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Freitag, 2. Dezember 2022

[Zum 100. Todestag des Daniel Imhof (1825 - 1900)]

Musikzeitschriften im Portrait: Das Mechanische Musikinstrument

Zum 100. Todestag des Daniel Imhof (1825 - 1900)

von Hans Wolfer und Erich Willmann, aus: Das Mechanische Musikinstrument

Seite 5

Es muss mit der Firma in Vöhrenbach rasant aufwärts gegangen sein, wie eine Akte im General-Landesarchiv zeigt (GLA-Karlsruhe, Abt. 236/9719). Im Jahre 1875 bekam nämlich der Kgl. Preusische Geh. Oberregierungsrat und Direktor der Königlichen Akademie zu Berlin, Franz Reuleaux, von der Großherzoglichen Regierung in Karlsruhe den Auftrag, die Betriebe in der Raumschaft Furtwangen zu studieren und der Regierung einen Bericht über den Stand und die Mittel zur Erhaltung und Hebung vorzulegen. Im Rahmen dieses Auftrages besuchte er am 15. Oktober Vöhrenbach. Über Daniel Imhof vermerkt sein Bericht (hier gekürzt zitiert) folgendes:

"Im ganzen ist Vöhrenbach ein Platz, der sich durch Rat und Aufmunterung nach oben treiben läßt. Eine sichere Stütze hierfür bietet der ebenso originelle wie tätige Spielwerkbauer Imhof, der nach 29 jährigem Aufenthalt in London in das stille sanfte Waldtal seines Heimatortes zurückgekehrt ist.3 Man möchte bei diesem beweglichen, von Interesse für jedes Schräubchen seiner Musikwerke erfüllten, leidenschaftlich seiner Arbeit obliegenden Mann verweilen, um seine Pläne reifen, seine Werkstätten sich füllen, seinen Geschäftskreis mit der Schnelligkeit sich ausdehnen zu sehen, die sein rastloses Wirken sicher zur Folge haben wird. Imhof ist ein ganz hervorragendes Talent sowohl in seinem Fache, als im allgemeinen in der Schwarzwälder Industrie..."

Es ist nicht möglich, näher auf die vielen Orchestrione einzugehen, die das Haus Imhof & Mukle verließen. An einige Glanzlichter aus Vöhrenbacher Produktion soll aber erinnert werden:

 Das große Orchestrion von Imhof & Mukle \n für den Sultan von Konstantinopel aus der Zeit um 1875. \n Holzstich um 1875 im Besitz der Urenkelin von Daniel Imhof, \n Frau Liselotte Heynen-Imhof, Zürich.

  • Schon 1875 erregte ein Musikwerk für den Sultan von Konstantinopel großes Aufsehen, wie es uns der Vöhrenbacher Chronist Franz J. Furtwängler köstlich beschrieb.
  • Im Jahre 1890 verließ das wohl größte in Vöhrenbach gebaute Orchestrion das Werk Imhof & Mukle. Bestimmt war dieses riesige Instrument mit einer Länge von 10,50m und einer Höhe von 5,30m für den Jockey-Club in New York. Schon allein der Transport zum Bahnhof Kirnach, von dem aus die Schwarzwaldbahn zahlreiche Meisterwerke des Schwarzwälder Musikwerkbaues auf den Weg in die Welt brachte, soll eine Woche gedauert haben. Eine Fachzeitschrift schrieb damals:
    ... Stehen wir vor diesem Riesenwerk, so sind wir voll Erstaunen darüber, wie es dem menschlichen Erfindungsgeist gelingen konnte, all' die komplizirten Mechanismen so miteinander in Verbindung zu bringen, um ein tadelloses Zusammenspielen von nahezu tausend Pfeifen zu erreichen; schließt man während des Vortrags die Augen, glaubt man ein wohlgeschultes, vollbesetztes Orchester zu hören. ...4
  • 1895 folgte für das Schloss "Old Warden Park" der Königin Viktoria von England eine Sonderanfertigung mit 11 Registern, 367 Orgelpfeifen, Schlagzeug aus Pauke, Trommel, Becken und Triangel. Das Gehäuse schuf der bekannte englische Kunstschreiner Gillows. Heute kann das prächtige Musikwerk im Museum für Mechanische Musikwerke (MMM) Schloss Bruchsal bewundert werden.
  • Auch das berühmte Königliche Opernhaus (Covent Garden) in London erhielt 1903 ein Imhof & Mukle Orchestrion. Die damaligen Zeitungen waren des Lobes voll. Mühelos würde dieses Werk das II. Orchester ersetzen, hieß es u.a. in den Berichten.

Foto: Erich Willmann

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