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Sonntag, 18. August 2019

[Ohne Sonntagsbraten]

Musikzeitschriften im Portrait: Musik & Kirche

Ohne Sonntagsbraten

Dominik Susteck, Organist an der Kunst-Station St. Peter Köln

von Guido Krawinkel, aus: Musik & Kirche, 03/2010

Seite 2

Ein schönes ?Spielzeug?, könnte man meinen ?Ja ? wenn man damit nicht umgehen kann?, so Susteck. ?Ich habe bei Nicolaus A. Huber Komposition studiert und weiß schon genau, was ich tue. Ich will nicht traditionellen Mustern folgen, sondern die reine Energie der Musik spürbar werden lassen.? Sustecks Ansatz ist für traditionell geschulte Ohren radikal, doch wie verträgt er sich mit traditionellem Gemeindegesang? ?Das ist natürlich eine Herausforderung. Einerseits verwenden wir unter anderem ein Gesangbuch von Peter Bares, das zwölftönige Lieder enthält. Andererseits verwende ich bei traditionellen Liedern auch eher traditionelle Begleitmuster, weil der Bruch sonst zu groß wäre.? Doch auch hier bricht Susteck alte Muster gerne auf, konfrontiert die an Vieles gewöhnte Gemeinde immer wieder mit neuen Klängen. Das verlangt von der Gemeinde eine große geistige und musikalische Beweglichkeit. Doch die singt selbst zwölftönige Gesänge a cappella. Eine Provokation ist so etwas für ihn nicht. ?Wenn ein konventioneller Pianist einen Cluster spielt, dann kann das eine Provokation sein, dann ist das platt. Etwas Authentisches ist ausgearbeitet, hat verschiedene Ebenen, ist spannend.? Es würde ihm nicht gerecht, wenn man es als Provokation bezeichnete. ?Auf das Authentische kommt es an.? Musik soll für Susteck aus sich heraus strahlen und Gotteserfahrungen ermöglichen. Diese Erfahrungen sollen erschüttern, existenziell sein und Fragen aufwerfen. ?Wenn sie das tut, dann verkündigt sie gleichzeitig auch.? Wichtig ist für Susteck immer das professionelle Niveau, auf dem alle Aktivitäten in St. Peter stattfinden. ?Kunst und Musik sind hier strikt getrennt, dafür aber auf sehr hohem Niveau angesiedelt.? Susteck meint hier explizit die freie Musik, denn, so seine Beobachtung, die ?kirchliche Neue Musik ist eine Subkultur auf einem Niveau, das mit der Moderne nicht mehr viel zu tun hat. Das ist wie in der Bildenden Kunst?. Wichtig sei es, dass man ein bestimmtes Niveau erreichen wolle. In St. Peter wird dies etwa durch einen Musik- und einen Kunstbeirat sichergestellt, die über das künstlerische Programm in St. Peter entscheiden. Das musikalische Profil wird von der Musik der Gegenwart bestimmt. ?Wir wollen wirklich zeitgenössische Musik aufführen. Dann sind wir aber auch in der Tradition verwurzelt und machen z. B. auch Stockhausens Kontakte aus den 60er-Jahren oder Werke von Peter Bares.? Es gibt auch einen Composer in residence, letztes Jahr war es Peter Köszeghy aus Berlin, der an der Orgel von St. Peter ein 15-minütiges Stück geschrieben hat. In diesem Jahr ist der portugiesische Komponist Luís Antunes Pena Composer in residence und wird wie seine Vorgänger auch eine Auftragskomposition schreiben, die von Dominik Susteck uraufgeführt und vom Deutschlandfunk mitgeschnitten und gesendet wird.

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