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Dienstag, 14. August 2018

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Musikzeitschriften im Portrait: Neue Zeitschrift für Musik

"dissonant music"

Ruth Crawford-Seeger, Pionierin der amerikanischen Moderne

von Kirsten Reese, aus: Neue Zeitschrift für Musik 3/99

(ungefähr 7 Seiten)

Als "Ruth Crawford" komponierte sie einige der herausragendsten Werke der Avantgarde der 20er und 30er Jahre, als "Ruth Seeger" trug sie in den Jahren des "New Deal" zur Wiederentdeckung der amerikanischen Volksmusik und zu neuen Ansätzen in der musikalischen Früherziehung bei: Ruth Crawford-Seeger - eine Pionierin der amerikanischen Musik des 20. Jahrhunderts.

Die Frage ihrer Mutter, ob sie sich denn eine Existenz als Komponistin zutraue, beantwortete Ruth Crawford selbstbewusst: "...stop worrying about it. What man has done (Schumann) woman can do (Crawford)."1 1921 hatte die 1901 in East Liverpool (Ohio) geborene Tochter eines methodistischen Pfarrers bereits ein Studium am American Conservatory of Music in Chicago aufgenommen. Vom Klavier, für das sie sich zunächst entschieden hatte, war sie bald zur Komposition gekommen und dort von Adolf Weidig, einem eher konservativen Lehrer, in ihren modernen Neigungen unterstützt worden.
Eine "Befreiung" bedeutete für Crawford die spirituelle Welt, die ihr Djane Lavoie Herz eröffnete, bei der sie ab 1924 Klavierunterricht hatte. Herz, eine ehemalige Schülerin Skrjabins, führte in Chicago eine Art theosophischen Salon. Hier lernte Crawford den aus Frankreich stammenden Komponisten Dane Rudhyar kennen, dem sie sich anschloss und mit dem sie sich über Musik und fernöstliche Philosophie austauschte. Die vielfach auftauchende Vortragsbezeichnung "mistico" und die harmonische Sprache in Crawfords Werken der 20er Jahre zeugen von der intensiven Auseinandersetzung mit der Musik Skrjabins und vom Einfluss Rudhyars. Zugleich finden sich jetzt bereits Merkmale ihres Personalstils, die in späteren Werken wiederkehren, wie die häufige Verwendung zyklischer Formen, eine Vorliebe für Ostinati und durchlaufende motorische Bewegung sowie eine allgemeine Betonung des Rhythmischen durch metrische Verschiebungen und ungewöhnliche Taktaufteilungen.
Über Djane Herz kam auch die prägende Begegnung mit Henry Cowell zustande. Cowell schätzte Crawfords Originalität, die in der "reichlich komplexen Verwendung von Akkorden, die sogar unter Anhängern der Moderne nicht konventionell sind"2 gründete. 1928 veröffentlichte er ihre "Preludes" für Klavier in seiner legendären Reihe "New Music", und schon bald zählte sie wie andere Komponisten aus Cowells Umfeld - neben Rudhyar, Carl Ruggles und Edgard Varèse auch bei uns kaum rezipierte Komponisten wie Wallingford Riegger, John Becker, Adolph Weiss - zu den sogenannten "ultramodernists". Cowell verschaffte Crawford Aufführungsmöglichkeiten und besprach ihre Werke in seinen Vortragsreihen. Er war es auch, der ihr Ende der 20er Jahre, als Crawford das Gefühl hatte an kompositorische Grenzen zu stoßen, Charles Seeger in New York als neuen Lehrer vorschlug.

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