasse sollte von Anfang an obligatorischen Blockflötenunterricht bekommen. Musik sollte neben den beiden regulären Stunden auch in einer Kunststunde unterrichtet werden, dazu sollten die Kinder generell eine Zusatzstunde (Musik) haben und Fächer übergreifend immer auch Musik machen oder hören. Eine der beiden Förderstunden sollte bei Bedarf ebenfalls für Musik genutzt werden können. Rein rechnerisch hätten die Kinder so jeden Tag eine Stunde Musik. Zuerst galt es, alle möglichen Ja-abers und Einwände vorwegzunehmen. In solch einer Situation, in der man sich zunächst als allein-gegen-alle wähnt, kommt es wirklich auf Begeisterung und Überzeugungskraft jedes einzelnen an. Bei der Schulleitung rannten wir offene Türen ein, die Lehrerkonferenz stimmte nach einiger Überzeugungsarbeit ebenfalls zu und die Schulkonferenz (Schulleitung, Lehrer und Elternvertreter) trug die Begeisterung schon deutlich mit. In einem sehr hilfreichen Gespräch mit unserem Schulamtsdirektor (Schulrat) konnte das Ganze dann bereits konkretisiert werden und wurde schließlich durch die Zuweisung einer weiteren Lehrkraft für das Projekt und einen begrenzten Zeitraum gekrönt. Inzwischen war (auch) mit Hilfe von Argumenten aus der Bastian-Studie ein GÖS-Entwicklungsprojekt beantragt und bewilligt. Damit war finanziell und vor allem lehrerstundenmäßig sichergestellt, dass der erforderliche Mehraufwand gegenüber dem bisherigen Unterricht geleistet werden konnte. Die Eltern der Kinder dieser Musikklasse haben dem Projekt von Beginn an zugestimmt und es bis heute mitgetragen. Der Schulträger, die Stadt Langenfeld, zeigte sich sehr aufgeschlossen gegenüber unserem Problem, dem Projekt - plötzlich hieß es an der Schule "unser Musik-Projekt" - einen räumlichen Rahmen zu geben. Mit einer Grundschulklasse Keyboards, Netzteile, Ständer, Sitze, Notenpulte etc. auf- und abzubauen, erfordert erfahrungsgemäß so viel Zeit, dass sich die Stunde eigentlich inhaltlich kaum noch nutzen lässt. Es gilt also, diese "Rüstzeiten" herabzusetzen, indem das Projekt einen Raum bekommt, in dem alle Instrumente, Notenpulte, Mikrofone usw. aufgebaut stehen bleiben können.

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