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Dienstag, 27. September 2022

[Finale & Auftakt]

Musikzeitschriften im Portrait: Bach Magazin

Finale & Auftakt

von Jörg Clemen, aus: Bach Magazin 2/03

Seite 2

Bislang sind alle Bände der Neuen Bach-Ausgabe im einfachen Schwarz-Weiß-Druck erschienen. Nun wird diese Regel durchbrochen. Der Skizzenband von Peter Wollny (Serie VIII/Band 3) erscheint Farbe, damit die Faksimilevorlagen möglichst genau abgebildet werden können. Der Band weist darüber hinaus weitere redaktionelle Neuheiten auf. So werden erstmals grafische Elemente wie farbige Hervorhebungen einzelner Passagen Sinn und Anliegen der Edition veranschaulichen. Im ersten Teil der Edition geht es um ein aus Brüssel stammendes Manuskript einer Generalbaßlehre von 1738, die Bach angeblich verfasst beziehungsweise kompiliert hat, deren Echtheit aber nicht verbürgt ist. Immerhin stimmt eine der Regeln mit den von Bach offenbar diktierten und von seinem zweitjüngsten Sohn Johann Christoph Friedrich ins Notenbüchlein seiner Mutter eingetragenen Anweisungen überein.

Mit einer Sensation wartet das zweite Kapitel auf: einer bislang völlig unbekannten Handschrift mit Aufzeichnungen zur strengen Kontrapunktlehre, die Johann Sebastian Bach eigenhändig um 1740/45 anfertigte. Das Autograph wird erstmals von Prof. Walter Werbeck (Greifswald) im Bachjahrbuch 2003 vorgestellt. Die Quelle im Besitz des Musikverlags C. F. Peters (Frankfurt-Leipzig) befindet sich nun als Dauerleihgabe im Bach-Archiv Leipzig. Werbeck wurde auf die insgesamt zehn Blätter von einem Mitarbeiter des Verlages aufmerksam gemacht. Wie Wollny darlegt, handelt es sich möglicherweise um Zusätze zu einer musiktheoretischen Abhandlung.

Gegenstand des dritten Teiles sind die Kontrapunktstudien, die Johann Sebastian Bach und Wilhelm Friedemann Bach abwechselnd gemeinsam notiert haben. Sie gehören zu jenen Musikalien aus dem Archiv der Sing-Akademie zu Berlin, die 1999 in Kiew auftauchten und nun in der Berliner Staatsbibliothek verwahrt werden. Drei beidseitig und eng beschriebene Blätter sind es, und sie tragen alle Attribute eines Konzepts: zahlreiche Korrekturen, Überschreibungen, hier und da dräuen dicke Tintenkleckse. Mal notiert der Vater ein Fugenthema und der Sohn pariert mit der Antwort, mal ist es umgekehrt. Mal ist es der Stil der Alten Polyphoniker, mal ein vertrackter dreifacher Kontrapunkt. Mag sein, dass die in der zweiten Hälfte der 1730er Jahre entstandenen musikalischen Rästelnüsse einen eher geselligen Hintergrund hatten, schließlich war Wilhelm Friedemann dem elterlichen Vater-Schüler-Verhältnis entwachsen, als Musiker und Komponist etabliert und als Organist der Dresdner Sophienkirche in Amt und Würden. Einzigartig sind die Einblicke in die Lehr-Werkstatt Vater Bachs dennoch, zumal er in diesen Übungen im Joch den aktiveren Part bestritt. Dass mittendrin unvermittelt Bachs Schwanengesang auftaucht, das Hauptthema der unvollendet gebliebenen "Kunst der Fuge", verblüffte die Fachwelt gründlich. Beweist es doch, dass sich Bach, statt wie bislang vermutet in den 1740er Jahren, bereits Jahre früher mit der Idee und Konzeption des Werkes auseinander gesetzt hat.

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