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Mittwoch, 14. November 2018

[Klavierspiel von Anfang an durchdenken]

Musikzeitschriften im Portrait: PIANOnews

Klavierspiel von Anfang an durchdenken

Pianist Stephen Paulello unterrichtet und baut seinen eigenen Konzertflügel

von Carsten Dürer, aus: Piano News

Seite 2

Der Paulello Konzertflügel

Nicht jeden Tag passiert es, dass ein Pianist, der im Jahr ca. 40 Konzerte gibt und zudem noch an einer Hochschule in Paris Klavier und Kammermusik unterrichtet, einen eigenen Konzertflügel konstruiert. Neben seiner Erfahrung im Bereich der Restaurierung von Instrumenten, die er mittlerweile nebenberuflich durchführte, hat ihm auch die Arbeit in Jugoslawien und in Deutschland geholfen. "Ich habe bei der Restaurierung immer schon versucht, den Klang der Instrumente ein wenig zu optimieren, durch Änderung der Mechanik oder der Mensur und solche Dingen. Oftmals mit Erfolg. Neben den Experimenten in dem jugoslawischen Unternehmen, habe ich zudem einen alten Bechstein-Flügel vollkommen zerlegt und vermessen und auf seine Konstruktionsmerkmale überprüft. Überhaupt begann ich ab einem bestimmten Zeitpunkt jedes alte Instrument, das ich unter die Finger bekam, zu vermessen: Mensur, Gehäuse, Klaviatur und so weiter." Es hört sich fast ein wenig wie eine Geschichte eines Selfmade-Mannes an. Doch Paulello hat eigentlich nichts anderes getan, als all die genialen Erfinder und Hersteller von Klavieren und Flügeln früherer Zeiten: Lernen durch die Erfahrung und die Beobachtung versierter Kräfte, Lernen durch Instrumente unterschiedlichster Herstellung und unterschiedlichen Alters. Lernen durch Experimentieren. Doch kann auf diese Weise auch heute noch ein Instrument entstehen, das gegen die oftmals wie ein Geheimnis gehütete Erfahrung in den größeren und traditionsreichen Unternehmen bestehen könnte? Um es vorweg zu nehmen: Es ist schwierig, aber es ist möglich.

Die Entwicklung

Stephen Paulello ging auf die klassische Weise vor: "Als erstes zeichnete ich die Anschlagslinie, danach die Mensur, nachdem ich mir klar darüber geworden war, dass die Länge 285 cm sein sollte." Nach dieser Länge berechnet sich dann ebenso alles weitere wie sich durch die festgelegte Anschlaglinie für die weiteren Konstruktionsmerkmale ergibt. Dennoch: Es blieb ein Abenteuer. "Ich wollte etwas Anderes machen, etwas Neues, eine Alternative entwickeln. Ich wollte nicht sagen, ich mache es jetzt besser als Steinway & Sons. Das wäre vermessen. Man darf auch nicht vergessen, dass es im Gegensatz zu früher nur wenige Alternativen im Bereich von Konzertflügeln gibt, oder gab. Ich baute meinen Flügel vor 10 Jahren und da war die Auswahl recht gering. Momentan scheint sich dies ja wieder zu ändern", erklärt Paulello. Auch Fazioli - so konstatiert er - hat eine Alternative für die Pianisten entwickeln wollen und hat es geschafft. Er sagt auch, dass er damals nur die Leidenschaft im Kopf hatte, dieses Instrument für die Konzertbühne zu bauen, nicht aber die Idee, dieses Instrument in größerer Stückzahl fertigen zu lassen. Heute sieht es etwas anders aus, aber dazu später...

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