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Mittwoch, 25. April 2018

[Ohne Sonntagsbraten]

Musikzeitschriften im Portrait: Musik & Kirche

Ohne Sonntagsbraten

Dominik Susteck, Organist an der Kunst-Station St. Peter Köln

von Guido Krawinkel, aus: Musik & Kirche, 03/2010
Auf den ersten Blick ist die Kölner Kirche St. Peter ein karger Raum. Die 1525 vollendete Basilika ist der letzte erhaltene gotische Kirchenbau in der Stadt. Das Innere der Kirche besteht aus einem dreischiffigen, lichtdurchfluteten Raum mit einem schmucklosen Betonboden, der bis auf wenige Kunstgegenstände komplett leer ist. Zweimal im Jahr, während der Fastenzeit und im Advent, sind auch diese noch verhüllt; selbst vor die aus der Renaissancezeit stammenden Fenster werden dann Tücher gehängt.

In solchen Zeiten gibt sich Organist Dominik Susteck besonders viel Mühe, ein anregendes musikalisches Programm zu bieten, von elektronischer Musik bis zu Klavierimprovisationen reicht die Bandbreite. Nicht selten erreichen ihn nach den Gottesdiensten positive Rückmeldungen der Gemeinde: „Das passiert durchaus öfter. Umgekehrt ist es zwar auch schon mal vorgekommen, aber das kann man an einer Hand abzählen“, so Susteck. Die Gemeinde, die sich Sonntag für Sonntag in der Kölner Kunststation St. Peter versammelt, ist allerdings auch eine sehr spezielle „Fahr-Gemeinde“. Die Leute kommen von weit außerhalb, manche wegen der Kunst, andere wegen der Musik oder den literarischen Veranstaltungen, aber auf jeden Fall aufgrund des speziellen ästhetischen Profils, das sich die Gemeinde in den letzten Jahren gegeben hat. „Das Interessante in dieser Gemeinde ist, dass sich ganz unterschiedliche Gruppen verbinden. Das ist das Schöne, dadurch gibt es viele Wechselwirkungen.“ Kunst, Literatur und Musik sind die drei Standbeine der Gemeinde, aber auch die klassische Pastoral wird nicht vernachlässigt. Sonntags gibt es immerhin vier Gottesdienste, das ist für eine Kölner Innenstadtgemeinde mit nur knapp 500 eigenen Mitgliedern mehr als beachtlich. Vor allem die Arbeit mit Kindern wird großgeschrieben. „Sie werden aber nicht geschont“, sagt Susteck im Hinblick auf das musikalische Programm der Gemeinde mit einem Schmunzeln, „sie lieben natürlich die Orgel.“

Das Instrument mit seinen 106 Registern auf sechs Werken neben dem ambitionierten Kunstprogramm ist das zweite Aushängeschild der Kirchengemeinde. „Die Orgel ist so reichhaltig, sie hat Hunderte von Klangfarben, was auch dem Charakter des lichten Kirchenraumes entspricht. Diese hell disponierte Orgel ist der Beweis dafür, dass neobarocke Orgeln auch in sich stimmig sein können.“ Das noch von Sustecks Vorgänger Peter Bares speziell für neue Musik konzipierte und von der Köl-ner Werkstatt Willi Peter erbaute Instrument hat beispielsweise vier ganz gegensätzlich zusammengestellte Zimbeln, die den Orgelklang sehr unterschiedlich einfärben und nicht auf Tuttispiel ausgelegt sind. Weitere Register sind unter anderem Physharmonica, Trillerpfeife, Jauler, Saxophonen von der 32‘ bis zur 8‘-Lage und eine große Batterie mit Röhrenglocken, Xylophon, Xylodur, Becken, Harfe oder Psalterium. Gerade wurde die Chororgel erweitert und verschiedene neue Register u. a. ein „Bronzeton“ hinzugefügt.

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