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Freitag, 20. April 2018

[Geräuschsymphonie A (1951)]

Musikzeitschriften im Portrait: Österreichische Musikzeitschrift

Geräuschsymphonie A (1951)

von Gerhard Rühm, aus: Österreichische Musikzeitschrift 10/2009
Mit dem pianisten hans kann verband mich schon seit der gemeinsamen studienzeit an der wiener musikhochschule das rege interesse für neue musik – damals auch unter studienkollegen durchaus eine ausnahmeerscheinung. da sich sein interesse auch auf andere künstlerische bereiche erstreckte (so überraschte er mich einmal mit einem wenn auch amateurhaften ölportrait von mir), hielt unsere freundschaft über die studienzeit hinaus. er wirkte als pianist an kompositionsabenden (mit uraufführungen von cerha, kölz, kont, rühm) mit, von denen einige im kellerlokal des „art-club’s“, dem sogenannten „strohkoffer“ (unter der kärntnerbar von adolf loos) stattfanden. das war damals unser bevorzugter treffpunkt.

Als sich ein paar radikale künstler vom eher stilpluralistisch geprägten art-club absonderten und die sogenannte „cave canem“-gruppe gründeten, bereiteten sie eine manifestative präsentation ihrer bildnerischen arbeiten in eigens gemieteten räumen in der museumsstrasse (hinter dem volkstheater) vor. arnulf rainer, mit maria lassnig die avantgardistische speerspitze dieser sezession, lud uns ein, an der vernissage musikalisch mitzuwirken – ein klavier war vorhanden. es war klar, dass man von uns nicht gerade gefälliges erwarten konnte.

Schon geraume zeit zuvor hatte mich die idee beschäftigt, stücke ausschliesslich mit geräuschen zu komponieren. es ging mir darum, das geräusch konsequent, also unter verzicht auf instrumentalklänge, als eigenständiges künstlerisches gestaltungsmaterial zu etablieren. das problem war „nur“ die technische realisation. anlässlich der bevorstehenden ausstellungseröffnung sprach ich darüber mit hans kann. der, ein kurzentschlossener praktiker, beschaffte umgehend ein magnetophon, und wir beschlossen, gleich in seiner wohnung zur tat zu schreiten. unsere mittel waren freilich äusserst primitiv. die aus dem akustischen gebrauch vorhandener gegenstände gewonnenen geräusche zeichneten wir nacheinander auf, denn schnitt und mischung waren nicht möglich. wir konnten das gerät nur jeweils stoppen und versuchen, das nächste „handgemachte“ geräusch unmittelbar anzuschliessen. um tempo und spannung in das ganze zu bringen, reihten wir eher kurze und kontrastreiche abschnitte – in teils geplanter, teils spontaner abfolge – aneinander, so dass eine rhythmisch und farblich charakteristische komposition zustande kam. wir betitelten das ergebnis grossspurig provokativ „geräuschsymphonie a“ – „a“,weil wir weitere folgen solcher geräuschkompositionen ins auge fassten. es blieb allerdings bei

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