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Dienstag, 25. Juni 2019

[Musiktherapie]

Musikzeitschriften im Portrait: Das Orchester

Musiktherapie

Musik als Hilfe und Heilung

von Herbert Bruhn, aus: Das Orchester 10/2001

Seite 2

Zum anderen können gerade die Menschen von Musiktherapie profitieren, die sprachlich besonders begabt sind. Es zeigt sich nämlich immer wieder, dass sich wortgewandte Menschen hinter ihren eigenen Formulierungen verstecken und somit einem Hilfeangebot des Therapeuten ausweichen.

Musik als Medium

Musik nimmt in der Musiktherapie eine Mittlerrolle ein: Mit Musik werden Gefühle, Vorstellungen und Wünsche artikuliert und jemand anderem mitgeteilt. In der Musiktherapiestunde würden sich der hilfebedürftige Klient oder Patient und sein Therapeut in einen Raum voller unterschiedlichster Musikinstrumente begeben: Meist ist ein Klavier vorhanden, oft steht auch ein Kontrabass in der Ecke und ein Schlagzeug-Set ist aufgebaut. Drum herum stehen viele andere Klangerzeuger wie Pauken, Kongas, Trommeln, Stabspiele, Rasseln, Holzblöcke, Becken, Flöten, Monochorde oder Leiern. Der Therapeut würde den Patienten bitten: "Sehen Sie sich einmal um: Ich würde es gut finden, wenn Sie einmal einige Instrumente ausprobieren und sich dann eins aussuchen, das Ihrer Stimmung entsprechen könnte." Meist setzt sich der Therapeut ebenfalls an ein Instrument und begleitet die Suche mit eigenen Klangeinfällen. Es entwickelt sich dann ein musikalisches Zwiegespräch, eine erste Improvisation.

Es wird deutlich, dass Musiktherapeuten mit dem weitesten Musikbegriff arbeiten, der möglich ist. Alle absichtsvoll hergestellten Klangabläufe werden als Musik bezeichnet. Das schließt Kinderlieder ebenso ein wie wildes Trommeln auf afrikanischen Djembes, das Spielen von Märschen auf dem Klavier oder das Zerknüllen von Packpapier. Das ungebundene Improvisieren auf den bereitgestellten Musikinstrumenten ermöglicht es dem Klienten, unabhängig von einer musikalischen Ausbildung seine Stimmung, seine Sorgen und seine Probleme auf die Musikinstrumente zu übertragen. So kann der Klient seine Sorgen "laut werden lassen", obwohl sie möglicherweise noch gar nicht bewusst erlebt wurden.

Interpretation der Improvisation

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