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Dienstag, 23. April 2019

[Klavierspiel von Anfang an durchdenken]

Musikzeitschriften im Portrait: PIANOnews

Klavierspiel von Anfang an durchdenken

Pianist Stephen Paulello unterrichtet und baut seinen eigenen Konzertflügel

von Carsten Dürer, aus: Piano News

Seite 3

Am schwierigsten war es, eine Firma zu finden, die die Gussplatte herstellte. Auch die Wahl des Holzes war nicht einfach.

Die Besonderheiten

"Alle Teile in meinem Flügel stammen aus Deutschland", sagt Paulello und will damit zum Ausdruck bringen, dass von dem ehemals so traditionellen Klavierentwicklungsland Frankreich nicht viel übrig geblieben ist. Die Zarge war ein Punkt, bei dem er feststellen musste, dass er in Frankreich nicht gerade offene Türen einrennt: "Ich brauchte für meine Zarge sieben Meter langes Holz. In Frankreich fand ich dies überhaupt nicht erst." Letztendlich half ihm die Firma Schimmel aus Braunschweig aus und konnte ihn mit diesem Zargenholz versorgen. Was für ein Aufwand für eine Einzelperson muss man sich vorstellen, wenn es an solche Großteile geht, wie das Biegen einer Konzertflügelzarge, ohne die Werkzeuge, die einem in einer Fabrik, die alltäglich mit diesen Objekten zu tun hat. Letztendlich hat Paulello aber jedes Detail selbst angefertigt, mit eher geringem Maschinenaufwand. "Der Pariser Händler, der schon meine Klaviere bauen ließ, stellte mir einen Raum zur Verfügung, der groß genug war, um den Flügel zu fertigen. Allerdings hatte ich keine Spezialwerkzeuge. Für das Biegen der Zarge kaufte ich mir also viele Schraubzwingen. Und dann ging es los." Mit vier Leuten, die dies zum ersten Mal machten, wurde also die Zarge für Paulellos Flügel geformt.

Doch die Besonderheiten, die der Flügel erkennen lässt, sind an anderer Stelle zu finden. So beispielsweise die Gussplatte, die massiv konstruiert ist und besonders starke Streben im Bereich des Basses aufweist. Vor allem - im Gegensatz zu einigen anderen Herstellern - sind die Befestigungsbohrlöcher der Gussplatte nicht in den Kreuzungen der Verstrebungen vorhanden: "Es ist doch Unsinn, wenn man eine Platte so massiv wie möglich konstruiert und sie dann durch das Bohren wieder instabil macht", erklärt Paulello.

Der Resonanzboden ist ein wenig dem Vorbild eines Steinways nachempfunden, er verjüngt sich zu den Rändern hin ein wenig, aber nicht so stark wie bei einem Steinway, "da ansonsten der Klang ein wenig zu unkontrolliert wird". Wie baut man aber eine Mechanik nach seinen eigenen Vorstellungen? "Nun, ich bin zu Renner gefahren und habe dort mit den Leuten gesprochen. Das war überhaupt kein Problem. Aber letztendlich habe ich halbfertige Mechanikteile bestellt und jedes einzelne noch modifiziert." Eine scheinbare Sisyphos-Arbeit. Die Saiten stammen ebenfalls aus Deutschland, von den Herstellern Röslau und Heller. Die Klaviatur hat Paulello auch selbst entworfen und bei Kluge in Wuppertal anfertigen lassen. "Das war der einzige Teil, bei dem es nicht vollkommen glatt lief. Ich hatte die Klaviatur ein wenig zu lang entworfen und musste sie später ein wenig kürzen", erklärt er. Dennoch ist es bemerkenswert, das so wenig schief gegangen ist, bei einem Prototyp, den dieser Flügel letztendlich darstellt.

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