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Samstag, 16. Oktober 2021

[Die Firma Voigt in Frankfurt-Höchst als Nachfolgerin der Firma A. Ruth & Sohn, Waldkirch]

Musikzeitschriften im Portrait: Das Mechanische Musikinstrument

Die Firma Voigt in Frankfurt-Höchst als Nachfolgerin der Firma A. Ruth & Sohn, Waldkirch

von Jan L.M. van Dinteren, aus: Das Mechanische Musikinstrument, August 2002

Seite 2

Bleiben wir zunächst bei der Geschichte der Firma A. Ruth & Sohn.1 Die erste Generation war der Tagelöhner Andreas Ruth, verheiratet mit Maria Ams. Aus dieser Ehe gingen drei Söhne hervor: Andreas II. (1817 - 1888), Michael (?) und Xaver (geb. 17.7.1823). Andreas II. hat bei Christian Muckle in Furtwangen den Spieluhrenbau erlernt und später mit Michael Dorer, Furtwangen, Harfenuhren gebaut. 1834 ging er zurück nach Waldkirch und ergänzte sein Wissen bei Xaver Bruder (1808 - 1888), einem der Söhne des Ignaz Blasius Bruder. Andreas II. gründete 1841 die Fa. Ruth. 1887 wurde die Fa. A. Ruth & Sohn im Handelsregister beim Amtsgericht Waldkirch als offene Handelsgesellschaft eingetragen.

Andreas II. war mit Maria Anna Kohler verheiratet. Sie hatten zwei Kinder: Adolf (1845 - 1907) und Albertine, die ledig geblieben ist. Adolf heiratete 1869 Maria Theresia Clemtine Jörger. Aus dieser Ehe ging der Sohn Adolf II. hervor (1878 - 1938). 1875 übernahm er die Fa. Ruth & Sohn. Adolf II. heiratete Ida Harbrecht (1888 - 1969). Frau Ida Ruth geb. Harbrecht habe ich noch persönlich kennen gelernt. Adolf II. und Ida Harbrecht hatten drei Kinder:

  1. Erica, verheiratet mit Herrn Godriak aus Polen, später Brasilien.
  2. Alice, verheiratet mit Kaspar Schröder aus Aachen, die kinderlos blieben und beide am gleichen Tag gestorben sind.
  3. Adolf III., geb. 1913 und 1940 in Sedan/Frankreich gefallen.
Adolf III. hatte kaum Interesse am Orgelbau. Er war von Beruf Bäcker. Schon Mitte der dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts ging es der einst führenden Firma Ruth & Sohn schlecht. Die finanzielle Lage war sehr angespannt. Man blieb bei eher konservativen Ideen, doch entwickelte man, nachdem die Fa. Bruder damit angefangen hatte, zwei eigene Rollenspieler-Systeme für Kirmesorgeln; beide waren mangelhaft. Erst als es zu spät war hat man bei der Orgelbaufirma Voigt in Frankfurt um Rat nachgesucht.

Es soll noch erwähnt werden, dass Ruth im Jahre 1900 die erste Kartonnotenorgel für einen Kunden in Wien herstellte. Kartonnotensteuerungen wurden in das Modell 30 mit 45 Tonstufen bis einschließlich Modell 39 mit 96 Tonstufen eingebaut. Von diesem letzten Modell 39 wurden 1926 zwei Exemplare gebaut, beide waren voll chromatisch und konnten die schweren Stücke der Musikliteratur, wie z.B. Richard Wagner, zu Gehör bringen. Die beiden 39er Ruth-Orgeln waren das Beste, was je in Deutschland an Jahrmarktorgeln gebaut wurde. Beide sind erhalten geblieben. Eine befindet sich in der Schweiz und die andere im Museum in Utrecht.

Heinrich-Voigt-Orgelbau in Frankfurt-Höchst 2

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