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Sonntag, 21. Juli 2019

[Die Oboeninstrumente in tieferer Stimmlage, Teil 5]

Musikzeitschriften im Portrait: Tibia

Die Oboeninstrumente in tieferer Stimmlage, Teil 5

Das Englischhorn in der Klassik

von Michael Finkelman, aus: Tibia

Seite 2

Franz Joseph Haydn im nahe gelegenen Eisenstadt hatte bereits 1760 für Englischhorn zu schreiben begonnen, schon bevor er seine Dienste am Hofe Eszterházy antrat. Dort hatte er dann die Brüder Kapfer als Oboisten zur Verfügung. Sie müssen außerordentliche Spieler gewesen sein. Haydn nutzte ihre Fähigkeiten als Englischhornspieler in zahlreichen Werken unterschiedlichster Art. Einen der Höhepunkte dieser Entwicklung bildet die Symphonie Nr. 22 ("Der Philosoph") aus dem Jahre 1764, in der zwei Englischhörner die gewöhnlichen zwei Oboen ersetzen (zusammen mit Hörnern, Streichern und Continuo). Die beiden Englischhörner spielen im ersten Satz abwechselnd mit den Hörnern Choräle. Wie H. C. Robbins ausführt, waren die Englischhörner für Haydn das, was für Mozart später die Klarinetten waren: beide nutzten ihre bevorzugten Holzblasinstrumente vorzüglich aus. Haydns Meisterschaft in der Behandlung dieses Instrumentes wird vielleicht in seinen Vokalwerken noch deutlicher, wie etwa in seinem Stabat Mater von 1767. In den zahlreich erhaltenen Aufführungsmaterialien der Zeit sind jedoch die Englischhornstimmen gewöhnlich für andere Instrumente transskribiert. Dasselbe gilt auch für das erhaltene Material seiner 4. Messe aus dem Jahre 1772, in der zwei Englischhörner durchgehend im Tutti beschäftigt sind. Bis zum Ende des Jahrhunderts waren Englischhörner nur in relativ wenigen Orten vorhanden. Im ersten Oratorium Haydns, Il Ritorno di Tobia (1775), kommen ein Paar Englischhörner gut zur Geltung, wie auch in fünf Opern, am besten jedoch in seiner 1791 entstandenen Orpheus Legende L 'Anima del filosofo, seinem reifsten Bühnenwerk. Ein sehr spätes Beispiel aus Haydns Feder ist das religiöse Terzett Pieta di me, vermutlich aus den späten 80er Jahren. Es ist geschrieben für zwei Sopran- und Tenor-Soli mit obligatem Englischhorn, Fagott und Horn, Streichern, zwei Hörnern und Continuo. Es ist zweifellos Haydns ungewöhnlichste Behandlung des Instrumentes und das einzige Mal, dass er es nicht paarweise einsetzt.

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