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Samstag, 16. Oktober 2021

[Von der Utopie des Metiers - Péter Eötvös: Dirigieren als Praxis der Veränderung]

Musikzeitschriften im Portrait: Neue Zeitschrift für Musik

Von der Utopie des Metiers - Péter Eötvös: Dirigieren als Praxis der Veränderung

von Max Nyffeler, aus: Neue Zeitschrift für Musik 01/2002

Seite 7

* Unterrichten Sie in Ihren Kursen nur Dirigieren, oder spielt die Komposition auch eine Rolle?

Ich versuche beides miteinander zu verbinden. Das erste Mal, in Wien 1994 mit dem Klangforum, luden wir auch Lachenmann und Bussotti als Lehrer ein. Ziel dieses Seminars war, den Komponisten die Aufgaben eines Dirigenten klarzumachen, und umgekehrt die Dirigenten zu ermuntern, mit den Komponisten einen permanenten Dialog zu führen. Die Komponisten beantworteten die Fragen der Dirigenten, und wenn umgekehrt ein Dirigent sagte: "Hör mal, so geht das nicht, das kann ich nicht machen", dann sollte das der Komponist akzeptieren.

Im letzten Sommer gab ich im Centre Acanthes in Villeneuve lez Avignon einen Kurs für Komponisten, die eigene Werke dirigierten. Vier von fünf hatten noch nie dirigiert. Ich stellte sie vor das Ensemble hin und sagte: Es geht eigentlich nur um zwei Sachen. Erstens musst du eine sehr präzise Vorstellung von deinem eigenen Stück haben. Und zweitens gibt es keine dirigentische Technik, es gibt nur die Überzeugungskraft, und die hat man hat oder man hat sie nicht. Du kannst dich hinstellen und nur die Augen oder den Kopf bewegen, und das Orchester beginnt zu spielen, wenn du das überzeugend machst. Es geht um ein Grundverhalten.

* Vor jeder Technik gibt es also bereits eine Körpersprache, die funktionieren muss?

Es gibt natürlich eine sehr feine Kommunikationstechnik mit den Händen, die man entwickeln kann. Aber das Dirigieren beruht grundsätzlich auf der Begabung, diesen Kontakt durch die Persönlichkeit - durch den Blick, die Geste, die Reaktion - herzustellen. Man könnte es auch Ausstrahlung nennen. Wenn jemand diese Gabe nicht besitzt, dann ist er kein Dirigent. Handtechnik allein genügt nicht. Aber ich muss anfügen, dass es bei meinem Dirigierkurs für Komponisten nicht darum ging, aus ihnen professionelle Dirigenten zu machen. Sie sollten durch diese Erfahrung etwas über die Realisierung einer Partitur lernen und daraus Schlüsse ziehen für ihr Komponieren.

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