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Samstag, 21. Oktober 2017

[Ein Pionier der Musikpublizistik in Österreich]

Musikzeitschriften im Portrait: Österreichische Musikzeitschrift

Ein Pionier der Musikpublizistik in Österreich

Zum Leben und Wirken von Harald Kaufmann (1927–1970)

von Gottfried Krieger, aus: Österreichische Musikzeitschrift 07-08/2010

(ungefähr 4 Seiten)

Umfangreiche Vortrags- und Publikationstätigkeit im Netzwerk mit Komponisten

… Zum einen nahmen Anfang der 1960er-Jahre Kaufmanns Reputation und damit seine Vortrags- und Publikationsverpflichtungen sowohl im Inland (Österreichische Gesellschaft für Musik, Österreichische Gesellschaft für Literatur, Europäisches Forum Alpbach) als auch in Deutschland stark zu. So schrieb er ab 1957 auf Bitte Wieland Wagners Werkeinführungen für Bayreuth, hielt, eingeladen von Rudolf Stephan, Vorträge am Institut für Neue Musik und Musikerziehung in Darmstadt und verfasste Sendereihen u.a. für WDR, NDR und Bayerischen Rundfunk. Zum anderen lernte Kaufmann 1958 im Zuge der Vorbereitungen für das Europäische Forum Alpbach György Ligeti kennen (Kaufmann leitete 1958 und 1961 jeweils die „Arbeitsgemeinschaft Musik“). Kaufmann war sofort fasziniert von dem Komponisten, der durch seine Flucht aus Ungarn zu einem künstlerischen Neustart gezwungen war, Ligeti wiederum schätzte Kaufmanns analytische Begabung. Mit der unabhängig voneinander vorgenommenen Analyse der Kantate Le Marteau sans Maître von Boulez, eines der anspruchsvollsten Werke der 1950er-Jahre, hatte man rasch ein gemeinsames Thema gefunden. Mehrmals erkundigt sich Ligeti in Briefen an Kaufmann nach dem Fortschritt der Arbeit. Auch waren sich beide einig im Bekenntnis zur Tradition der Wiener Schule und hielten Ende der 1950er-Jahre die seriellen Tendenzen für eine Sackgasse der Neuen Musik – im Januar 1959 verbrachte Ligeti eine Woche in Graz, um unter Mithilfe von Kaufmann an der Endfassung seines Aufsatzes Wandlungen der musikalischen Form zu arbeiten, der 1960 in Ausgabe 7 der Zeitschrift „die reihe“ erschien.

Die Beziehung zwischen Ligeti und Kaufmann entwickelte sich, getragen von persönlicher Zuneigung, zu einer idealen Zweckgemeinschaft. Die Briefe und Tagebücher sind Dokumente dieser produktiven Freundschaft. Kaufmann erhielt in den 1960er-Jahren Informationen aus erster Hand über alle im Entstehen begriffenen Werke Ligetis und lieferte mehr oder weniger punktgenau zur Uraufführung kenntnisreiche Analysen, in denen Ligeti seine kompositorischen Intentionen bestätigt fand. Zudem holte Kaufmann den am Beginn seiner internationalen Anerkennung stehenden Ligeti immer wieder nach Graz. Dabei erwiesen sich Kaufmanns Beziehungen zu lokalen Kultureinrichtungen und maßgebenden Persönlichkeiten, die sich über die Jahre entwickelten, als hilfreich. Im Januar 1959 sprach Ligeti über Möglichkeiten und Grenzen der seriellen Musik. Veranstalter war das „Studio für Probleme zeitlich naher Musik“, einer von dem Komponisten Erich Marckhl, dem damaligen Landesmusikdirektor und späteren ersten Rektor der Grazer Musikakademie im Januar 1953 ins Leben gerufenen Konzertreihe, die Kaufmann von Beginn an publizistisch unterstützte. Ligetis Vortrag druckte Kaufmann in den „Monatsheften des Musikvereins für Steiermark“ ab, die er zwischen 1957 und 1967 redaktionell betreute. Im November 1960 analysierte Ligeti die Harmonik im Spätwerk Anton von Weberns im forum stadtpark, wohin Kaufmann seit der Gründungsphase gute Verbindungen hatte. 1969 wurde dann zu einem zentralen „Ligeti-Jahr“: Am 20. Januar wurde mit Atmosphères nicht nur erstmals ein Werk Ligetis im Grazer Musikverein gespielt, es war zugleich die österreichische Erstaufführung. Im Mai arrangierte Kaufmann ein Treffen des Komponisten mit Verantwortlichen des „steirischen herbstes“; dabei ging es laut einer Tagebuchnotiz um konkrete Pläne für Aufführungen im „musikprotokoll“, der 1968 erstmals veranstalteten Konzertreihe des neugegründeten Avantgardefestivals. In der Anfangszeit des musikprotokolls wurden regelmäßig Werke von Ligeti ur- und erstaufgeführt, darunter 1973 das dem Andenken Kaufmanns gewidmete Clocks and Clouds. Bei der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft des Musikvereins für Steiermark an Ligeti im Dezember 1969 ließ Kaufmann in einer sehr persönlichen Laudatio die Jahre der Freundschaft Revue passieren. In den folgenden Tagen hielt Ligeti vier Vorträge am Institut für Wertungsforschung.

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