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Montag, 1. Juni 2020

[Zur Ergänzung von Mozarts Tripelkonzert-Fragment A-Dur (KV 320e)]

Musikzeitschriften im Portrait: Österreichische Musikzeitschrift

Zur Ergänzung von Mozarts Tripelkonzert-Fragment A-Dur (KV 320e)

Von den Freuden und Schwierigkeiten, ein Genie vervollständigen zu wollen

von Eduard Melkus, aus: Österreichische Musikzeitschrift 05/2010

Seite 2

Warum hat Mozart diese vielversprechende Komposition nicht weitergeführt? Man kann darüber nur mutmaßen. Vermutlich hat er von Paris heimkehrend neue Anregungen für den Typ der Sinfonia concertante mitgebracht, die dort in großer Mode war. Allerdings sollte man nicht übersehen, dass er schon mit dem Concertone in C-Dur KV 190 für zwei Violinen (eigentlich für 2 Vl, Ob) eine Komposition dieser Art geschrieben hatte und auch auf der großen Reise 1778 eine Sinfonia concertante für Flöte, Oboe, Horn und Fagott komponiert hat. (Inwieweit sich diese in der uns geläufigen Konzertante für vier Bläser erhalten hat, in der statt der Flöte eine Klarinette als Soloinstrument mitwirkt, bleibt hier Nebensache.)

Wir können annehmen, dass Mozart, als er den ersten Teil geschrieben hatte, feststellen musste, dass der technische Anspruch im Cello-Part für die Salzburger Musiker zu hoch war. Sicher hat er in Paris Cello-Virtuosen gehört, die solche Anforderungen gerechtfertigt hätten ? auch in Wien wäre der Eine oder Andere diesem Part gewachsen gewesen ?, aber im kleinen Salzburger Orchester fand sich offenbar kein adäquater Spieler. Und so ließ er die angefangene Komposition liegen und wendete sich dann einem neuen Werk zu ? unter Weglassung des Cellos: der großartigen, viel weiter ausgebauten Sinfonia concertante für Violine und Viola in Es-Dur KV 364.

Das künstlerische Niveau des Fragments, die in der gesamten Literatur seltene Besetzung und auch ihre bedeutsame Stellung im Lebenswerk Mozarts (es handelt sich um die einzige Solo-Komposition für Cello) lassen uns nur zu sehr bedauern, dass er das Konzert nicht weitergeführt hat. Immerhin ist durch die vollständig instrumentierte Orchestereinleitung und die gesamte Exposition der Soloinstrumente mit den acht Anfangstakten der Durchführung die Richtung gegeben. ?

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