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Mittwoch, 15. August 2018

[Zur Geschichte des

Musikzeitschriften im Portrait: Österreichische Musikzeitschrift

Zur Geschichte des "Wellesz-Violinkonzertes"

von Eduard Melkus, aus: Österreichische Musikzeitschrift 2/2010
Da das Violinkonzert op. 84 im Spätwerk von Egon Wellesz einen gewichtigen Platz einnimmt, mögen einige Details zur Entstehung interessieren. Dazu gibt es eine kleinere Vorgeschichte: Als ich in den Sechzigerjahren beginnend mit dem Werk von Alban Berg eine ganze Fülle von modernen Violinkonzerten spielte ? größtenteils unter der direkten Anfrage des Österreichischen Rundfunks ? habe ich Blut geleckt und mich selbst auf die Suche nach interessanten Werken gemacht. Dabei fiel mir auf, dass es von Wellesz ? einem so bedeutenden Vertreter der Wiener Schule ? kein wirkliches Konzertstück gab. Nun war ich um diese Zeit zu Konzerten in London, eingeladen vom österreichischen Kulturinstitut, und machte auch einen Abstecher nach Oxford. Dort traf ich zum ersten Mal persönlich auf Wellesz, ganz feierlich gekleidet im schwarzen Talar der Universitätsprofessoren, der mich aber überaus freundlich und herzlich willkommen hieß; ich wurde sogar eingeladen in sein Privathaus in der Woodstock-Road. Unvergesslich ist mir der Eindruck des alten Herren, der dort neben dem Kamin saß und neben diesem sich aufgereiht links und rechts auf der Erde die großen Partituren seiner Opern und Ballette befanden. Da ich in ihm auch einen großen Kenner und Wissenschaftler der Barockmusik und der byzantinischen Musik sah, war ein Gesprächsstoff gleich gefunden und ein sehr freundschaftlicher Kontakt hergestellt.

Ich erinnere mich, wie er etwas resignierend und schmerzlich auf seine Opernpartituren wies, die da quasi eingesargt standen, denn Wellesz als Opernkomponist war zu diesem Zeitpunkt fast in Vergessenheit geraten. Bei dieser Gelegenheit habe ich ihn gefragt, warum er nie ein Violinkonzert geschrieben habe? Er antwortete darauf freimütig, weil ihn niemand darum gefragt hätte und er sich auch nicht getraue für ein so delikates Instrument wie die Violine zu schreiben; dazu bräuchte man eine bessere Kenntnis von der speziellen Technik der Geige, als er sie besitze. Umso erstaunter war ich, als ich nach ungefähr drei Wochen von ihm per Post ein Notenblatt mit ein paar flüchtigen Zeilen bekam. In seinem Beibrief schrieb er, unser Gespräch habe ihn doch angeregt und ihm sei dazu folgender Anfang und folgendes Ende eingefallen und was ich davon halte. Dieses Notenblatt enthielt den wunderbaren Beginn des Konzertes mit seiner ausschwingenden Melodie und das Ende mit seinem seelenvollen Ausklang. Hier der Brief vom 21.3.61 im Wortlaut:

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