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Dienstag, 27. Juni 2017

[Musik und Jugendstil]

Musikzeitschriften im Portrait: Österreichische Musikzeitschrift

Musik und Jugendstil

Versuch einer Annäherung an die Liedkompositionen Hugo Wolfs

von Elmar Budde, aus: Österreichische Musikzeitschrift 1/2010

(ungefähr 5 Seiten)

Der Versuch, Hugo Wolfs Liedkompositionen in Beziehung zu bestimmten Erscheinungsformen des Bildhaften, genauer des Jugendstils, zu setzen, kann, so ist von vornherein zu sagen, unter dem Aspekt einer begrifflichen Bestimmung nicht gelingen; ein Erfolg dürfte ihm nur dann beschieden sein, wenn es gelingt, Momente des Strukturellen zwischen Musik und Jugendstil dingfest zu machen. Weil die Künste, auch wenn sie zutiefst kontrastieren, nie unabhängig von einander existierten und bis heute existieren. Doch eine derartige Antwort ist im Blick auf die Geschichte der Künste zu allgemein, um verbindlich zu sein. Wir müssen die Antwort enger und konkreter fassen.

Historisch rückblickend wissen wir, dass z.B. in der Renaissance die Musik und die Malerei sich gegenseitig ihren Rang streitig machten. Dieser Streit beruhte jedoch eher auf Gemeinsamkeiten und nicht auf grundlegenden Differenzen; Differenzen hätten nie zu diesem Streit geführt. Während die Musik der Barockzeit durchaus offen war für malerische „Tableaux“, galten in der Musik der Klassik, also in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, Tonmalereien als Kuriosa. Die Musik begriff sich grundsätzlich als eine Sprache – eine Sprache der Empfindungen und Gefühle, aber auch eine Sprache, in der musikalische Gedanken sich sinnvoll und vernünftig formulieren ließen. Einer solchen Musik war der Charakter des Diskursiven strukturell eingeschrieben, d.h. der Sprachcharakter der Musik fand seinen Niederschlag in sprachähnlichen musikalischen Strukturen. Tonmalerische Momente dieser Musik waren vor allem dem Theatralischen vorbehalten, in der absoluten Instrumentalmusik galten sie indessen als obsolet. Das änderte sich grundlegend in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Vor dem Hintergrund der synästhetischen Fantasien der romantischen Dichter entdeckte die Musik die Klangfarbe, bzw. die Stimmungsmalerei. Und spätestens seit Berlioz, Liszt und Wagner werden Musik und bildende Kunst unmittelbar aufeinander bezogen. Liszt komponiert nach einem Gemälde von Kaulbach seine Hunnenschlacht. Moritz von Schwind malt ein Gemälde, das er Symphonie nennt. Impressionistische Musik und impressionistische Malerei werden schon früh durch das beiden zugeordnete Adjektiv in eins gesetzt. Gerade gegen Ende des 19. Jahrhunderts ist es Skrjabin, der Bild und Musik, Farbe und Ton als identisch aufeinander bezieht. Schließlich sieht Kandinsky in der atonalen Musik Schönbergs eine Rechtfertigung für seine nicht mehr gegenständlichen Bilder. Gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts scheinen die ästhetischen und vor allem auch die materialen Abgrenzungen zwischen Musik und bildender Kunst endgültig den Charakter einer strikten Trennung aufgegeben zu haben. Denkformen der einen Kunst scheinen auch die der anderen Kunst zu sein.

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