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Dienstag, 25. Juni 2019

[K(l)agelieder - Theologische Implikationen im Werk Mauricio Kagels]

Musikzeitschriften im Portrait: Neue Zeitschrift für Musik

K(l)agelieder - Theologische Implikationen im Werk Mauricio Kagels

von Karl-Heinz Zarius, aus: Neue Zeitschrift für Musik 6/2001

Seite 2

Theologische Subtexte kennzeichnen eine Reihe von Werken, deren semantische Ebene nicht unmittelbar im religiösen Feld liegt. Die folgende Aufzählung verdankt sich objektivierbaren Merkmalen der Komposition, aber auch der subjektiven Einschätzung des Autors im vollen Bewusstsein, dass eine Grenze zwischen theologischer Anspielung, allgemeinem humanistischen Engagement und einer gewissen assoziativen Nähe zu religiösen Aspekten kaum präzise zu ziehen ist. Unter diesem Vorbehalt seien genannt: "Anagrama" für Gesangssoli, Sprechchor und Kammerensemble, "Phonophonie" - Vier Melodramen für zwei Stimmen und andere Schallquellen, "Die Himmelsmechanik" - Komposition mit Bühnenbildern, aus der "Szenischen Komposition" "Staatstheater" der Teil "Repertoire" - szenisches Konzertstück und "Vox humana?" - Kantate für Solo-Lautsprecher, Frauenstimmen und Orchester.

Noch weniger exakt bestimmbar sind theologisch gefärbte Andeutungen und Anspielungen in einer Reihe scheinbar anders akzentuierter Werke. Zu dieser Gruppe gehören: "Pas de cinq" - Wandelszene für fünf Darsteller, "Kommentar und Extempore", Selbstgespräche mit Gesten, "Der Schall" für fünf Spieler, "Unter Strom" für drei Spieler, "Acustica" - Musik für experimentelle Klangerzeuger, Lautsprecher und zwei bis fünf Spieler, "Zwei-Mann-Orchester" für zwei Ein-Mann-Orchester, "Bestiarium" - Klangfabeln auf zwei Bühnen, "Entführung im Konzertsaal" - Musikalischer Bericht eines Vorfalls.

Sprechchor:
Hört, ihr Sünder! Du, o schönes Weltgebäude Aus tiefer Not ermuntre dich, schrei ich zu dir mein schwacher Geist schaut ihr Sünder! Ach, was soll ich Sünder machen? kommt her zu mir spricht, herzliebster was hast du verbrochen in dich hab ich gehoffet, wenn ich in Angst und Not o Herzensangst meines Lebens letzte Zeit warum sollt' ich mich denn grämen, wach' auf, mein Herz werde munter mein Gemüte straf mich nicht in deinem Zorn Ach wie nichtig, ach wie flüchtig nicht so sehr traurig nicht so sehr Welt, ade! Ich bin dein müde o wir armen Sünder o wie selig seid ihr doch ihr Frommen wo soll ich fliehen hin es spricht der unweisen Mund schmücke dich o liebe Seele Ewigkeit du Donnerwort ach Gott und Herr lebet noch in allen meinen Taten ich freue mich in dir o Traurigkeit du großer Schmerzensmann wenn wir in höchsten Nöten sein nun ruhen alle Wälder heut ist o Mensch, ein großer der Tag, der ist so freudenreich die Nacht ist kommen weg mein Herz mit den Gedanken sei Lob und Ehr' dem höchsten Gut auf, auf, mein Herz und du mein ganzer Sinn warum betrübst du dich Seelenbräutigam für Freuden laßt uns springen mitten wir im Leben sind wer weiß wie nahe mir befiehl du meine Wege es ist das Heil uns kommen her was frag' ich nach der Welt o Mensch bewein dein' Sünde groß ich dank dir schon durch deinen Sohn Es wird schier der letzte Tag heilig, was willst du dich, o meine Seele Nun sich der Tag geendet hat wir kommen. Nun preiset alle Sieg! Heil! Ich dank' dir Dank' dir. lieber Herre. Verleih' uns Frieden gnädiglich. Alle Menschen müssen sterben. meine Augen schließ ich jetzt.

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